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„Ohne das Elek­tro­mo­bil wäre ich aufgeschmissen“

Hans Peter Zaugg ist Musi­ker, Kämp­fer und ein Mann mit Durch­hal­te­ver­mö­gen. Trotz sei­ner zere­bra­len Bewe­gungs­stö­rung meis­tert er sein Leben unab­hän­gig und mit Lei­den­schaft. Dank Hilfs­mit­teln bleibt er mobil und aktiv. Die­se bezieht er teil­wei­se aus dem IV-Depot der SAHB.

  • von Guido Jufer
[Titel] - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 12
Hans Peter Zaugg auf sei­nem geschätz­ten Elek­tro­mo­bil unterwegs

Für vie­le Men­schen in Lang­nau im Emmen­tal ist Hans Peter Zaugg ein bekann­tes Gesicht. Er war in der Gemein­de lan­ge poli­tisch aktiv und hat sich auch mit sei­ner Band Zog­go­li­no einen Namen gemacht. Dazu spä­ter mehr. Dane­ben steht sein Name auch für uner­müd­li­ches Durch­hal­te­ver­mö­gen. Hans Peter Zaugg lebt von Geburt an mit einer zere­bra­len Bewegungsstörung.

Eine Kind­heit vol­ler Herausforderungen
Sei­ne Kind­heit war geprägt von Heim­auf­ent­hal­ten, wech­seln­den Betreu­ungs­per­so­nen und dem Feh­len eines ech­ten Fami­li­en­le­bens. «Die bes­ten Erfah­run­gen mach­te ich mit Leu­ten, die kei­ne Sozi­al­ar­bei­ter waren», bemerkt er tro­cken. Die­se frü­hen Erleb­nis­se hin­ter­lies­sen tie­fe Spu­ren. Im Alter zwi­schen 6 und 15 Jah­ren war er lan­ge Zeit im Spi­tal. 25 Ope­ra­tio­nen an Zäh­nen, Augen und Bei­nen muss­te er über sich erge­hen las­sen. Sei­ne Schul­zeit ver­brach­te er in der Stif­tung Ross­feld, der beson­de­ren Volks­schu­le in Bern. Danach besuch­te er ein Jahr die Pri­mar­schu­le in Spiez, um Schul­stoff auf­zu­ho­len. «Das war eine der bes­ten Ent­schei­dun­gen mei­nes Lebens», sagt er rück­bli­ckend. Obwohl er nicht «jeder­manns Lieb­ling» war, ging er sei­nen eige­nen Weg. Sei­ne beruf­li­chen Mög­lich­kei­ten waren wegen sei­ner Erkran­kung und sei­ner neu­ro­lo­gi­schen Pro­ble­me begrenzt. Wider­wil­lig absol­vier­te er eine zwei­jäh­ri­ge Anleh­re als Klein­ge­rä­te­mon­teur bei der Band-Genos­­sen­­schaft in Bern. «Als Spas­ti­ker eine sol­che Aus­bil­dung zu machen, ist nicht sinn­voll», sagt der 56-Jäh­ri­­ge rück­bli­ckend. Er wäre ger­ne Schall­plat­ten­ver­käu­fer oder Buch­händ­ler gewor­den. Und hät­te er heu­te die Kapa­zi­tät und die Kraft, wür­de er Film­wis­sen­schaft studieren.

Unab­hän­gig dank Hilfsmitteln
Wegen sei­ner Erkran­kung ist Hans Peter Zaugg auf Hilfs­mit­tel ange­wie­sen. Seit dem Jahr 1997 ist er Kli­ent der SAHB und hat seit­her meh­re­re Hilfs­mit­tel, unter ande­rem auch aus dem IV-Depot der SAHB in Itti­gen, bezo­gen. Bis heu­te sind so eini­ge Hilfs­mit­tel zusam­men­ge­kom­men: fünf Hand­roll­stüh­le, drei Elek­tro­mo­bi­le, etwa acht Gum­mi­ram­pen, eini­ge Krück­stö­cke und ein Bade­lift. Zuletzt erhielt er ein nahe­zu neu­es Elek­tro­mo­bil aus dem IV Depot.

«Ohne das Elek­tro­mo­bil wäre ich auf­ge­schmis­sen», sagt Hans Peter Zaugg und ergänzt: «Dank ihm bin ich fle­xi­bel, unab­hän­gig und frei.» Er kann sich damit selbst­stän­dig im Dorf bewe­gen und Besor­gun­gen machen. «Mit der SAHB bin ich regel­mäs­sig in Kon­takt», so Hans Peter Zaugg. Die Fach­leu­te im IV-Depot war­ten und repa­rie­ren auch alle Hilfs­mit­tel, die sie her­aus­ge­ben. «Aus Sicht der Nach­hal­tig­keit fin­de ich Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot gut», führt er aus und ergänzt: «In der Schweiz ist die SAHB not­wen­dig und eine gute Sache.»

