Sobald man selber oder ein Familienmitglied in der Mobilität eingeschränkt ist, steht man vor manch einer Herausforderung. Autos sind eine gute – und für viele Menschen die einzige Möglichkeit – sich in nützlicher Frist von A nach B zu bewegen, selbständig zu sein und ein grosses Stück Lebensqualität zu geniessen. Doch welches ist das richtige Auto für einen gelungenen Umbau?
Im Auto sollte genügend Platz für weitere Familienmitglieder und Stauraum vorhanden sein. Es ist gut, schon vor der Anschaffung an mögliche Zukunftsszenarien zu denken. Denn die Gesetzgebung für die Finanzierung eines Umbaus durch die IV-Stelle sieht vor: Bei einem Fahrzeugwechsel vor der gegebenen Frist muss die versicherte Person einen Selbstkostenanteil übernehmen (siehe auch weiter unten unter «Finanzierung und Unterstützung»). Es lohnt sich also ein Auto zu wählen, welches Möglichkeiten für Veränderungen bietet. Sei dies aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes oder bei Familienzuwachs.
Als Erstes kommt es darauf an, wie das Mitfahren erfolgen soll. Das heisst, ist ein Transfer auf den vorhandenen Autositz möglich oder muss der Fahrgast im Rollstuhl sitzend mitfahren? Sind diese beiden Fragen geklärt, folgen detaillierte Abklärungen. So muss bei einem Transfer auf dem Autositz die Sitzhöhe stimmen oder verstellbar sein, damit die mitfahrende Person problemlos ein- und aussteigen kann. Hilfspersonen brauchen ausreichend Platz zur Unterstützung, und schliesslich sollen auch die Hilfsmittel optimal verstaut werden können.
Kleines ABC der Autositze
Das Mitfahren auf dem Original-Autositz ist erstrebenswert, da es am sichersten ist. Sicherheitsgurt und Kopfstütze können belassen werden und die vorhandenen Airbags schützen bei einem Unfall optimal.
Damit das Ein- und Aussteigen funktioniert, sollte die Sitzhöhe dem Benutzer entsprechen. Zu tiefe oder zu hohe Sitze erschweren oder verunmöglichen den Transfer. Allgemein ist das Einsteigen ins Auto aus Platzgründen nicht einfach. Damit Hilfspersonen mehr Platz zur Verfügung haben, kann der Öffnungswinkel der Autotür vergrössert werden; oder der Einstieg erfolgt bei einem Auto mit Schiebetüre auf die hintere Sitzreihe.
Die Distanz zwischen Autositz und Aussenkante des Autos hat sich in den letzten Jahren aufgrund der Sicherheitselemente (Seitenairbag, Aufprallschutz) stets vergrössert und bildet teilweise ein unüberwindbares Hindernis. Ein Rutschbrett hilft, diese Distanz beim Transfer vom Rollstuhl auf den Autositz zu überbrücken. Es kann steckbar oder im Auto fest integriert sein und bei Bedarf aufgeklappt werden. Dank eines zusätzlichen Haltegriffs können die Passagiere besser hin und her rutschen. Ein Drehkissen auf dem Autositz ermöglicht eine Drehbewegung in Richtung Tür ohne viel Kraftaufwand. Dieses mobile Kissen eignet sich auch gut bei anderen Sitzmöbeln im Pflegealltag.

Ein Drehkissen auf dem Autositz ermöglicht eine Drehbewegung in Richtung Tür ohne viel Kraftaufwand.
Technisch anspruchsvoller sind Personentransferlifte, welche mit einer elektrischen Hebevorrichtung die behinderte Person vom Rollstuhl auf den Autositz transferieren. Solche Lifte verändern das Auto nur minimal und können problemlos wieder ausgebaut werden. Für den Transfer wird der Fahrgast mittels Hebegurt elektrisch angehoben und manuell über den Sitz geschoben. Die Hilfsperson sollte darauf achten, dass sich die Beine des Passagiers nicht verklemmen und dieser den Kopf nicht am Türrahmen anstösst. Hebegurte können aus Platzgründen bei kleinen Autos meistens nicht eingebaut werden.

