Ste­hen ist mehr als auf­recht sein

Sicher stehen, aktiv teilnehmen – das passende Stehsystem für jede Entwicklungsphase - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2
Sicher stehen, aktiv teilnehmen – das passende Stehsystem für jede Entwicklungsphase - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2
Quel­le: Sun­ri­se Medi­cal – Leckey Squiggles+

Wer ste­hen kann, denkt meist nicht dar­über nach. Man steht auf, nimmt eine Tas­se aus dem Schrank, rührt in der Pfan­ne, dreht sich im Gespräch jeman­dem zu oder steht kurz auf, weil lan­ges Sit­zen unbe­quem wird. Ste­hen gehört so selbst­ver­ständ­lich zum All­tag, dass sei­ne Bedeu­tung oft erst sicht­bar wird, wenn es nicht oder nur mit Unter­stüt­zung mög­lich ist.

Für Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Mobi­li­tät kann Ste­hen des­halb weit mehr sein als eine the­ra­peu­ti­sche Mass­nah­me. Es kann den Kör­per unter­stüt­zen, den All­tag erleich­tern und neue For­men der Teil­ha­be ermög­li­chen. Gleich­zei­tig ist Ste­hen kein Ziel für sich allein. Es muss zur Per­son, zur kör­per­li­chen Situa­ti­on und zum All­tag passen.

Gera­de dar­in liegt die Her­aus­for­de­rung. Nicht jedes Hilfs­mit­tel passt zu jeder Per­son. Nicht jede Steh­funk­ti­on wird im All­tag wirk­lich genutzt. Und nicht jede gute Idee aus der Theo­rie funk­tio­niert spä­ter zwi­schen Küchen­tisch, Schul­zim­mer, Arbeits­platz, Trans­fers, wenig Platz und Tagen, an denen die Ener­gie schlicht nicht reicht.

Der Kör­per braucht Wechsel

Aus fach­li­cher Sicht kann regel­mäs­si­ges Ste­hen ver­schie­de­ne kör­per­li­che Funk­tio­nen unter­stüt­zen. Dazu gehö­ren Kreis­lauf, Atmung und Ver­dau­ung. Zusätz­lich kann es Kon­trak­tu­ren vorbeugen.

Unter einer Kon­trak­tur ver­steht man die Ver­kür­zung bzw. Schrump­fung eines Gewe­bes, z.B. eines Mus­kels, einer Seh­ne oder der Bän­der. Sie führt zu einer Bewe­gungs­ein­schrän­kung bzw. Zwangs­fehl­stel­lung in anlie­gen­den Gelen­ken. Kon­trak­tu­ren kön­nen rever­si­bel oder irrever­si­bel sein.-

Bei Kin­dern kommt eine wei­te­re Dimen­si­on hin­zu. Sie befin­den sich im Wachs­tum. Ihr Kör­per ent­wi­ckelt sich, ihre Kno­chen und Gelen­ke ver­än­dern sich, ihre Wahr­neh­mung der Welt wird lau­fend neu geord­net. Wenn ein Kind nicht selbst­stän­dig ste­hen kann, stellt sich des­halb früh die Fra­ge, wie die auf­rech­te Posi­ti­on sinn­voll unter­stützt wer­den kann. Dabei geht es nicht dar­um, mög­lichst schnell ein Hilfs­mit­tel ein­zu­set­zen, son­dern Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten recht­zei­tig mit­zu­den­ken. Gera­de bei klei­nen Kin­dern kann Ste­hen unter ande­rem für die Hüf­t­ent­wick­lung bedeut­sam sein. Wird die Hüf­te nicht aus­rei­chend belas­tet oder geführt, kann es je nach Situa­ti­on zu Fehl­ent­wick­lun­gen kommen.
Vie­le Eltern begeg­nen dem ers­ten Hilfs­mit­tel mit Zurück­hal­tung. Das ist ver­ständ­lich. Ein Hilfs­mit­tel macht sicht­bar, dass ein Kind Unter­stüt­zung braucht. Gera­de der Schritt vom Kin­der­wa­gen zu einem Roll­stuhl, Steh­trai­ner oder einer ande­ren Ver­sor­gung kann emo­tio­nal schwie­rig sein. Sie geben aber Kin­dern Zugang zu Erfah­run­gen, Bewe­gun­gen und All­tags­si­tua­tio­nen, die ohne Unter­stüt­zung viel­leicht aus­blei­ben wür­den. Die Sor­ge, ein Hilfs­mit­tel kön­ne die Moti­va­ti­on zum Lau­fen­ler­nen ver­min­dern, ist nach­voll­zieh­bar. In der Pra­xis zeigt sich jedoch häu­fig: Kin­der, die lau­fen möch­ten und die kör­per­li­chen Vor­aus­set­zun­gen dafür haben, ver­lie­ren die­ses Ziel nicht, nur weil sie ein Hilfs­mit­tel nut­zen. Ein Hilfs­mit­tel ersetzt Ent­wick­lung nicht. Es kann viel­mehr hel­fen, Ent­wick­lungs­schrit­te über­haupt mög­lich zu machen.
Trotz­dem braucht es Vor­sicht. Ste­hen darf nie erzwun­gen wer­den. Bestehen bereits Kon­trak­tu­ren oder ist die Kno­chen­be­last­bar­keit ein­ge­schränkt, kann eine fal­sche Anwen­dung scha­den. Beson­ders bei Men­schen, die lan­ge im Roll­stuhl sit­zen, kön­nen Kno­chen fra­gi­ler sein. Mit Kraft gegen Wider­stän­de zu arbei­ten, ist des­halb kei­ne Lösung. Ste­hen gehört in pro­fes­sio­nel­le Hän­de und muss sorg­fäl­tig auf­ge­baut werden.

