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IV-Depots: nach­hal­tig und ressourcenschonend

Die IV-Depots sind ein Modell der Nach­hal­tig­keit. Fach­leu­te berei­ten hier gebrauch­te Hilfs­mit­tel auf, um sie erneut in den Ein­satz zu brin­gen. Dies schont die Res­sour­cen, spart Geld und stellt sicher, dass wert­vol­le Mate­ria­li­en eine zwei­te Chan­ce erhal­ten. Ein Besuch im IV-Depot des Hilfs­mit­tel­zen­trums in Itti­gen gibt Einblicke.

  • von Annina Humanes
[Titel] - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 13

Alle acht Hilfs­mit­tel­zen­tren der SAHB füh­ren im Man­dat des Bun­des­am­tes für Sozi­al­ver­si­che­run­gen (BSV) ein Hilfs­mit­tel­de­pot, kurz IV-Depot. Die­se IV-Depots sind eine gute Sache, denn hier erhal­ten nicht mehr gebrauch­te Hilfs­mit­tel ein neu­es Leben. Die Fach­leu­te revi­die­ren und repa­rie­ren sie und geben sie an eine nächs­te nut­zen­de Per­son ab. Schweiz­weit war­ten ca. 4000 Hilfs­mit­tel auf den Wie­der­ein­satz. Das Team in Itti­gen gibt jähr­lich etwa 700 Hilfs­mit­tel ab. Genau­so vie­le Hilfs­mit­tel kom­men pro Jahr ins Depot zurück. Doch was genau pas­siert in einem IV-Depot? Ein Besuch im IV-Depot in Itti­gen bringt Licht ins Dun­kel. Ein Bei­spiel: Eine Per­son hat einen Roll­stuhl, benö­tigt nun aber einen neu­en. Die IV erteilt ihr eine Kos­ten­gut­spra­che und schickt ihr gleich­zei­tig einen Rück­for­de­rungs­auf­trag. In die­sem steht, dass die Per­son den alten Roll­stuhl im IV-Depot abge­ben muss. Das Team der SAHB erhält die­ses Schrei­ben auch und weiss dann, dass ein Roll­stuhl zurück­kommt. Für die Rück­ga­be gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten: Die Per­son bringt das Hilfs­mit­tel in ein IV-Depot oder lässt es von der SAHB abho­len. Oder sie bringt das Hilfs­mit­tel in den Fach­han­del, der dann meh­re­re gleich­zei­tig ins IV-Depot retourniert.

Rück­ga­be und ers­te Kontrolle
Im IV-Depot in Itti­gen ange­kom­men, kommt das Hilfs­mit­tel zuerst ins Unter­ge­schoss des Gebäu­des. Dort sind die Anlie­fe­rung und die Hal­le, in der unter­schied­lichs­te retour­nier­te Roll­stüh­le, Elek­tro­mo­bi­le, Pfle­ge­bet­ten und ande­re Hilfs­mit­tel ste­hen. Man­che Roll­stüh­le sehen ziem­lich mit­ge­nom­men aus. Kaum vor­stell­bar, dass die­se wie­der in Umlauf gehen. In der Hal­le unter­zie­hen der Team­lei­ter Bera­tung und der Werk­statt­lei­ter die Hilfs­mit­tel einer ers­ten Kon­trol­le. Sie ent­schei­den, wel­che Hilfs­mit­tel sie kom­plett revi­die­ren, von wel­chen sie noch Ersatz­tei­le brau­chen kön­nen und wel­che ent­sorgt und recy­celt wer­den. Nach einem Ampel­sys­tem mit Auf­kle­bern kenn­zeich­nen sie die Hilfs­mit­tel. Grün bedeu­tet, das Hilfs­mit­tel wird wie­der ein­ge­setzt, rot ist zum Ent­sor­gen und blau kenn­zeich­net Hilfs­mit­tel, die Ersatz­tei­le lie­fern. Sind Hilfs­mit­tel in der Schweiz nicht mehr zuge­las­sen oder lie­fert der Fach­han­del kei­ne Ersatz­tei­le mehr, zie­hen eini­ge, noch funk­ti­ons­tüch­ti­ge Hilfs­mit­tel wei­ter nach Äthio­pi­en und leis­ten dort gute Diens­te (sie­he Kas­ten). Gene­rell gilt: Gibt das IV-Depot älte­re Model­le gra­tis ab, unter­schrei­ben die Abneh­mer, dass sie kei­nen Pro­fit dar­aus schlagen.