Personentransferlifte, welche mit einer elektrischen Hebevorrichtung die behinderte Person vom Rollstuhl auf den Autositz transferieren.
Weiter gibt es drehbare und ausschwenkbare Beifahrersitze. Schwenk-Hebesitze kann man auf die Sitzhöhe des Rollstuhls absenken, was den Transfer erleichtert. Gerade wenn bei einem Auto mit Schiebetür ein Sitz in der zweiten Reihe montiert wird, haben Hilfspersonen viel mehr Platz zur Verfügung. Zusätzlich zum Schwenk-Hebesitz ist ein Rollstuhluntergestell erhältlich, auf welches der Autositz zusammen mit der Person umgesetzt wird. Das spart Kraft beim Transfer.

Links: Schwenk-Hebesitze kann man auf die Sitzhöhe des Rollstuhls absenken, was den Transfer erleichtert.
Rechts: Zum Schwenk-Hebesitz ist ein Rollstuhluntergestell erhältlich, auf welches der Autositz zusammen mit der Person umgesetzt wird.
So fahren auch Kinder sicher mit
Kinder, die körperlich eingeschränkt sind, sollten gut abgestützt sein, damit sie möglichst lange sitzen können. Manchmal darf das Kind das Gurtschlosssystem nicht öffnen – solche Vorrichtungen haben teilweise auch herkömmliche Kindersitze. Ansonsten gibt es spezielle Sitze mit vielen Anpassungsmöglichkeiten auch für grössere Kinder. Es gibt sie mit Zubehör wie Seitenpelotten, Abduktionsblöcken, Beinführungen, Therapietischen, Fussplatten und vielem mehr. Für ein einfacheres Hinein- und Herausheben sorgen auch Drehplatten, welche die Kindersitze um 90 Grad drehen.
In der Schweiz müssen alle Kinder bis 12 Jahre unter einer Grösse von 150 Zentimeter mit einer Kindersitzvorrichtung gesichert werden. Aus diesem Grund verlangt die IV-Stelle, welche die Kosten für Reha-Autokindersitze übernimmt, von den Eltern eine Kostenbeteiligung von 200 Franken.

Kinder, die körperlich eingeschränkt sind, sollten gut abgestützt sein, damit sie möglichst lange sitzen können.
Transport im Rollstuhl
Soll ein Passagier im Rollstuhl mitfahren, ist ein grösseres Auto nötig. Der Preis für den Umbau hängt wesentlich davon ab, ob der Innenraum hoch genug ist oder ob Änderungen am Boden oder Dach nötig sind. Nebst dem sollte man auch auf die Höhe der Ladekante, die Einfahrtshöhe, Bestuhlung für weitere Mitfahrer und auf seitliche Schiebetüren achten. Bei der Wahl sollte man bedenken, wie gross die Familie ist, wie die Topografie des Wohnortes aussieht und wie das Fahrzeug eingesetzt wird.
So verfügen Kleinbusse (z.B. Renault Traffic, Mercedes Viano oder VW T5) bereits ab Werk normalerweise über eine ausreichende Einfahrts- und Innenraumhöhe. Sie können mit einfachen, mobilen Teleskoprampen oder fest montierten Auffahrtrampen ausgerüstet werden. Für schwere Personen oder Elektrorollstühle kann auch ein Linear‑, ein seitlicher Schwenk- oder ein Kassettenlift eingebaut werden. Solche Fahrzeuge bleiben im Grundaufbau unverändert und sind deshalb auch gut rückbaubar. Sie bieten auch genügend Platz für grössere Familien und Stauraum für weitere Hilfsmittel.

