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Durch Hilfs­mit­tel kommunizieren

iPads und Tablets haben die Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on revo­lu­tio­niert. Wo sich einst Betrof­fe­ne und ihr Umfeld mit unhand­li­chen Gerä­ten abge­müht haben, ebnet heu­te der tech­no­lo­gi­sche Fort­schritt neue Wege. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit­tels elek­tro­ni­scher Hilfs­mit­tel und Apps wird immer bedeutender.

  • von Annette Bartholdi

Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, kurz UK, ver­leiht Men­schen, die in ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­on beein­träch­tigt sind, eine Stim­me. Wes­halb die Laut­spra­che nicht immer ein­wand­frei funk­tio­niert, hat vie­le Grün­de, zum Bei­spiel: cere­bra­le Bewe­gungs­stö­run­gen, Hirn­ver­let­zun­gen, Syn­dro­me, pro­gre­di­en­te Erkran­kun­gen bis hin zu Stö­run­gen auf­grund von Autismus.

Gerä­te über­neh­men das Sprechen
Ziel der UK ist es, die unzu­rei­chen­de Laut­spra­che durch Hilfs­mit­tel zu ergän­zen oder zu erset­zen. Wäh­rend sich die UK im anglo­ame­ri­ka­ni­schen, skan­di­na­vi­schen und nie­der­län­di­schen Raum schon wäh­rend der 1980er-Jah­­re ver­brei­tet hat, sind die Metho­den in Deutsch­land, Öster­reich und in der Schweiz erst rund zehn Jah­re spä­ter bekannt geworden.

Heu­te ist die UK auch an Fach­hoch­schu­len und Uni­ver­si­tä­ten in den Aus­bil­dun­gen Logo­pä­die, Son­­der- und Heil­päd­ago­gik ein The­ma. Zudem wird sie in vie­len Insti­tu­tio­nen für Men­schen mit einer Behin­de­rung im All­tag ein­ge­setzt. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die UK künf­tig noch bedeu­ten­der wird. Das belegt auch die wach­sen­de Anzahl Auf­trä­ge, die die SAHB für die IV-Stel­­len abklärt.

Wie ist es, wenn man sich nicht aus­drü­cken kann?
Ein Bei­spiel: Ein Kind hat zum Früh­stück ger­ne war­me Milch getrun­ken. Heu­te ist das dama­li­ge Kind ein Teen­ager und hät­te am Mor­gen lie­ber heis­se Scho­ko­la­de. Der Teen­ager hat kei­ne Mög­lich­keit, dies mit­zu­tei­len, und ist auch nie danach gefragt wor­den. Was macht er? Er trinkt wei­ter­hin war­me Milch, obwohl sie ihm nicht schmeckt; er ver­wei­gert das Trin­ken oder spuckt die Milch wie­der aus.

Wer über kei­ne oder eine sehr ein­ge­schränk­te Laut­spra­che ver­fügt, kann sich kaum mit­tei­len. Die­se Men­schen wer­den oft über­gan­gen oder nicht wahr­ge­nom­men. Sie kön­nen nur bedingt Wün­sche und Bedürf­nis­se äus­sern. Sie kön­nen nicht fra­gen oder erzäh­len, was sie in ihrem All­tag freut, bedrückt, ent­täuscht oder wütend macht. Sie sind dar­auf ange­wie­sen, dass ihre Gesprächs­part­ner sie gut ken­nen und ihre Anlie­gen inter­pre­tie­ren kön­nen. Durch die UK ler­nen die­se Men­schen, sich ihren Mög­lich­kei­ten ent­spre­chend auszudrücken.