Wenn Ste­hen im All­tag Sinn bekommt

Ein Hilfs­mit­tel allein macht noch kei­nen Unter­schied. Es kann im Raum ste­hen, tech­nisch über­zeu­gen, vie­le Funk­tio­nen bie­ten und trotz­dem wenig bewir­ken, wenn es im All­tag kaum genutzt wird. Wirk­lich hilf­reich wird Ste­hen erst, wenn es regel­mäs­sig mög­lich ist und mit einer sinn­vol­len Tätig­keit ver­bun­den wird. Beson­ders bei Kin­dern ist die­ser Punkt zen­tral. Kein Kind steht ger­ne, nur weil Erwach­se­ne sagen, dass es the­ra­peu­tisch sinn­voll sei. Ste­hen soll­te des­halb nicht als Pflicht­übung erlebt wer­den. Kin­der wol­len spie­len, ent­de­cken, mit­ma­chen. Wenn Ste­hen mit einer posi­ti­ven Erfah­rung ver­knüpft wird, ver­än­dert sich die Hal­tung dazu. Viel­leicht malt ein Kind im Steh­trai­ner am Tisch, hilft beim Teig rüh­ren, arbei­tet an einer klei­nen Werk­bank oder bemalt einen Spie­gel mit Rasier­schaum. Sol­che ein­fa­chen, manch­mal auch spie­le­ri­schen Situa­tio­nen kön­nen hel­fen, das Ste­hen posi­tiv zu besetzen.
In der Bera­tung machen wir immer wie­der die Erfah­rung, dass Eltern den Zusam­men­hang zwi­schen dem Ein­satz eines Hilfs­mit­tels und der kör­per­li­chen Ent­wick­lung ihres Kin­des nicht immer sofort erken­nen. Eine Steh­hil­fe soll nicht das Fami­li­en­le­ben kom­pli­zier­ter machen, son­dern Ent­wick­lung und All­tag unter­stüt­zen. Am Anfang braucht es häu­fig Geduld. Trans­fers müs­sen gelernt wer­den, Rou­ti­nen ent­ste­hen nicht von allein, und nicht jedes Kind fin­det das Ste­hen sofort ange­nehm. Klei­ne, regel­mäs­si­ge Ein­hei­ten kön­nen im All­tag wert­vol­ler sein als ein ambi­tio­nier­ter Plan, der nach kur­zer Zeit nicht mehr umsetz­bar ist.