Für schwere Personen oder Elektrorollstühle kann auch ein Linear‑, ein seitlicher Schwenk- oder ein Kassettenlift eingebaut werden.
Vans, Minivans und Combos (Crysler Voyager, Opel Zafira, VW Caddy oder Renault Kangoo u. a.) haben eine grössere Innenraumhöhe als herkömmliche Personenfahrzeuge. Sie reicht jedoch nicht aus, um eine erwachsene Person im Rollstuhl sitzend mitzuführen. Deshalb müssen diese Fahrzeugtypen im Grundaufbau verändert werden. Die Werkstatt schneidet dabei meistens den Fahrzeugboden im Heckbereich aus und schweisst eine Aluwanne ein. Der Tank und die Auspuffanlage werden versetzt oder gar ersetzt – teilweise wird ein Tank mit kleinerem Volumen eingebaut. Die Auffahrrampen gibt es in verschiedenen Längen. Sie richten sich nach der Höhe der Ladekante, dem Gesamtgewicht des Rollstuhlfahrers und den Möglichkeiten der Hilfspersonen. Eine elektrohydraulische Fahrzeugabsenkung lässt kürzere Rampen zu.

Die Auffahrrampen gibt es in verschiedenen Längen. Sie richten sich nach der Höhe der Ladekante, dem Gesamtgewicht des Rollstuhlfahrers und den Möglichkeiten der Hilfspersonen.
Der Rollstuhlpassagier sitzt bei diesen Umbauten hinter den Vordersitzen. Weitere Fahrgäste sitzen nebenan auf Einzelsitzen. Es ist auch möglich, bei einigen Modellen den ganzen Fahrzeugboden tieferzulegen, so dass der Rollstuhl auf der Beifahrerseite Platz hat. Diese Variante ist aber nicht ganz günstig.
Ist ein Van, Minivan oder Combo einmal umgebaut, ist ein Rückbau nicht mehr möglich. Auch ein Wiederverkauf gestaltet sich aufgrund des begrenzten Marktes schwierig. Gerade Familien sollten sich die Wahl des Modells gut überlegen, da es im Wagen ziemlich eng werden kann.

Es ist auch möglich, bei einigen Modellen den ganzen Fahrzeugboden tieferzulegen, so dass der Rollstuhl auf der Beifahrerseite Platz hat. Diese Variante ist aber sehr kostspielig.
Einen Rollstuhl sicher transportieren
Wer einen Rollstuhl im Auto transportieren will, muss Folgendes bereits bei der Auswahl des Rollstuhls berücksichtigen: Ein neuer Rollstuhl sollte nach der ISO-Norm 7176–19 getestet und für den Autotransport zugelassen sein. Rollstuhlhersteller bieten viele getestete Modelle an und laufend werden neue geprüft. In einem normierten Crashtest muss der Rollstuhl mit einem Dummy von 75 Kilogramm für Erwachsene und 54 Kilogramm für Kinder den auftretenden Kräften standhalten. Der Rollstuhl muss in Fahrtrichtung platziert sein, eine seitliche Beförderung ist nicht zugelassen. Weiter muss er an den vorgeschriebenen und bezeichneten Punkten mit Gurten an speziellen Bodenverankerungspunkten im Auto befestigt sein. Die zu transportierende Person ist mit einem im Fahrzeug verankerten Dreipunktgurt zu sichern. Auf dem Markt sind zusätzliche Rückhaltesysteme erhältlich, welche wesentlich besser schützen als herkömmliche Rollstuhlrücken. Dies können wegschwenkbare Kopf- und Rückenprotektoren sein. Oder eine Komplettlösung wie die RolliBox, welche sich für den gewerblichen Transport in Bussen eignet. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat letztmals am 31. Juli 2000 eine Empfehlung für Fahrzeuge für den Transport von Behinderten erlassen. Diese wird zurzeit aufgrund der neuen europäischen Normen und dem technischen Fortschritt überarbeitet. Für die Überwachung und Prüfung der Fahrzeugumbauten sind die kantonalen Strassenverkehrsämter zuständig.
So ausgeklügelt wie die Technik heute ist, auch der Mensch muss für die Sicherheit sorgen. Häufig werden die vorhandenen Systeme nicht verwendet oder falsch montiert – sei dies aus Nachlässigkeit oder Unwissenheit. Doch ein falsch angelegter Sicherheitsgurt verliert schnell seine Wirkung und kann sogar zu zusätzlichen Verletzungen führen. Die Gurte müssen richtig verlaufen und eng am Körper anliegen. Tische und anderes störendes Zubehör sind zu entfernen. Beim Kopf- und Rückenschutzsystem ist auf die richtige Einstellung zu achten. Die Verantwortung für seine Mitfahrer trägt der Fahrer. Deshalb ist eine gründliche Instruktion und Schulung von Betreuungspersonen unbedingt notwendig und trägt wesentlich zur Sicherheit bei.