Die Metho­den der UK
Nach der För­der­schul­kon­rek­to­rin Dr. Ursu­la Braun zeich­net sich die UK durch einen weit gefass­ten Sym­bol­be­griff aus. Die­ser ermög­licht es Men­schen ohne oder mit einer ein­ge­schränk­ten Laut­spra­che, sich mit ihren Mit­men­schen aus­zu­tau­schen. Zum Bei­spiel durch kör­per­ei­ge­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men wie Kör­per­span­nung, Mimik, Ges­tik, Zei­ge­ges­ten und Bli­cke. Bei exter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hil­fen unter­schei­det man zwi­schen elek­tro­ni­schen und nicht elek­tro­ni­schen. Nicht elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel beinhal­ten Objek­te, Bil­der, Pik­to­gram­me und Gebär­den. Bei den elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­teln, also Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­ten und Apps, hat sich in den letz­ten Jah­ren viel getan.

Elek­tro­ni­sche Hilfsmittel
Hec­tor war das ers­te elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hilfs­mit­tel in der Schweiz. Er war gross, schwer und unhand­lich, aber ein wich­ti­ger Schritt in eine neue Welt. Im Zuge der tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lung wur­den die Hilfs­mit­tel por­ta­bler. iPads und Tablets brach­ten den Durch­bruch in der UK – nichts hat den Hilfs­mit­tel­be­reich so schnell und grund­le­gend verändert.

Go Talk Now
Die App Go Talk Now ist ein­fach und intui­tiv anzu­wen­den. Fach­leu­te – und teil­wei­se auch die nut­zen­den Per­so­nen oder ihr Umfeld – kön­nen ein­zel­ne Sei­ten mit ver­schie­de­nen Feld­grös­sen und Hin­ter­grund­far­ben gestal­ten. Je nach Bedürf­nis der Nut­zen­den ergän­zen die Bezugs­per­so­nen die Fel­der mit Fotos, Pik­to­gram­men oder kur­zen Video­se­quen­zen. Die Gerä­te­an­bie­ter kön­nen ein­zel­ne Sei­ten mit­ein­an­der ver­knüp­fen. Tippt man auf ein Foto oder Pik­to­gramm, spricht das Gerät das Wort laut aus.

Go Talk Now eig­net sich für Men­schen, die noch am Anfang ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­on ste­hen und sie erst auf­bau­en. Die App kann man auch als Struk­tu­rie­rungs­hil­fe, im Sin­ne von Stun­­den- oder Tages­plä­nen, nut­zen. Sobald die nut­zen­de Per­son über ein grös­se­res Voka­bu­lar ver­fügt oder Sät­ze bil­den kann, sind die Mög­lich­kei­ten von Go Talk Now ausgeschöpft.

Meta­Talk­DE
Meta­Talk­DE ist der Mut­ter einer behin­der­ten Toch­ter zu ver­dan­ken. Sie hat die App auf­ge­baut, ver­fei­nert und wei­ter­ent­wi­ckelt. Meta­Talk­DE ver­fügt über einen erwei­ter­ten Wort­schatz und spe­zi­fi­sche Ober­be­grif­fe. Sie bie­tet ein sehr umfang­rei­ches Voka­bu­lar mit fle­xi­blen gram­ma­ti­ka­li­schen Struk­tu­ren. Auf der Start­sei­te der App erschei­nen ver­schie­de­ne Ober­be­grif­fe wie Ess­wa­ren, Geträn­ke, Orte, Tie­re, Ver­ben oder Adjek­ti­ve. Über die­se gelangt die nut­zen­de Per­son zu den Unter­be­grif­fen. Meta­Talk­DE eig­net sich für Men­schen, die über einen grös­se­ren oder gros­sen pas­si­ven Wort­schatz ver­fü­gen und aktiv kom­mu­ni­zie­ren möchten.

Snap+Core First
Die App Snap+Core First ver­fügt eben­falls über einen gros­sen, aus­bau­ba­ren Wort­schatz sowie fle­xi­ble gram­ma­ti­ka­li­sche Struk­tu­ren. Neben dem Prin­zip von Ober- und Unter­be­grif­fen ver­fügt sie über the­men­ba­sier­te Sei­ten wie Kochen, Arzt, Spie­le, Cafe­te­ria oder Wit­ze. Über die­se Sei­ten kom­men Betrof­fe­ne schnell und ein­fach in einer spe­zi­fi­schen Situa­ti­on ins Gespräch. Die Haupt­sei­te ist mit soge­nann­ten Kern­wör­tern aus­ge­stat­tet, die in der Kom­mu­ni­ka­ti­on bedeu­tend sind, so etwa: nicht, noch­mal, auch, anders oder fertig.

