«Ich möchte einmal eine Designerausbildung machen»

Die Zentren Körperbehinderte Aargau haben Vorbildcharakter: Sie fördern und betreuen Menschen mit körperlichen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Schule des Zentrums in Aarau ist auf die besonderen Bedürfnisse der Schulkinder eingestellt. Die beiden Mädchen Asya und Noemi füllen hier ihren Wissensrucksack für die Zukunft.

Kinder mit besonderen Bedürfnissen benötigen individuelle Lösungen, um möglichst selbstständig zu sein. Aber auch, um in der Berufswelt einen Platz zu finden. Dass das geht, beweisen die Zentren Körperbehinderte Aargau, kurz Zeka, mit viel persönlichem Engagement und Leidenschaft.

Selbstständigkeit und Integration fördern

Zeka betreut und fördert Menschen mit körperlichen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Seit dem Jahr 1966 verfolgt Zeka das Ziel, dass diese Menschen so selbstständig wie möglich und integriert leben können. Der Auftrag beginnt dort, wo man bei einem Kind eine Beeinträchtigung oder eine Entwicklungsverzögerung feststellt. Als Teil der aargauischen Schullandschaft stellt Zeka den Unterricht des Kindergartens und der Volksschule sicher. Dies für normalbildungsfähige Kinder und Jugendliche mit einem IQ von mindestens 70 und für jene mit körperlichen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Die Entwicklung zählt

Das Schulhaus in Aarau wurde im Jahr 1984 eingeweiht. Der Stiftungsleiter, Ueli Speich, hat 1994 als Betriebsleiter angefangen und ist seit dem Jahr 2000 Stiftungsleiter von Zeka. «Wir haben top motivierte, sehr gut qualifizierte Mitarbeitende», erzählt Ueli Speich und sagt weiter: «Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Stellen ist strukturiert und optimiert sowie auf die jeweiligen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt.»

Seit den Anfängen von Zeka hat sich vieles zum Besseren entwickelt. Zum Beispiel hat sich die Grundhaltung der Angehörigen sehr positiv verändert. «Heute steht bei den Eltern die grundsätzliche Entwicklung ihrer Kinder im Vordergrund, statt die Beeinträchtigung», so Ueli Speich.

Von Anfang an barrierefrei

Das Fördern der Kinder fängt bei einem für alle zugänglichen Schulhaus an. Zeka hat schon beim Bau der Gebäude die verschiedenen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt. Seither waren kaum bauliche Anpassungen notwendig. Einzig die Nasszellen hat Zeka optimiert und separate Pflegezimmer eingerichtet. In diesen helfen die Fachleute den Kindern bei den körperlichen Verrichtungen oder betreuen sie bei kleineren Verletzungen oder Unwohlsein.

Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist der Stundenplan auf jedes Kind individuell angepasst. Das fordert die Fachleute beim Planen heraus. Sie integrieren auch Therapiestunden, wie Ergo-, Physio- und Psychomotoriktherapie sowie Logopädie, in den Schulablauf.

Eine Stimme dank einer App

115 Kinder besuchen aktuell das Zeka in Aarau. Darunter auch die beiden Mädchen Asya und Noemi. Die 10-jährige Asya hat eine Muskelerkrankung. Sie benutzt einen Elektrorollstuhl und kommuniziert über ein iPad, das mit der Predicable-App ausgerüstet ist. Diese App verleiht ihr eine Stimme.

Asya ist ein sehr intelligentes und kreatives Mädchen. Am liebsten nimmt sie Videos auf, die sie auf TikTok online stellt. Sie kopiert zu Musik die Hand- und Armbewegungen der singenden und tanzenden Interpreten. Trotz ihrer starken körperlichen Einschränkungen macht sie das toll. Zudem zeichnet sie gerne und liebt es, mit ihrer Katze zu kuscheln. «Ich möchte wie meine Cousine einmal eine Designerausbildung machen», verrät sie ihren Berufswunsch.

Von der Tafel auf den Bildschirm

Asyas Mitschülerin Noemi ist 13 Jahre jung und hat Neurofibromatose. Ihr Sehvermögen ist stark beeinträchtigt. Noemi nutzt eine Fernkamera. So kann sie lesen, was an der Tafel steht oder was sie schreibt. Die Kamera kann sie individuell ausrichten und diese projiziert den Text auf den dafür vorgesehenen Monitor. Dort kann sie den Text ihren Bedürfnissen entsprechend vergrössern. Wenn sie selber schreibt, dreht sie die Kamera auf das Papier auf ihrem Pult. Beim Schreiben schaut sie nicht auf das Papier, sondern auf den Bildschirm, wo das Geschriebene projiziert wird. So kann sie lesen, was sie schreibt.

Noemis Lieblingsfächer sind Mathematik, textiles Werken und Turnen. Besonders angetan ist sie von Ballspielen, zum Beispiel Brennball. Trotz ihren Einschränkungen meistert sie das hervorragend und hat viel Spass dabei.

Steht man zusammen, geht es

Was im Kanton Aargau so gut funktioniert, muss auch in anderen Kantonen möglich sein. Wie erreicht man das? Der Bereichsleiter der Schule in Aarau, Carlo Mettauer, sagt dazu: «Bei Zeka erreichen wir das dank guter interdisziplinärer Zusammenarbeit.» Dazu zählen die Vernetzung mit verschiedenen Fachstellen und ein regelmässiger Austausch, zum Beispiel mit der Invalidenversicherung Aargau.

Erfahren Sie mehr über die Zentren Körperbehinderte Aargau.

Von Karina Peters 03.03.2021 Keine Kommentare

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