Der Rollstuhl muss an den vorgeschriebenen und bezeichneten Punkten mit Gurten an speziellen Bodenverankerungspunkten im Auto befestigt sein.
Finanzierung und Unterstützung
Die IV-Stelle finanziert in der Regel behinderungsbedingte Anpassungen an Motorfahrzeugen für Versicherte im IV-Alter. Sie übernimmt die Kosten gemäss dem Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI). Darin sind die Bedingungen für die Kostenübernahme geregelt. So werden Abänderungskosten an Neuwagen höchstens alle zehn Jahre oder alle 200000 Kilometer, an Occasionsfahrzeugen höchstens alle sechs Jahre, übernommen. Wird ein Fahrzeug vor Ablauf dieser Frist gewechselt, so erfolgt jeweils auf dem ursprünglichen Rechnungsbetrag ein Pro-rata-Abzug. Abänderungskosten, welche aufgrund der Auswahl einer ungeeigneten Fahrzeugvariante entstehen, werden nicht übernommen und auf Rückbaukosten besteht kein Anspruch. Die vorzeitige Prüfung der Kostenübernahme durch die IV-Stelle ist zu empfehlen, um sicherzustellen, welche Kosten übernommen werden. Dazu kann ein Antrag mit einer Offerte bei der IV-Stelle gestellt werden.
AHV-Bezüger haben keinen Anspruch auf Autoanpassungen durch die IV-Stelle. Es sei denn, es wurde bereits im IV-Alter eine solche bezahlt. In diesem Fall besteht gemäss Besitzstandsgarantie ein Anspruch in «Art und Umfang». Bei finanziellen Schwierigkeiten können Betroffene die Pro Infirmis für Unterstützung anfragen. Die Organisation verfügt auch über weiterführende Adressen für finanzielle Hilfen. Ferner kann man bei Neuwagen eine Zollrückerstattung beantragen. Ein Musterformular zur Zollrückerstattung stellt die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung auf ihrer Website zur Verfügung. Oft erhalten Mitglieder von Behindertenorganisationen einen Flottenrabatt.
Die in diesem Artikel genannten Produkte und Modelle dienen ausschliesslich zur Veranschaulichung und sind keinesfalls eine abschliessende Aufzählung. Viele weitere Automodelle lassen sich ebenfalls für Mitfahrer anpassen. Der Markt verändert sich schnell, deshalb tun Interessierte gut daran, sich bei einem spezialisierten Fachbetrieb ausführlich beraten zu lassen. Die Hilfsmittelzentren der SAHB helfen weiter und geben Adressen von möglichen Autowerkstätten ab.

Auf dem Markt sind zusätzliche Rückhaltesysteme erhältlich, welche wesentlich besser schützen als herkömmliche Rollstuhlrücken. Dies können wegschwenkbare Kopf- und Rückenprotektoren sein.