Der Wort­schatz von Snap+Core First wächst mit den Bedürf­nis­sen der nut­zen­den Per­son. Die­se kann die App in einer ein­fa­chen, basa­len Kom­mu­ni­ka­ti­on bis hin zu Gesprä­chen mit kom­ple­xem Inhalt nut­zen. Fer­ner ist die App ein­fach und effi­zi­ent zu pro­gram­mie­ren. Die Grund­struk­tur bil­den meist die Gerä­te­an­bie­ter. Erwei­te­run­gen kann das nahe Umfeld oder ver­ein­zelt die nut­zen­de Per­son machen.

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Links: Meta­Talk­DE zeigt ver­schie­de­ne Ober­be­grif­fe als Bil­der an (Bild: Acti­ve Communication).
Rechts: Der Jun­ge navi­giert sich durch die Pik­to­gram­me und teilt sich so mit (Bild: Acti­ve Communication).

Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel aufbauen
Es gibt Men­schen, die ohne gros­se Ein­füh­rung durch ein Hilfs­mit­tel kom­mu­ni­zie­ren. Zum Bei­spiel Men­schen mit einer Erkran­kung, die den Ver­lust der Sprech­funk­tio­nen beinhal­tet, wie amyo­tro­phe Lateralsklerose.

Wer seit Geburt in der Laut­spra­che ein­ge­schränkt ist – zum Bei­spiel durch cere­bra­le Bewe­gungs­stö­run­gen, ent­wi­ckelt sich anders. Betrof­fe­ne kön­nen weni­ger auf sich auf­merk­sam machen, sich äus­sern oder je nach dem weder Ja noch Nein sagen. Es ist zudem davon aus­zu­ge­hen, dass ihr Umfeld deut­lich weni­ger mit ihnen spricht. Das wirkt sich bei der Ein­füh­rung eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­tes aus. Fol­gen­de Punk­te sind wich­tig, damit Betrof­fe­ne ler­nen, erfolg­reich mit einem elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­tel zu kommunizieren.

Bild­spra­che ler­nen und kommunizieren
Wer mit­tels eines Geräts kom­mu­ni­zie­ren will, soll­te bereits gewis­se Bil­der und Pik­to­gram­me ken­nen. Dies soll­te mit dem Wis­sen ver­knüpft sein, dass Bil­der oder Pik­to­gram­me bedeu­tungs­tra­gend sind. Gera­de Pik­to­gram­me wei­sen hier­bei oft abs­trak­te Inhal­te auf – vie­les geschieht auf­grund Ler­nens durch kon­kre­te Erfahrungen.

Hier­zu ein Bei­spiel: Ein Kind schau­kelt in sei­ner Frei­zeit ger­ne. Es ist dar­auf ange­wie­sen, dass jemand die Schau­kel ange­wie­sen, dass jemand die Schau­kel in Bewe­gung setzt. Nach einer Wei­le stoppt die­se Per­son die Schau­kel und zeigt dem Kind die bei­den Pik­to­gram­me «noch­mals» (wei­ter­schau­keln) und «fer­tig» (nicht mehr schau­keln). Das Kind ent­schei­det, wonach ihm mehr ist, bestä­tigt sei­ne Wahl durch das ent­spre­chen­de Pik­to­gramm. So löst das Kind eine Hand­lung erneut aus oder been­det sie.

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So sieht die Ober­flä­che der App Snap+Core First aus (Bild: Tobii Dynavox).