Erwach­se­ne ste­hen anders

Bei Erwach­se­nen ver­schiebt sich der Fokus. Wachs­tum und Ent­wick­lung ste­hen weni­ger im Vor­der­grund, dafür Selbst­stän­dig­keit, All­tags­taug­lich­keit und kon­kre­te Tätig­kei­ten. Eine im Roll­stuhl inte­grier­te Steh­funk­ti­on zum Bei­spiel, kann dort inter­es­sant wer­den, wo sie im All­tag eine Funk­ti­on über­nimmt: in der Küche, beim Ein­kau­fen, beim Wäsche­ma­chen, im Beruf oder im Auf­ga­ben­be­reich zuhau­se. Wenn jemand vom Sit­zen ins Ste­hen wech­seln kann, ohne zuerst auf­wen­dig in ein sepa­ra­tes Gerät trans­fe­riert zu wer­den, wird Ste­hen leich­ter ver­füg­bar. Es muss nicht als iso­lier­te Mass­nah­me geplant wer­den, son­dern kann in eine Tätig­keit ein­ge­bet­tet sein. Genau das ent­schei­det oft dar­über, ob eine Funk­ti­on genutzt wird oder nicht.
Für Men­schen mit unwill­kür­li­chen Bein­be­we­gun­gen kann ein gut ange­pass­tes Steh­brett ent­las­tend wir­ken. Wenn die Bei­ne sta­bil geführt sind, kann dies Ruhe geben und die Auf­merk­sam­keit auf eine Tätig­keit len­ken. Im Mit­tel­punkt steht also, was durch die Posi­ti­on mög­lich wird. Nicht jede Per­son nutzt eine Steh­funk­ti­on aus den­sel­ben Grün­den. Für die eine steht der gesund­heit­li­che Aus­gleich im Vor­der­grund. Für die ande­re bedeu­tet sie, eine Auf­ga­be ohne Hil­fe erle­di­gen zu können.
Häu­fig wird in die­sem Zusam­men­hang auch von Begeg­nung «auf Augen­hö­he» gespro­chen. Das Bild ist stark, aber nicht ganz ein­fach. Gleich­wer­ti­ge Begeg­nung ent­steht nicht allein durch Kör­per­hö­he. Sie ent­steht durch Respekt, Auf­merk­sam­keit und die Bereit­schaft, sich auf­ein­an­der ein­zu­las­sen. Fach­lich wich­ti­ger ist meist die Fra­ge, was eine Per­son durch die Steh­funk­ti­on kon­kret tun kann, was vor­her nicht oder nur mit Unter­stüt­zung mög­lich war.

Zwi­schen Wunsch, Mög­lich­keit und Finanzierung

Wenn ein Hilfs­mit­tel bespro­chen wird, tref­fen oft meh­re­re Ebe­nen auf­ein­an­der. Da ist der Wunsch nach mehr Selbst­stän­dig­keit oder Ent­wick­lung. Da sind medi­zi­ni­sche und the­ra­peu­ti­sche Über­le­gun­gen. Da ist das Umfeld mit sei­nen Mög­lich­kei­ten und Gren­zen. Und nicht zuletzt die Fra­ge nach der Finanzierung.
Bei Kin­dern und Jugend­li­chen wird Ste­hen häu­fig im Zusam­men­hang mit Ent­wick­lung, The­ra­pie oder medi­zi­ni­schen Mass­nah­men beur­teilt. Bei Erwach­se­nen ist eine Finan­zie­rung über die Inva­li­den­ver­si­che­rung jedoch nur dann mög­lich, wenn die Steh­funk­ti­on für die Erwerbs­tä­tig­keit oder den Auf­ga­ben­be­reich erfor­der­lich ist. Für Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge ist das nicht immer leicht nach­voll­zieh­bar, beson­ders weil die gesund­heit­li­che Bedeu­tung des Ste­hens nicht ein­fach mit der Voll­endung des 20. Lebens­jah­res verschwindet.
Gera­de des­halb ist eine sorg­fäl­ti­ge Bera­tung wich­tig. Nicht jede gewünsch­te Ver­sor­gung kann finan­ziert wer­den. Gleich­zei­tig gibt es oft ver­schie­de­ne Wege, die geprüft wer­den kön­nen. Manch­mal ste­hen alter­na­ti­ve Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten im Raum, etwa über Stif­tun­gen oder Unter­stüt­zungs­stel­len. Wich­tig ist, dass Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge trans­pa­rent infor­miert wer­den und ver­ste­hen, wel­che Mög­lich­kei­ten rea­lis­tisch sind.

