Einfache Sendegeräte mit Basis-Funktionen
Geräte in dieser Ausführung sind gefragt, wenn wenige Funktionen gefordert sind. Die Oberfläche ist einfach gestaltet und die Geräte sind sehr robust. Sie ermöglichen einer Person mit Einschränkungen der Arme, Hände oder Finger, Licht, Türe, Storen und die wichtigsten Funktionen des Fernsehers von einem Gerät aus zu bedienen. Die Geräte sind portabel und batteriebetrieben. Es sind Modelle mit 6 bis 18 Tastenfeldern erhältlich.
Sendegeräte mit komplexen Funktionen
Diese Geräte haben umfangreiche Möglichkeiten, um das Umfeld zu steuern. Die Anzeige kann individuell gestaltet werden; die Tastengrösse, Farbe und Anordnung sind anpassbar. Für sehbehinderte Personen kann man die Funktionen mit Sprachausgabe hinterlegen. Auch kann pro Wohnraum oder Empfangsgerät, wie TV oder Radio, eine Bedienebene angelegt werden. 50 bis 150 Funktionen können problemlos dargestellt werden. Diese Sendegeräte verfügen über ein integriertes Handy.
Der Bediener handhabt das Gerät beispielsweise mit nur einem oder zwei Schaltern, durch Berühren des Displays, mit Saug- und Blasschalter mit dem Mund oder mit dem Elektrorollstuhl-Joystick. Das Navigieren, beispielsweise mit nur einem Schalter durch komplexe Menüs oder Ebenen, erfordert eine sogenannte Scanning-Funktion. Diese bewegt einen Cursor, zum Beispiel jede Sekunde, von Feld zu Feld. Der Benutzer drückt die Taste und wählt so das gewünschte Feld an. Drückt er nochmals, wandert der Cursor weiter von Feld zu Feld. Dies erfordert Zeit und Geduld, kann aber durch ein durchdachtes Anordnen der Tasten und Justieren der Scanning-Funktion sehr gut optimiert werden.
Sendegeräte mit Smartphone/Tablet
Oft kommen Geräte zum Einsatz, die mit handelsüblichen Smartphones oder Tablets funktionieren. Das funktioniert folgendermassen: Eine Spezialsoftware wird aufs Smartphone oder Tablet geladen. Sie übernimmt einerseits die Umfeldkontrollfunktionen und steuert andererseits das Smartphone bzw. Tablet. Den Bildschirm kann der Nutzer individuell gestalten. Weiter erhält er eine Zusatzbox, die drahtlos vom Smartphone bzw. Tablet gesteuert wird. Die Zusatzbox sendet Infrarotrespektive Funksignale an die gewünschten Empfänger wie Türen, TV oder Storen. Der Bediener handhabt das Gerät mit nur einem oder zwei Schaltern, durch Berühren des Displays, mit Saug- und Blasschalter mit dem Mund oder mit dem Elektrorollstuhl-Joystick.
Umfeldkontrollen gibt es für Apple‑, Android- und Windows-Produkte. Durch die technische Entwicklung ist der Übergang von Smartphones, Tablet und Computer nicht mehr klar trennbar. Heute können Umfeldkontrollen in sehr vielen Geräten integriert werden und sind so für Menschen mit Behinderungen ideal nutzbar.

Quelle: Links: Control Omni von Abilia lässt sich gut auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehschwierigkeiten einstellen.
Quelle: Rechts: Eine Spezialsoftware übernimmt die Umfeldkontrollfunktionen und steuert die Funktionen des Smartphones.
Unterschiedliche Behinderungen – unterschiedliche Bedienungen
Körperliche Behinderungen sind sehr vielfältig. Dank des technologischen Fortschrittes gibt es immer mehr Möglichkeiten, die Sendegeräte zu bedienen. Wir stellen hier einige Varianten vor. Interessierte sollten sich von einer Fachperson beraten lassen und klären, welche Ansteuerung für sie funktioniert und mit welchem Sendegerät, Smartphone, Tablet oder PC kompatibel ist.
Touchscreen
Spezielle Sendegeräte, Smartphones und Tablets haben üblicherweise einen Touchscreen oder leichtgängige Tasten. Diese sind auch für Benutzer mit eingeschränkter Kraft geeignet. Ein vor dem Touchscreen angebrachter Fingerführraster hilft, wenn eine Person mit dem Finger nicht gezielt auswählen kann. Der Fingerführraster ist eine Abdeckung für die Tastatur, die die Tasten klar trennt, so dass der Nutzer nicht zwei Tasten auf einmal drücken kann.
Joystick, Elektrorollstuhl-Joystick
Elektrorollstuhlfahrer sind es gewohnt, mit einem Joystick umzugehen, deshalb kommt er auch in der Umfeldkontrolle zum Einsatz. Mit dem Joystick kann man, ähnlich einer Maussteuerung mittels Cursor, komplexe Geräte bedienen. Dies erfolgt über einen separat montierten Joystick oder über den des Elektrorollstuhls. Meistens wird zusätzlich eine Wechselhalterung installiert, sodass die Umfeldkontrolle, beispielsweise abends im Bett, auch genutzt werden kann.
1‑Schalter- oder 2‑Schalter-Steuerung
Die Schaltersteuerung ist eher kompliziert zum Bedienen und macht erst Sinn, wenn die Bedienung mit einem Joystick oder der Tasten/Touchscreen nicht möglich ist. Dies ist vor allem im Bett oder bei sehr starken Einschränkungen der Finger, Hände oder Arme der Fall. Die Schalter können am Rollstuhl und Bett mittels Gestänge installiert werden. Die Nutzer bedienen sie mit Kopf, Hand, Finger, Fuss oder Mund (durch Saugen oder Blasen). Schaltersteuerungen werden immer zusammen mit der Scanningfunktion genutzt, wie oben unter «Sendegeräte mit komplexen Funktionen» beschrieben.