Mit dem Fin­ger oder den Augen ansteuern
Am ein­fachs­ten lässt sich ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rät mit einem Touch­screen mit dem Fin­ger bedie­nen. Hier­zu gibt es unter­stüt­zen­de Fin­ger­führ­ras­ter. Doch nicht alle kön­nen ein Hilfs­mit­tel von Hand ansteu­ern. Des­halb gibt es ver­schie­de­ne Metho­den, zum Bei­spiel die Augen­steue­rung. Betrach­tet die Per­son das Pik­to­gramm am Tablet län­ger, wird es umran­det, akti­viert, und es kommt zu einer Sprach­aus­ga­be. Wel­che Metho­de für wen die rich­ti­ge ist, erör­tern Fach­leu­te im Vorfeld.

Das Umfeld arbei­tet mit
Laut­spra­che ist und wird immer die schnells­te und effi­zi­en­tes­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form blei­ben. Es ist daher uner­läss­lich, dass sich das Umfeld der nut­zen­den Per­son mit deren Hilfs­mit­tel aus­ein­an­der­setzt und lernt, in die­ser Spra­che zu kom­mu­ni­zie­ren. Beim Wäh­len des geeig­ne­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­tes spielt somit auch das Umfeld (Fami­lie, Schu­le, Insti­tu­ti­on) der nut­zen­den Per­son eine wich­ti­ge Rol­le. Es soll­te daher genau abge­klärt wer­den, was für Res­sour­cen (Zeit, Kennt­nis­se in UK und Tech­nik) das Umfeld hat; wenn mög­lich soll­ten sich alle betrof­fe­nen Per­so­nen am Pro­zess beteiligen.

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Links: Der Nut­zen­de steu­ert sein Gerät von Hand an (Bild: Tobii Dynavox).
Rechts: Die­ser Nut­zer steu­ert sein Gerät über die Augen (Bild: Tobii Dynavox).

Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on bei der SAHB
Seit dem Jahr 2014 führt die SAHB im Auf­trag des Bun­des­am­tes für Ver­si­che­rung fach­tech­ni­sche Beur­tei­lun­gen in der Unter­stütz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on durch. Dazu hat die SAHB in kur­zer Zeit einen neu­en Fach­be­reich auf­ge­baut. Die Nach­fra­ge nach Beur­tei­lun­gen nimmt ste­tig zu.

Die SAHB führt im Auf­trag der IV-Stel­­len fach­tech­ni­sche Beur­tei­lun­gen durch. Dies für Roll­stüh­le, Trep­pen­lif­te, Auto­um­bau­ten, bau­li­che Ände­run­gen sowie ortho­pä­die­tech­ni­sche Ver­sor­gun­gen. Im Früh­ling 2014 hat das Bun­des­amt für Ver­si­che­rung (BSV) die SAHB ange­fragt, fach­tech­ni­sche Beur­tei­lun­gen in der Unter­stütz­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on durchzuführen.

Neu geschaf­fe­ner Fachbereich
Trans­pa­renz im Markt der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hilfs­mit­tel schaf­fen und kost­spie­li­ge Fehl­ver­sor­gun­gen ver­hin­dern ist das Ziel der fach­tech­ni­schen Beur­tei­lun­gen. Zudem prüft die SAHB, wer für die Finan­zie­rung eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­tes zustän­dig ist.

Nach der Anfra­ge des BSV hat die SAHB innert vier Mona­ten den neu­en Fach­be­reich Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on auf­ge­baut. In der UK erfah­re­ne Logo­pä­din­nen ver­stär­ken seit­her das Team.

615 Exper­ti­sen im Jahr 2018
Aktu­ell arbei­ten vier Logo­pä­din­nen in der Deutsch­schweiz, zwei in der Roman­die und eine im Tes­sin. Zusam­men ergibt das zir­ka 250 Stel­len­pro­zent. Im Zeit­al­ter der Tablets hat sich die Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on stark wei­ter­ent­wi­ckelt und wird bedeu­ten­der. So ist seit August 2014 die Anzahl Auf­trä­ge der IV-Stel­­len an die SAHB ste­tig gestie­gen. Allein im Jahr 2018 hat die SAHB für die IV-Stel­­len über 600 Exper­ti­sen in der UK durchgeführt.