Zurück in die Hal­le. Die Fach­leu­te füh­ren über jedes Hilfs­mit­tel exakt Buch und erfas­sen alle Details in ihrem Sys­tem. So haben sie den Über­blick und wis­sen, was sie alles im Depot lagern. Auf die­se Daten­bank haben alle IV-Depots Zugriff und kön­nen bei Bedarf ein Hilfs­mit­tel an einem ande­ren Stand­ort bestel­len. Meis­tens sind dies Roll­stüh­le. «Rol­la­to­ren und Pfle­ge­bet­ten ver­schie­ben wir nicht von einem Depot ins nächs­te, da es nicht wirt­schaft­lich ist», erklärt Alex­an­dra Frey. Sie lei­tet das Hilfs­mit­tel­zen­trum in Ittigen.

Cle­ver gela­gert und organisiert
Recy­celn die Fach­leu­te Hilfs­mit­tel, schau­en sie genau hin und demon­tie­ren Zube­hör, das für Repa­ra­tu­ren und Revi­sio­nen nütz­lich sein könn­te. Vie­le Hilfs­mit­tel ent­hal­ten Alu­mi­ni­um und Elek­tro­nik. «Gera­de Elek­tro­roll­stüh­le geben immer wert­vol­les Ersatz­ma­te­ri­al her», erläu­tert Alex­an­dra Frey. Was übrig bleibt, trennt und ent­sorgt das Team fach­ge­recht. Hilfs­mit­tel für den Wie­der­ein­satz sind im zwei­ten Stock des Hilfs­mit­tel­zen­trums. Dort befin­den sich die Werk­statt und die Lager­hal­len. Letz­te­re sind das Herz­stück des IV-Depots. In den Hal­len befin­den sich rei­hen­wei­se Rega­le mit unre­vi­dier­ten Hilfs­mit­teln. Hier gibt es alles: von Steh­ge­stel­len, Kin­der­sit­zen und Ram­pen über Kin­der­roll­stüh­le, Elek­­t­ro- und Hand­roll­stüh­le bis hin zu Elek­tro­an­trie­ben, Trep­pen­steig­ge­rä­ten, Scoo­tern und Pfle­ge­bet­ten. In Schrän­ken befin­den sich neue Sitz­kis­sen und in Kis­ten das Ersatz­ma­te­ri­al. Alles ist nach Art und Grös­se sor­tiert, beschrif­tet und mit Sys­tem orga­ni­siert. Alex­an­dra Frey nennt das IV-Depot einen Gemischt­wa­ren­han­del. Wäh­rend sich der Fach­han­del meist auf aus­ge­wähl­te Hilfs­mit­tel kon­zen­triert, erhal­ten die IV-Depots die unter­schied­lichs­ten Produkte.

Schnell ver­füg­bar, ein Vor­teil der IV-Depots
«Man­che Hilfs­mit­tel sind schnell weg, ande­re ste­hen lan­ge hier», führt Alex­an­dra Frey aus. Etwa, weil sie eine Grös­se haben, die nur weni­gen Per­so­nen passt, oder weil es ein spe­zi­el­les Hilfs­mit­tel ist. Wenn jemand ein Hilfs­mit­tel benö­tigt, steht es inner­halb von zwei bis drei Tagen bereit. Zeit ist ein ent­schei­den­der Vor­teil der IV-Depots gegen­über dem Fach­han­del. «Die­ser hat oft kei­ne gros­sen Lager und bestellt die Hilfs­mit­tel bei den Her­stel­lern», so Alex­an­dra Frey. Bei Lie­fer­eng­päs­sen oder je nach Welt­la­ge kann sich die War­te­zeit um Mona­te hin­aus­zö­gern. In den IV-Depots steht das Mate­ri­al bereit. Auch das Insel­spi­tal bezieht Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot in Itti­gen. «Wenn sie ein Pfle­ge­bett oder einen Roll­stuhl für die Pal­lia­tiv­pfle­ge benö­ti­gen, muss es schnell gehen», erzählt Alex­an­dra Frey.