Quelle: Links: Die Kamera am PC beobachtet den angeklebten Punkt auf der Stirn der jungen Frau uns setzt die Bewegungen des Kopfes in Mausbewegungen auf dem Bildschirm um.
Quelle: Rechts: Der Benutzer steuert die Maus mit dem Druck seiner Lippen. Saugen oder Blasen löst den Klick aus.
Maussteuerung mit dem Kopf
Bei PCs oder Tablets mit grösseren Bildschirmen kann die Maus mit dem Kopf gesteuert werden. Dazu installiert man auf dem Bildschirm eine kleine Kamera, und der Benutzer erhält einen kleinen selbstklebenden Punkt auf die Stirn. Die Kamera beobachtet nun den Punkt und setzt die Bewegungen des Kopfes in Mausbewegungen auf dem Bildschirm um. Eine Software generiert den Klick. Sie wird durch das Fixieren des Bildschirmpunktes ausgelöst.
Maussteuerung mit dem Mund
Bei PCs oder Tablets können Benutzer die Maus mit dem Mund steuern. Die Steuerung setzt den Druck der Lippen gegen das Röhrchen in Mausbewegungen auf dem Bildschirm um. Das heisst, Druck gegen oben bedeutet eine Mausbewegung nach oben. Dies funktioniert in alle Richtungen. Saugen oder Blasen lösen den Klick aus. Eingesetzt wird diese Variante vor allem bei Behinderungen wie Tetraplegie und ALS.
Augensteuerung
Bei PCs oder Tablets mit grösseren Bildschirmen können die Nutzer die Maus mit den Augen steuern. Dazu bringt man ein zusätzliches Element unten am Bildschirm an. Dieses beobachtet die Blickrichtung der Augen und setzt die Bewegungen stufenlos in Mausbewegungen um. Eine Software löst den Klick aus, indem man einen Punkt mit dem Blick fixiert. Auch das Blinzeln kann einen Klick auslösen. Diese Ansteuerung eignet sich beispielsweise bei Behinderungen wie ALS und schwerer Cerebral Parese (CP).

Quelle: Das Element Tobii EyeControl unten am Bildschirm beobachtet die Blickrichtung der Augen und setzt die Bewegungen stufenlos in Mausbewegungen um.
Sprachsteuerung, Spracherkennung
Die Sprachsteuerung kommt bei Laptops, Tablets oder Umfeldkontrollsendegeräten zum Einsatz. Sie steuert beispielsweise den Mausklick oder startet und schliesst Programme. Weiter kann man damit Texte diktieren. Da die Sprache durch Dialekte, Aussprache und Akzente sehr vielfältig ist, ist dies eine eher anspruchsvolle Ansteuerung. Je nach Software kann man die eigene Sprache trainieren, mit einem Grundwortschatz und einem zusätzlich mitwachsenden eigenen Wortschatz hinterlegen. Dies erhöht die Trefferquote massiv. Diese Steuerung verwenden oft Benutzer mit Behinderungen wie Tetraplegie oder Muskeldystrophie.
Ablauf Umfeldkontrollversorgung
Üblicherweise plant und realisiert ein Lieferant die Umfeldversorgung. Im ersten Gespräch klärt er mit dem Versicherten vor Ort die Bedürfnisse ab. Sie stimmen ab, in welchen Räumen welche Elemente steuerbar sein sollen, bestimmen den Umfang der Funktionen und das Sendegerät. Weiter diskutieren sie die Bedienung des Gerätes sowie den Ort des Einsatzes. Der Lieferant der Umfeldkontrollgeräte klärt mit Handwerkern die notwendigen baulichen Massnahmen und erstellt eine Kostenübersicht. Sind alle technischen Details und die Kosten geklärt, kann der Versicherte diese bei der IV beantragen. Um die Ausführung kümmert sich ebenfalls der Lieferant der Umfeldkontrollgeräte. Wichtig ist, die involvierten Personen, wie Benutzer, Betreuer, Assistenten, Spitex oder technischer Dienst, entsprechend zu schulen.
Mietwohnung, Eigentum, Neubau oder bestehende Wohnung?
Grundsätzlich kann jede Wohnung nachgerüstet werden. Wer aber einen Haus- oder Wohnungsbau plant, realisiert die Umfeldkontrolle mit weniger Aufwand. Wichtig ist, sich im Vorfeld von der SAHB oder den Spezialisten für elektronische Hilfsmittel beraten zu lassen.

Quelle: Die Umfeldkontrolle bietet zahlreiche Möglichkeiten.
Integriertes Haustechniksystem eHome
Privathäuser werden heute teilweise mit einem Gebäudeautomatisationssystem ausgestattet. So können die Bewohner Beleuchtung, Beschattung, Zutrittskontrolle, Heizung oder die Medien über ein Tablet oder Smartphone steuern. Das geht bezüglich Funktionen sehr stark in Richtung Umfeldkontrolle. Die eHome AG hat ihr Gebäudeautomatisationssystem auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung spezifisch adaptiert.
Umfeldsteuerung im Elektrorollstuhl integriert
Permobil, SKS, Otto Bock und weitere Firmen bieten eine Umfeldkontrolle direkt über die Elektronik der Steuerung des Elektrorollstuhls an.