Fach­tech­ni­sche Beurteilung
Benö­tigt eine schwer sprech- und/oder schreib­be­hin­der­te Per­son zum Kon­takt mit der Umwelt ein elek­tro­ni­sches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rät, müs­sen die Eltern, der Bei­stand oder die benut­zen­de Per­son (bei Voll­jäh­rig­keit) für des­sen Finan­zie­rung einen Antrag an die zustän­di­ge IV-Stel­­le stel­len. Ist der Antrags­stel­ler noch nicht bei einer IV-Stel­­le ange­mel­det, muss er dies vor­gän­gig mit­tels Anmel­de­for­mu­lar erle­di­gen. Ist die IV für die Finan­zie­rung eines Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­tes zustän­dig, beauf­tragt sie die Fach­händ­ler von Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­ten, wie Acti­ve Com­mu­ni­ca­ti­on (sie­he Sei­te 20), mit einer Vor­ab­klä­rung. Wel­ches Gerät braucht eine nut­zen­de Per­son, und was soll es ihr künf­tig ermög­li­chen? Mit den Bera­ten­den des Fach­han­dels pro­bie­ren Betrof­fe­ne und ihr Umfeld Hilfs­mit­tel aus, wäh­len eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­soft­ware (z.B. Go Tal­kNow, Snap + Core First) aus und bespre­chen mög­li­che Zie­le für das spä­te­re Gebrauchs­trai­ning. Dar­aus ent­steht eine Offer­te (inkl. Gerät, Gebrauchs­trai­ning usw.), die die SAHB im Auf­trag der IV fach­tech­nisch auf ihre Ein­fach­heit und Zweck­mäs­sig­keit beurteilt.

Alle Betei­lig­ten miteinbeziehen
Die Beur­tei­lung der SAHB beinhal­tet das Prü­fen der Mate­­ri­al- und Dienst­leis­tungs­kos­ten auf ihre Ein­fach­heit und Zweck­mäs­sig­keit. Das Mate­ri­al soll den Mög­lich­kei­ten und Bedürf­nis­sen der nut­zen­den Per­son ent­spre­chen: Steu­ert sie das Gerät mit den Augen oder mit der Hand an? Über wel­che kom­mu­ni­ka­ti­ven Fähig­kei­ten ver­fügt die Per­son, oder hat sie allen­falls Kom­pe­ten­zen im Lesen und Schreiben?

Das Gerät auf­be­rei­ten, die nut­zen­de Per­son und ihr Umfeld (Fami­lie, Schu­le, Insti­tu­ti­on) schu­len ist in den offe­rier­ten Dienst­leis­tungs­kos­ten inbe­grif­fen. Es ist wich­tig, dass die Fach­leu­te alle Betei­lig­ten im Umgang mit dem Hilfs­mit­tel beglei­ten und sorg­fäl­tig ein­füh­ren. Die wenigs­ten Nut­zen­den kön­nen ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rät auf Anhieb anwenden.

Vor­han­de­nes aus den IV-Depots nutzen
Wei­ter prüft die SAHB, ob die in der Offer­te ent­hal­te­nen Gerä­te im IV-Depot vor­han­den sind. Die IV gibt Hilfs­mit­tel leih­wei­se ab. Wer­den sie nicht mehr gebraucht, gehen sie zurück ins IV-Depot.

Fach­tech­ni­sche Beur­tei­lun­gen führt die SAHB tele­fo­nisch oder im Umfeld der ver­si­cher­ten Per­son durch. Anschlies­send gibt die SAHB der IV eine schrift­li­che Emp­feh­lung ab, die IV ent­schei­det über das Hilfs­mit­tel. Aus­nah­me: Die IV bezahlt kei­ne Gerä­te, die zur The­ra­pie der Laut­spra­che oder der Sprach­för­de­rung ein­ge­setzt werden.

