Lukas Keller lebt seit seiner Geburt mit einer Cerebral Parese mit schweren Auswirkungen, wie spastische Muskelzuckungen, Schluck- und Sprachstörungen. «Ich bin im Rollstuhl und geistig voll anwesend», schreibt er über seine Behinderung auf seiner Webseite www.rollschweizweb.ch. Dank seiner Intelligenz sowie technischer und menschlicher Hilfe lebt der 30-Jährige heute ein selbstbestimmtes Leben. So wohnt er zum Beispiel seit einem Jahr mit seinem langjährigen Freund aus der Wohngruppe Rossfeld in einer WG.
Der lebensfrohe junge Mann erfüllt seit Dezember 2014 die Voraussetzungen gemäss IV für den Assistenzbeitrag. Das heisst, er ist sein eigener Arbeitgeber. Er verwaltet das ihm zur Verfügung gestellte Budget, sucht seine Mitarbeitenden aus, stellt sie ein und entlöhnt sie.

Lukas Keller
Ein Smartphone auf die Bedürfnisse ausgerichtet
Wie bereits erwähnt, unterstützt die Technik Lukas Keller bei seinen alltäglichen Tätigkeiten. Obwohl er nur einen Finger an der rechten Hand richtig nutzen kann, steuert er mit diesem sein gesamtes Umfeld über sein Smartphone. «So hebe ich Storen, öffne Türen, bediene den Lift, den Fernseher und vieles mehr», erzählt er und fügt an: «Die Symbole auf dem Display sind gross genug, damit ich sie mit dem Finger ansteuern kann.» Den Computer bedient er statt mit der Maus mit einem Joystick.
Doch wie gestaltet Lukas Keller seinen Alltag? «Bis die Spitex mich für die Morgentoilette aufnimmt, vertreibe ich mir die Zeit und stelle mit dem Smartphone den Fernseher an», legt er los. Anschliessend setzt er sich gepflegt und angezogen für den Tag im Elektrorollstuhl in sein Büro. Dies ist ein Computer-Arbeitsplatz in seinem Zimmer. Hier ruft er E‑Mails ab und beantwortet sie, schreibt Briefe oder aktualisiert seine Webseite. Er fügt aber auch an: «95 Prozent meiner Administration erledigt meine Mutter für mich.»
Zusammen mit seinem Betreuer kocht er anschliessend das Mittagessen. «Das heisst, ich gebe den Ton an und der jeweilige Betreuer führt meine Wünsche aus», ergänzt er lachend. Die beiden haben viel Spass miteinander, und Lukas geniesst die Gesellschaft und das gemeinsame Mittagessen.
Am Nachmittag stehen meist Therapie-Termine an. Diese organisiert Lukas ebenfalls selber. «Genauso wie den Einkauf. Die Einkaufsliste schreibe ich am PC und sende sie an mein Smartphone», beschreibt er sein Vorgehen. Im Laden liest ein Mitarbeiter ab, was er braucht, und packt es in seinen Rollstuhlsack. «Bezahlt wird natürlich in bar», meint er grinsend.
Überhaupt lebt der junge Mann so gut es geht ein selbstbestimmtes Leben und reist auch sehr gerne. Das Hintergrundbild auf seinem Computer ist ein Foto der Rhätischen Bahn. «Ich fahre gerne mit dieser Bahn», erzählt er mit leuchtenden Augen. Auf seiner Webseite hat er Fotos von Ausflügen quer durch die Jahreszeiten publiziert. Aber er gibt dort auch Tipps, wo man besonders gut barrierefrei reist. Doch wenn er nicht gerade die Ferne erkundet, besucht er zum Beispiel den Berner Tierpark. Mit seinem Willen, Geschick und offenen, fröhlichen Wesen ist Lukas Keller ein wunderbares Vorbild dafür, dass viel mehr möglich ist, als man manchmal denken könnte.

Wenn Lukas Keller am Computer arbeitet, ersetzt der Joystick die Maus.