Die pas­sen­de Lösung ist sel­ten die spektakulärste

In der Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung wirkt die tech­nisch ein­drück­lichs­te Lösung schnell wie die bes­te. Mehr Funk­tio­nen, mehr Mög­lich­kei­ten, mehr Beweg­lich­keit. Oft ist die bes­te Lösung nicht die spek­ta­ku­lärs­te, son­dern die­je­ni­ge, die zuver­läs­sig genutzt wird. Bei Kin­dern muss ein Hilfs­mit­tel mit der Ent­wick­lung mit­hal­ten kön­nen. Es soll­te sich anpas­sen las­sen, wenn das Kind wächst oder sich Fähig­kei­ten ver­än­dern. Gleich­zei­tig muss es in Fami­lie, Schu­le und The­ra­pie hand­hab­bar blei­ben. Wenn der täg­li­che Auf­wand zu hoch ist, bleibt selbst eine sehr gute Ver­sor­gung ungenutzt.
Bei Erwach­se­nen stel­len sich ande­re Fra­gen: Ist die Steh­funk­ti­on im All­tag rasch und sicher nutz­bar? Unter­stützt sie kon­kre­te Tätig­kei­ten? Ist sie im Wohn­um­feld oder am Arbeits­platz prak­ti­ka­bel? Bringt sie einen funk­tio­na­len Mehr­wert oder bleibt sie vor allem eine theo­re­ti­sche Mög­lich­keit? Die fach­li­che Beur­tei­lung schaut des­halb über das Hilfs­mit­tel hin­aus auf die gesam­te Situa­ti­on. Kör­per­li­che Vor­aus­set­zun­gen, Sicher­heit, Moti­va­ti­on, Trans­fers, Platz­ver­hält­nis­se, Umfeld und lang­fris­ti­ge Nut­zung gehö­ren zusam­men. Auch Fort­schrit­te oder Ver­än­de­run­gen müs­sen mit­ge­dacht wer­den. Nach­hal­tig ist eine Ver­sor­gung dann, wenn sie heu­te passt und auch mor­gen noch sinn­voll ein­ge­setzt wer­den kann.

Die Rol­le der SAHB

Die SAHB beur­teilt Hilfs­mit­tel­ver­sor­gun­gen unab­hän­gig und her­stel­ler­neu­tral. Im Mit­tel­punkt steht nicht ein bestimm­tes Pro­dukt, son­dern der indi­vi­du­el­le Bedarf. Wel­che Zie­le sol­len erreicht wer­den? Wel­che kör­per­li­chen Vor­aus­set­zun­gen sind vor­han­den? Wo und wie soll das Hilfs­mit­tel genutzt wer­den? Und wel­che Lösung ist im kon­kre­ten All­tag realistisch?
Die­se unab­hän­gi­ge Sicht ist beson­ders wich­tig, weil Ste­hen vie­le posi­ti­ve Mög­lich­kei­ten eröff­net, aber nicht pau­schal beur­teilt wer­den kann. Für die eine Per­son kann eine Steh­funk­ti­on im Roll­stuhl ein ent­schei­den­der Schritt zu mehr Selbst­stän­dig­keit sein. Für eine ande­re ist ein ein­fa­cher Steh­trai­ner im the­ra­peu­ti­schen oder schu­li­schen Kon­text sinn­vol­ler. Und manch­mal zeigt die Abklä­rung auch, dass zuerst ande­re Vor­aus­set­zun­gen geschaf­fen wer­den müssen.
Am Ende geht es nicht dar­um, Ste­hen um jeden Preis zu ermög­li­chen. Es geht dar­um, sinn­voll zu ste­hen: sicher, regel­mäs­sig, all­tags­nah und mit einem kla­ren Nut­zen für die betrof­fe­ne Per­son. Denn Ste­hen ist mehr als auf­recht sein. Es kann bedeu­ten etwas selbst zu errei­chen, den Kör­per anders zu spü­ren oder für einen Moment nicht nur sit­zend am All­tag teilzunehmen.

Auto­no­mie dank Robo­tik und digi­ta­len Hilfsmitteln

Autonomie dank Robotik und digitalen Hilfsmitteln - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
Autonomie dank Robotik und digitalen Hilfsmitteln - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Ein inno­va­ti­ver Robo­ter­arm ermög­licht Men­schen mit hoher Läh­mung neue Frei­hei­ten. Denn in einem sich rela­tiv schnell wan­deln­den Hilfs­mit­tel­um­feld sucht und fin­det die SAHB Wege, streng nach dem Slo­gan «Wir fin­den Lösun­gen», wie die­se Hilfs­mit­tel im bestehen­den Hilfs­mit­tel­sys­tem in der Schweiz abge­ge­ben wer­den können.