Finan­zie­rungs­zu­stän­dig­keit beurteilen
Manch­mal ist die Finan­zie­rung eines Gerä­tes durch die IV nicht geklärt. In sol­chen Fäl­len beauf­tragt sie die SAHB; die prüft wie­der­um, wer für das Finan­zie­ren zustän­dig ist. Dabei besu­chen die Fach­leu­te der SAHB die Ver­si­cher­ten in ihrem fami­liä­ren bzw. schu­li­schen Umfeld.

Nach dem Gespräch stu­fen sie die ver­si­cher­te Per­son gemäss der Über­sicht «Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­schät­zen und unter­stüt­zen» von Ire­ne Leber ein. Die­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dell besteht aus fünf Stu­fen. Gera­de Men­schen, die über kei­ne Laut­spra­che ver­fü­gen und kein umfas­sen­des Sprach­ver­ständ­nis haben, sind in ihren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten schwer ein­zu­schät­zen. Damit die IV ein Gerät finan­ziert, muss die ver­si­cher­te Per­son zwi­schen Stu­fe vier und fünf nach Ire­ne Lebers Modell ein­ge­stuft sein. Die Stu­fen, im Gan­zen gibt es fünf, bestim­men den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stand der Person.

Stu­fe vier und fünf nach Ire­ne Leber
Auf Stu­fe vier ver­ste­hen die Betrof­fe­nen ers­te Wör­ter für Per­so­nen und Begrif­fe, die ihren All­tag betref­fen. Von ihrem Gegen­über for­dern sie Auf­merk­sam­keit, Hand­lun­gen oder Din­ge. Zudem set­zen sie Lau­te, Hand­zei­chen, Fotos und Pik­to­gram­me zur Kom­mu­ni­ka­ti­on ein, und sie inter­es­sie­ren sich für bestimm­te Themen.

Auf Stu­fe fünf ver­ste­hen die Ver­si­cher­ten ein­fa­che Begrif­fe, die unab­hän­gig von Raum und Zeit sind. Sie möch­ten Wün­sche äus­sern und von Erleb­nis­sen berich­ten. Zudem begrei­fen sie Regeln und Abläu­fe und ver­ste­hen zuneh­mend auch kom­ple­xe­re Äusserungen.

Gemein­sam für eine fai­re Hilfsmittelversorgung
Auf­grund ihrer Exper­ti­se an die IV-Stel­­len for­mu­liert die SAHB, ob sie eine Finan­zie­rung emp­fiehlt oder ablehnt. Den defi­ni­ti­ven Ent­scheid fäl­len die IV-Stel­­len. Die SAHB infor­miert die Ver­si­cher­ten über ihre Emp­feh­lun­gen. Lehnt die SAHB eine Finan­zie­rung ab, zei­gen die Bera­ten­den dem Umfeld wei­te­re För­der­mög­lich­kei­ten auf und bespre­chen sie gemeinsam.

Die SAHB ist ein Bin­de­glied zwi­schen Ver­si­cher­ten, IV-Stel­­len und Hilfs­mit­tel­lie­fe­ran­ten. Alle tra­gen ihren Teil dazu bei, dass eine fai­re Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung statt­fin­det und die Ver­si­cher­ten über gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hil­fen verfügen.

 

Fach­han­del

Deutsch­schweiz
Acti­ve Com­mu­ni­ca­ti­on AG
Sumpf­stras­se 28
CH-6312 Steinhausen
T +41 41 747 03 03

www.activecommunication.ch

Tes­sin
Han­dy Sys­tem Sagl
Via Gis­mon­da 9
CH-6850 Mendrisio
T +41 91 646 36 65
F +41 91 646 36 67

www.handysystem.ch

Emp­foh­le­ne Literatur
– Ursu­la Braun (2005), Unter­stütz­te Kommunikation
– Ursu­la Braun (2014), Augen­Bli­cke: Unter­stütz­te Kom­mu­ni­ka­ti­on und RETT-Syndrom
– Ire­ne Leber (2018), Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­schät­zen und unterstützen