Die Werk­statt ver­leiht neu­en Glanz
Damit die Fach­leu­te ein Hilfs­mit­tel auf­be­rei­ten kön­nen, erhal­ten sie einen Werk­statt­an­trag. Die­sen erstellt die Per­son, die die Kli­en­tin oder den Kli­en­ten bera­ten hat. Der Werk­statt­an­trag beschreibt genau, wie die Werk­statt­mit­ar­bei­ten­den das Hilfs­mit­tel anpas­sen müs­sen. Sie holen das ent­spre­chen­de Hilfs­mit­tel aus dem Lager, anschlies­send lagern sie es in einer Art War­te­zim­mer zwi­schen, denn die Mit­ar­bei­ten­den der Werk­statt arbei­ten die Hilfs­mit­tel nach Prio­ri­tät ab. Oft geht ein Hilfs­mit­tel vor der Revi­si­on unter die Dusche. Dazu hat das IV-Depot einen sepa­ra­ten Raum. Die­ser ist mit einem Hoch­druck­rei­ni­ger, einer Wasch­ma­schi­ne, Ent­kal­kungs­mit­tel für Dusch­stüh­le sowie Rei­­ni­­gungs- und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln aus­ge­stat­tet. Die Mecha­ni­ker neh­men das Hilfs­mit­tel aus­ein­an­der, rei­ni­gen es gründ­lich und las­sen es trock­nen. Anschlies­send berei­ten sie es auf, erset­zen altes Mate­ri­al mit neu­em, repa­rie­ren und pas­sen es genau an die Per­son an, die es erhält. Es ist erstaun­lich, wel­chen Wan­del die Hilfs­mit­tel durch­lau­fen. Denn nach geta­ner Arbeit sehen sie aus wie neu und war­ten dar­auf, abge­holt zu werden.

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Gebrauch­te Hilfs­mit­tel, die ins IV-Depot zurückkommen, sehen mit­un­ter ziem­lich lädiert aus

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Kor­rek­tes Ent­sor­gen und Recy­cling sind für 2 das IV-Depot das A und O.

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In den Lager­hal­len sta­peln sich Hilfs­mit­tel und 3 Ersatz­tei­le aller Art – mit Sys­tem organisiert.

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Durch den Werk­statt­an­trag wis­sen die Werk­statt­mit­ar­bei­ten­den, was sie alles für die neue nut­zen­de Per­son anpas­sen müssen.

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Die War­te­schlan­ge mit den zu revi­die­ren­den Hilfsmitteln

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In die­sem Raum rei­ni­gen die Fach­leu­te die Hilfsmittel.

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Der Werk­statt­mit­ar­bei­ter berei­tet einen Kin­der­roll­stuhl neu auf.

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Das aus­ein­an­der­ge­nom­me­ne Steh­ge­stell für ein Kind wird neu bestückt.

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Wie neu: Ein fer­tig revi­dier­ter Roll­stuhl mit Zug­ge­rät ist bereit zum Abholen.

In Äthio­pi­en wei­ter im Einsatz

Hilfs­mit­tel, die aus­ran­giert sind oder den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen der Schweiz nicht mehr genügen, erhal­ten ein wei­te­res Leben in Äthio­pi­en. Rollstühle und Hilfs­mit­tel sind dort, wie auch in ande­ren afri­ka­ni­schen Län­dern, ein rares Gut. 17 Pro­zent der Men­schen in Äthio­pi­en leben mit einer Behin­de­rung. Gründe sind Krieg, Krank­hei­ten oder Unfäl­le. Die SAHB unterstützt mit ihrem Part­ner Rol­laid aus Inter­la­ken die Non-Pro­­fit-Orga­­ni­­sa­­ti­on Addis Guzo. Nebst Mate­ri­al­spen­den rei­sen auch regel­mäs­sig zwei Mit­ar­bei­ten­de der SAHB nach Äthio­pi­en, um die Men­schen im Umgang mit Hilfs­mit­teln zu schulen.

Video über Addis Guzo in eng­li­scher Sprache

Mehr erfah­ren:

www.rollaid.org
www.addisguzo.com

IV-Depots: ein Leistungsauftrag

Die IV-Depots bei der SAHB sor­gen dafür, dass gebrauch­te Hilfs­mit­tel gewar­tet und wie­der­ver­wen­det wer­den. So ent­steht ein nach­hal­ti­ger Kreis­lauf, der Res­sour­cen schont und der IV Kos­ten einspart.