Ein revo­lu­tio­nä­res Hilfs­mit­tel sorgt aktu­ell in der Schweiz für Auf­se­hen – und für juris­ti­sche und sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Dis­kus­sio­nen. Es han­delt sich um einen robo­ti­schen Arm, der direkt an einem Elek­tro­roll­stuhl oder Tisch befes­tigt wer­den kann. Mit sei­ner Drei-Fin­­ger-Greif­­tech­­nik und der sen­so­ri­schen Steue­rung ermög­licht er Men­schen mit hoher Läh­mung Tätig­kei­ten, die für vie­le ande­re selbst­ver­ständ­lich sind – etwa essen, trin­ken, sich das Gesicht berüh­ren, den Kopf krat­zen oder die Bril­le rich­ten. Die­ser Robo­ter­arm ermög­licht Schwerst­ge­lähm­ten einen ent­schei­den­den Schritt in Rich­tung Selbst­be­stim­mung und Teil­ha­be am All­tag. Die Funk­tio­nen und Vor­tei­le sind dem Erleb­nis­be­richt mit Seve­rin Bischof ein­drück­lich zu entnehmen.

Tech­no­lo­gie mit Perspektive
Die Robo­ter­hand ist mit Sen­so­rik aus­ge­stat­tet, die eine nut­zen­de Per­son selbst steu­ern kann. Gesteu­ert wird sie über den bereits vor­han­de­nen Joy­stick des Elek­tro­roll­stuhls oder über spe­zi­el­le Ein­ga­be­me­tho­den wie Zun­gen­steue­rung, Saug-Blas-Steu­e­rung, Augen‑, Kopf- oder Fuss­steue­rung. Dies je nach indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten des betrof­fe­nen Men­schen. Die Tech­no­lo­gie passt sich damit hoch­gra­dig per­so­na­li­siert an die Bedürf­nis­se der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer an.

Der Mehr­wert liegt auf der Hand: Men­schen mit voll­stän­di­ger oder hoher Tetra­ple­gie oder ver­gleich­ba­ren Ein­schrän­kun­gen wie Mul­ti­pler Skle­ro­se (MS) oder Amyo­tro­pher Late­ral­skle­ro­se (ALS) sind bei ein­fa­chen Selbst­pfle­ge­hand­lun­gen nicht mehr per­ma­nent auf Hil­fe Drit­ter ange­wie­sen. Statt­des­sen erhal­ten sie ein Stück Auto­no­mie zurück – ein selbst­be­stimm­tes Leben rückt dadurch erst­mals in greif­ba­re Nähe. Wer ein­mal erlebt hat, wie bei einer erst­ma­li­gen Erpro­bung eines sol­chen Robo­ter­ar­mes der Gesichts­aus­druck der betrof­fe­nen, «im Kör­per gefan­ge­nen Men­schen» sich ener­gie­voll in Schmun­zeln und Strah­len ändert, weiss sofort, wel­che Dimen­si­on sich durch die­se Hilfs­mit­tel für die Betrof­fe­nen eröff­net. Genau des­halb ist es der SAHB ein Anlie­gen, sich um das Ebnen des oft stei­ni­gen Weges bis zur Finan­zie­rung einzusetzen.

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Ein Exo­ske­lett, wie es auf dem Bau zum Ein­satz kommt, ver­leiht Anwen­de­rin­nen und Anwen­dern eine Extra­por­ti­on Kraft, wenn die Arme müde wer­den, und ent­las­tet gleich­zei­tig den Nacken. (Foto: Festool)

Recht­li­che Her­aus­for­de­rung und Präzedenzfall
So über­zeu­gend die tech­ni­sche Ent­wick­lung auch ist, so holp­rig war und ist ihr Weg durch die sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Instan­zen. Der robo­ti­sche Arm kann der­zeit kei­ner Hilfs­mit­tel­ka­te­go­rie der Ver­ord­nung des EDI über die Abga­be von Hilfs­mit­teln durch die Inva­li­den­ver­si­che­rung (HVI) zuge­ord­net wer­den. Die HVI stammt aus einer Zeit, in der sol­che Tech­no­lo­gien schlicht noch nicht exis­tiert haben.

