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„Ich habe Die­sel im Blut“

Trotz sei­ner Erkran­kung, die sei­ne Geh­fä­hig­keit fortschreitend
beein­träch­tigt, hat Wal­ter Mar­ti sei­nen Traum als Last­wa­gen­chauf­feur gelebt. Als dies nicht mehr ging, liess er sich umschu­len. Das Auto­fah­ren ist ihm aber geblie­ben: dank seinem
ange­pass­ten VW T6. 

Es war wäh­rend einer Turn­stun­de in der 8. Klas­se: Dem Leh­rer ist auf­ge­fal­len, dass der jun­ge Wal­ter Mar­ti sei­ne Füs­se nach­zieht. Er emp­fahl ihm und sei­ner Mut­ter, dies medi­zi­nisch abklä­ren zu las­sen. Ein Fach­arzt dia­gnos­ti­zier­te auf­grund der bereits bekann­ten Sym­pto­me das Char­­cot-Marie-Tooth-Syn­­­drom (CMT-Syn­­­drom).

Damals wie auch heu­te gibt es kei­ne The­ra­pie gegen die Erkran­kung. Wal­ter Mar­ti wuss­te nicht, wie sich das CMT-Syn­­­drom ent­wi­ckelt. Daher leb­te er nor­mal wei­ter und wur­de Last­wa­gen­chauf­feur. Zuerst fuhr er eini­ge Zeit auf Schwei­zer Stras­sen, spä­ter meh­re­re Jah­re in die skan­di­na­vi­schen Län­der. «Dort ent­deck­te ich das eine oder ande­re schö­ne Fleck­chen Erde», erzählt er. Doch die lan­gen Rei­sen wur­den anstren­gen­der, für das Abla­den der schwe­ren Palet­ten fehl­te ihm mehr und mehr die kör­per­li­che Kraft.

Char­­cot-Marie-Tooth-Syn­­­drom
Das CMT-Syn­­­drom gehört zu den häu­figs­ten ver­erb­ten Erkran­kun­gen des peri­phe­ren Ner­ven­sys­tems. Die Krank­heit kommt etwa gleich häu­fig vor wie das Down-Syn­­­drom, die Muko­vis­zi­do­se und der früh­kind­li­che Autismus.

Es gibt ver­schie­de­ne Typen des CMT-Syn­­­droms, doch die Krank­heit ver­läuft in jedem Fall pro­gre­di­ent. Eine The­ra­pie gibt es nicht. Typi­sche Sym­pto­me sind eine ein­ge­schränk­te Geh­fä­hig­keit, eine Fuss­de­for­mi­tät und ein schnel­le­res Ermü­den der Mus­keln. Auf­grund inten­si­ver Unter­su­chun­gen ist es heu­te mög­lich, die Dia­gno­se für eini­ge For­men mit­tels Blut­un­ter­su­chung festzustellen.

Kom­plett neu anfangen
Die Sym­pto­me und sei­ne Geh­fä­hig­keit ver­schlech­ter­ten sich zuse­hends. «Nach einer Unter­su­chung im Insel­spi­tal Bern haben mir die Ärz­te emp­foh­len, mich bei der Inva­li­den­ver­si­che­rung anzu­mel­den», so Wal­ter Mar­ti und sagt wei­ter: «Der Abschied von der Stras­se ist mir schwer gefallen.»

Wal­ter Mar­ti hat sein Schick­sal in die Hand genom­men und berufs­be­glei­tend die Han­dels­schu­le erfolg­reich abge­schlos­sen. Heu­te arbei­tet er 40 Pro­zent als Sach­be­ar­bei­ter. Obwohl die Krank­heit fort­ge­schrit­ten ist, kann er noch kur­ze Stre­cken zu Fuss gehen. Doch um an den weit ent­fern­ten Arbeits­ort zu gelan­gen, ist er auf ein Auto angewiesen.

"Ich habe Diesel im Blut" - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 1 "Ich habe Diesel im Blut" - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2
Links: Mit­hil­fe von drei Hebeln ver­schiebt Wal­ter Mar­ti den Fah­rer­sitz in die rich­ti­ge Posi­ti­on vor das Lenkrad.
Rechts: Mit­tels Fern­be­die­nung öff­net er die Heck­tü­re und betä­tigt den Heck­lift. Das Docking-Sys­­tem am Boden sichert den Roll­stuhl wäh­rend der Fahrt.

Ein­fa­ches Verladen
Die lan­ge Fahrt macht dem 47-Jäh­ri­­gen nichts aus. Im Gegen­teil. «Ich habe Die­sel im Blut», sagt er lachend. Sein VW T6 wur­de auf sei­ne Bedürf­nis­se angepasst.

Wal­ter Mar­ti fährt über die an der Heck­tür mon­tier­te Lift­platt­form mit dem Elek­tro­roll­stuhl in das Inne­re des Autos. Das alles steu­ert er mit einer Fern­be­die­nung. Im Wagen fixiert und sichert er den Elek­tro­roll­stuhl mit einem spe­zi­el­len Befes­ti­gungs­sys­tem. Danach trans­fe­riert er auf den elek­trisch ver­stell­ba­ren Sechs­weg­sitz (dies ist ein sechs­fach elek­tro­me­cha­nisch ver­stell­ba­res Sitz­fun­da­ment, auf das der Auto­sitz mon­tiert wird), mit dem er zum Lenk­rad fährt. Nun kann die Rei­se losgehen.

Das Auto mit­tels Hand­be­trieb steuern
Mit der rech­ten Hand betä­tigt er den Gas- und Brems­he­bel sowie mit dem Fin­ger die Sekun­där­funk­tio­nen wie Blin­ker, Hupe und Schei­ben­wi­scher. Das Auto steu­ert er mit der lin­ken Hand über einen Lenk­rad­dreh­knopf. Mobil zu sein, gibt Wal­ter Mar­ti ein gros­ses Stück Frei­heit zurück. «Ich freue mich, mit Freun­den Aus­flü­ge oder Feri­en zu machen», erzählt Wal­ter Mar­ti strahlend.

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Ins Inne­re des Fahr­zeugs gelangt Wal­ter Mar­ti über die her­un­ter­klapp­ba­re Rampe.

Zur Per­son
Wal­ter Mar­ti ist 1969 gebo­ren und lebt allei­ne in einer gemüt­li­chen 2½-Zim­­mer-Woh­­nung. In sei­ner Jugend haben die Ärz­te bei ihm das Char­­cot-Marie-Tooth-Syn­­­drom, kurz CMT-Syn­­­drom, dia­gnos­ti­ziert. Trotz­dem absol­vier­te er eine Leh­re zum Last­wa­gen­chauf­feur und übte den Beruf mehr als fünf­zehn Jah­re aus. Infol­ge der fort­schrei­ten­den kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen liess er sich umschu­len und besuch­te eine Han­dels­schu­le. Heu­te arbei­tet Wal­ter Mar­ti Teil­zeit als Sach­be­ar­bei­ter im Innendienst.