Die SAHB bewirt­schaf­tet das Hilfs­mit­tel­de­pot der Inva­li­den­ver­si­che­rung (IV-Depot) im Auf­trag des Bun­des­am­tes für Sozi­al­ver­si­che­run­gen (BSV). In den Depots ste­hen ver­schie­dens­te Hilfs­mit­tel zum Wie­der­ein­satz bereit. Wie ist es zu die­ser Zusam­men­ar­beit gekom­men? Frü­her war es so: Die IV bezog Hilfs­mit­tel über den Fach­han­del. Nicht mehr gebrauch­te Hilfs­mit­tel gin­gen je nach kan­to­na­ler Rege­lung an unter­schied­li­che Stel­len zurück. Ein teu­res und öko­lo­gisch wenig sinn­vol­les Unter­fan­gen für die IV, denn sie kauf­te immer neue Hilfs­mit­tel. Des­halb mach­te sich die IV im Jahr 1988 auf die Suche nach einer unab­hän­gi­gen Orga­ni­sa­ti­on, um die Idee der IV-Depots zu ver­wirk­li­chen. Eine zen­tra­le Stel­le soll­te die Hilfs­mit­tel ver­wal­ten, war­ten und zum Wie­der­ver­wen­den auf­be­rei­ten. Die IV wur­de bei der SAHB fün­dig, da die­se nur bera­tend tätig ist und selbst nicht als Fach­händ­le­rin fungiert.

Ein nach­hal­ti­ger Kreislauf
Noch heu­te bezieht die IV die Hilfs­mit­tel im Fach­han­del und gibt die­se leih­wei­se an Per­so­nen ab, die sie benö­ti­gen. Ein Kind im Wachs­tum oder eine Per­son mit fort­schrei­ten­der Erkran­kung benö­tigt rasch ein ande­res Hilfs­mit­tel. Der Unter­schied zu frü­her ist: Heu­te gehen die gebrauch­ten Hilfs­mit­tel in eines der IV-Depots bei der SAHB. Die Fach­leu­te revi­die­ren sie und geben sie an die nächs­te Per­son ab. Ein nach­hal­ti­ger und res­sour­cen­scho­nen­der Kreis­lauf. «Natür­lich ist es auch wich­tig, dass der Fach­han­del neue Hilfs­mit­tel abgibt, sonst sind die IV-Depots eines Tages leer», erklärt Alex­an­dra Frey. Wie erhält jemand ein Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot? Es gibt ver­schie­de­ne Wege. Ein Bei­spiel­sze­na­rio: Eine Per­son, die einen neu­en Roll­stuhl benö­tigt, wen­det sich an den Fach­han­del. Die­ser erör­tert mit ihr, wel­ches Modell und wel­che Anpas­sun­gen sie braucht. Statt den Roll­stuhl direkt zu ver­kau­fen und der IV zu ver­rech­nen, muss der Fach­han­del erst beim IV-Depot abklä­ren, ob dort ein pas­sen­des Modell vor­han­den ist. Wenn ja, erhält die Per­son das Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot, wenn nicht, vom Fach­han­del. Vie­le Kli­en­tin­nen und Kli­en­ten der SAHB ken­nen das IV-Depot inzwi­schen seit Jah­ren und kon­tak­tie­ren im Bedarfs­fall die Fach­leu­te auch direkt. Fal­len bei einem Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot Repa­ra­tu­ren oder Revi­sio­nen an, kön­nen sich Nut­zen­de jeder­zeit an die Werk­statt des IV-Depots wenden.

Ohne Pro­fit
Das IV-Depot erhält für jedes Hilfs­mit­tel einen Pau­schal­be­trag von der IV. Die­ser deckt Mate­ri­al, War­tung und Löh­ne der Mit­ar­bei­ten­den. Der erwirt­schaf­te­te Über­schuss aus den IV-Depots fliesst Ende Jahr ans BSV zurück. Die SAHB erzielt kei­nen Gewinn aus der Bewirt­schaf­tung des IV- Depots.

 

Gut zu wissen

Der Grund­satz der IV lau­tet: «Es besteht nur Anspruch auf Hilfs­mit­tel in ein­fa­cher, zweck­mäs­si­ger und wirt­schaft­li­cher Aus­füh­rung. Durch eine ande­re Aus­füh­rung beding­te zusätz­li­che Kos­ten hat der Ver­si­cher­te selbst zu tra­gen.» (Art. 2 der Ver­ord­nung des Eid­ge­nös­si­schen Depar­te­ments des Innern über die Abga­be von Hilfs­mit­teln durch die Invalidenversicherung)