Der Robo­ter­arm erfüllt die bun­des­ge­richt­li­che Defi­ni­ti­on eines Hilfs­mit­tels nicht. Die Defi­ni­ti­on wird in meh­re­ren Bun­des­ge­richts­ur­tei­len genau beschrie­ben. Ent­spre­chend haben die IV-Stel­­len ers­te Gesu­che für die Kos­ten­über­nah­me zunächst abge­lehnt. Der Robo­ter­arm ist nicht direkt einer Kate­go­rie in der HVI zuor­den­bar, was zu ableh­nen­den Ent­schei­den führte.

Durch das Ein­schrei­ten eines Ver­wal­tungs­ge­richts kam Bewe­gung in die Sache. In einem kon­kre­ten Fall klag­te ein schwerst­ge­lähm­ter Antrag­stel­ler gegen die Ableh­nung der kan­to­na­len IV-Stel­­le und bekam recht. Ent­schei­den­des Argu­ment für den Rich­ter war die ver­gleich­ba­re Kos­ten­struk­tur einer myo­elek­tri­schen Arm­pro­the­se: Eine Pro­the­se, die den Arm von der Schul­ter bis zu den Fin­gern ersetzt, ver­ur­sacht ähn­lich hohe Kos­ten. Auch dann, wenn eine betrof­fe­ne Per­son bei­spiels­wei­se noch eine funk­tio­nie­ren­de zwei­te Hand besitzt. In sol­chen Fäl­len über­nimmt die IV-Stel­­le die Kos­ten, ohne dass sie die Zweck­mäs­sig­keit infra­ge stellt. Im Unter­schied zum Robo­ter­arm wird eine sol­che Pro­the­se mit dem Kör­per des Betrof­fe­nen ver­bun­den und kann klar einer HVI-Hilfs­­­mi­t­­tel­­ka­­te­­go­rie zuge­ord­net wer­den (Ziff. 1.02 HVI).

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neo1 wur­de spe­zi­ell für Per­so­nen mit ein­ge­schränk­ter Arm- und Hand­funk­ti­on ent­wi­ckelt. (Foto: Vin­cent Sys­tems GmbH)

Fach­tech­ni­sche Unter­stüt­zung durch die SAHB
Wesent­li­chen Anteil am posi­ti­ven Gerichts­ur­teil hat­te die fun­dier­te Beur­tei­lung durch die SAHB. Sie ver­glich die robo­ti­schen Assis­tenz­ar­me mit klas­si­schen Pro­the­sen­lö­sun­gen und zeig­te ein aus­ge­wo­ge­nes Kos­­ten-Nut­­zen-Ver­­häl­t­­nis auf. Dabei wur­de deut­lich, dass der Nut­zen der Robo­ter­tech­nik im All­tag für Betrof­fe­ne deut­lich über das rein Mecha­ni­sche hin­aus­geht – denn sie ermög­licht eine selbst­be­stimm­te Lebensführung.

Neue Wei­sung und zukünf­ti­ge Praxis
Den IV-Stel­­len wird basie­rend auf dem kan­to­na­len Gerichts­ur­teil nahe­ge­legt, dass robo­ti­sche Assis­tenz­ar­me unter die Hilfs­mit­tel­zif­fer der Arm­pro­the­sen sub­su­miert wer­den kön­nen. Damit liegt es künf­tig im Ermes­sen der jewei­li­gen IV-Stel­­le, auf Basis der indi­vi­du­el­len Ver­hält­nis­mäs­sig­keit – unter Ein­be­zug von Wohn­si­tua­ti­on, Ren­ten­ab­hän­gig­keit und Selbst­stän­dig­keits­po­ten­zi­al – über die Kos­ten­über­nah­me zu ent­schei­den. Die Kan­to­ne kön­nen in der föde­ra­lis­ti­schen Schweiz unter­schied­lich entscheiden.

Ein Hilfs­mit­tel mit Signal­wir­kung für die Zukunft
Die Ent­wick­lung des robo­ti­schen Arms für Betrof­fe­ne mar­kiert einen bedeu­ten­den Fort­schritt im Bereich assis­ti­ver Tech­no­lo­gien. Tech­nisch wie auch sozi­al­recht­lich wird Neu­land betre­ten. Der nun eta­blier­te Prä­ze­denz­fall ebnet den Weg für eine sys­te­ma­ti­sche­re Inte­gra­ti­on die­ser Inno­va­ti­on in die Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung. Bleibt zu hof­fen, dass die Regu­lie­rung rasch folgt – und Men­schen mit schwers­ten Ein­schrän­kun­gen nicht nur tech­nisch, son­dern auch recht­lich der Weg in ein selbst­be­stimm­tes Leben geeb­net wird. Die SAHB hofft auf vie­le strah­len­de Gesich­ter bei den noch fol­gen­den Erst­erpro­bun­gen des neu­en Hilfsmittels.