Lei­den­schaft Musik
Hans Peter Zaugg berührt durch sei­nen Kämp­fer­geist, sei­ne Ent­schlos­sen­heit und sei­ne Lei­den­schaft. Sei es in der Musik, beim Nut­zen sei­ner Hilfs­mit­tel oder in sei­nem unauf­hör­li­chen Stre­ben nach einem erfüll­ten Leben. Schmun­zelnd beschreibt er, wie er dem Kli­schee des «Rock­mu­si­kers mit jün­ge­rer Frau» ent­spricht. Mit sei­ner 14 Jah­re jün­ge­ren Part­ne­rin ist er schon lan­ge zusam­men. Gemein­sam leben sie in einer moder­nen Neu­bau­woh­nung im idyl­li­schen Lang­nau. Aus einer frü­he­ren Bezie­hung hat Hans Peter Zaugg eine Toch­ter. Sein Sohn ist lei­der ver­stor­ben. Musik war für ihn in beson­ders schwe­ren Zei­ten eine hei­len­de Kraft. Nach dem Tod sei­nes Soh­nes fand er Trost in klas­si­scher Musik, die für ihn wie eine The­ra­pie wirk­te. Über­haupt prägt die Lei­den­schaft für Musik sein Leben.

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Bild 1: Der Hand­roll­stuhl ist Hans Peter Zauggs stän­di­ger Begleiter. 

Bild 2: Da der Roll­stuhl in der Höhe ver­stell­bar ist, kann Hans Peter Zaugg auch beim Waschen mit anpacken.

Auf Polo Hofers Spuren
Hans Peter Zaugg war schon immer ein Fan von Polo Hofer. Der Musi­ker inspi­rier­te ihn dazu, auch auf der Büh­ne zu ste­hen. Durch ein Ver­spre­chen, das Hans Peter Zaugg an einer Hoch­zeit gab, grün­de­te er sei­ne eige­ne Band: Zog­go­li­no, eine Cover­band von Polo Hofers ers­ter Band Rum­pel­stilz. Hans Peter Zaugg war der Front­sän­ger. Zwar war die Band als ein­ma­li­ges Pro­jekt gedacht, doch schliess­lich pro­du­zier­te sie ein Album. Hans Peter Zaugg besuch­te in sei­nem Leben vie­le Polo-Hofer-Kon­­­zer­­te, so kamen die bei­den auch mal ins Gespräch. Ein beson­de­rer Höhe­punkt für Hans Peter Zaugg war Polo Hofers Besuch an der Plat­ten­tau­fe von Zog­go­li­no im Jahr 2003. Heu­te ist Zog­go­li­no nicht mehr aktiv. Nach­dem Polo Hofer 2017 ver­stor­ben ist, haben die Musi­ker ihr Pro­jekt Zog­go­li­no gezwun­ge­ner­mas­sen auf Eis gelegt. Hans Peter Zaugg wid­met sich der­weil sei­nen gros­sen Lei­den­schaf­ten: Büchern, dem Musik­hö­ren und Filmen.

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Bild 3: Draus­sen ist er dank sei­nes Elek­tro­mo­bils 3 fle­xi­bel und unab­hän­gig unterwegs.

Zere­bra­le Bewegungsstörung

Wäh­rend der Schwan­ger­schaft, bei der Geburt oder in den ers­ten Lebens­jah­ren kann das Gehirn, zum Bei­spiel durch Fehl­bil­dun­gen, Viren, Sau­er­stoff­man­gel oder Unfäl­le, geschä­digt wer­den. Dies führt oft zu Bewe­gungs­be­hin­de­run­gen unter­schied­li­chen Aus­mas­ses und Schwe­re­gra­des. Seh- oder Hör­stö­run­gen, kogni­ti­ve Beein­träch­ti­gun­gen, Sprach­und Ver­hal­tens­be­ein­träch­ti­gun­gen sowie manch­mal auch Epi­lep­sie kön­nen in unter­schied­li­chen Aus­prä­gun­gen hin­zu­kom­men. Sie bestim­men das Aus­mass der Ein­schrän­kun­gen im täg­li­chen Leben ent­schei­dend mit. Eine zere­bra­le Bewe­gungs­stö­rung ist unheil­bar, da meist aus­ge­dehn­te Hirn­area­le betrof­fen sind. The­ra­pien zie­len dar­auf ab, eine mög­lichst gros­se Selbst­stän­dig­keit zu ermög­li­chen. Wer­den die The­ra­pien unver­züg­lich ein­ge­lei­tet, besteht die Chan­ce, dass gesun­de Hirn­area­le die aus­ge­fal­le­nen Funk­tio­nen zum Teil über­neh­men. (Quel­le: Stif­tung Cerebral).