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Die myo­elek­tri­sche Hand­orthe­se Exo­mo­ti­on® hand one erfasst vor­han­de­ne Mus­kel­si­gna­le und wan­delt die­se in Greif­be­we­gun­gen um. (Foto: HKK Bio­nics GmbH)

Tech­no­lo­gi­sche Inno­ca­tio­nen für mehr Unabhängigkeit
Tech­no­lo­gi­sche Hilfs­mit­tel eröff­nen Men­schen mit schwe­ren kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen neue Wege zu mehr Selbst­be­stim­mung. Sprach­ge­steu­er­te Assis­tenz­sys­te­me, moder­ne Exo­ske­let­te oder smar­te Roll­stuhl­steue­run­gen zei­gen, wie digi­ta­le Inno­va­tio­nen die Lebens­qua­li­tät nach­hal­tig ver­bes­sern können.

Die digi­ta­le Elek­tro­tech­nik hat bemer­kens­wer­te Fort­schrit­te gemacht, die Men­schen mit schwe­ren kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen neue Wege zu mehr Auto­no­mie und Lebens­qua­li­tät eröff­nen. Von myo­elek­tri­schen Exo­ske­let­ten über intel­li­gen­te Roll­stuhl­steue­run­gen bis zu teil­au­to­no­men Fahr­zeu­gen – die Band­brei­te an assis­ti­ven Tech­no­lo­gien wächst stetig.

Sprach­ge­steu­er­te Behelfe
Dank gän­gi­gen Sprach­as­sis­ten­ten, wie Siri oder Ale­xa, sind heu­te diver­se Gerä­te über Sprach­be­feh­le steu­er­bar. Das Licht geht an, die Hei­zung kann gesteu­ert wer­den, die Kame­ra vor der Haus­tü­re zeigt, wer vor dem Haus ist, und die elek­tri­sche Tür lässt sich über Sprach­be­feh­le steu­ern. Durch das Smart­phone kön­nen auch Men­schen mit schwers­ter Läh­mung von die­sen Tech­no­lo­gien pro­fi­tie­ren. Die SAHB unter­stützt und berät Inter­es­sier­te schweiz­weit direkt vor Ort, denn vie­le Betrof­fe­ne benö­ti­gen Hil­fe beim Anwen­den sol­cher Assistenten.

Exo­ske­let­te: neue Mobi­li­tät durch Technik
Ein Exo­ske­lett, zu deutsch Aus­sen­ske­lett, ist ein von aus­sen am Kör­per getra­ge­nes mecha­ni­sches Gerüst, das die Trä­ge­rin oder der Trä­ger unter­stützt oder stärkt. Zum Bei­spiel bei kör­per­li­cher Arbeit in der Indus­trie oder auf dem Bau. Die Idee dahin­ter ist, den Kör­per mit einem Stütz­kor­sett zu unter­stüt­zen. Unter­neh­men wie Hil­ti oder Fest­ool haben ein eige­nes Bran­chen­feld für Exo­ske­let­te eröff­net. Nebst dem beruf­li­chen Kon­text gibt es auch Exo­ske­let­te für die Reha­bi­li­ta­ti­on und die pri­va­te Nut­zung im All­tag als Hilfs­mit­tel für Men­schen mit Behin­de­run­gen. Durch sie gewin­nen Men­schen mit Läh­mun­gen oder Mus­kel­schwä­chen ver­lo­ren gegan­ge­ne Bewe­gungs­funk­tio­nen teil­wei­se zurück. Sie hel­fen bei­spiels­wei­se beim Auf­ste­hen, beim Gehen oder beim Heben von Gegenständen.

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Mune­vo Dri­ve erkennt Kopf­be­we­gun­gen und wan­delt sie in Steu­er­si­gna­le für den Elek­tro­roll­stuhl um. (Foto: Mune­vo GmbH)

neo1 von Vin­cent Systems
neo1 ist ein myo­elek­tri­sches Exo­ske­lett für die obe­re Extre­mi­tät, das sich unter der Klei­dung tra­gen lässt. Es wur­de spe­zi­ell für Per­so­nen mit ein­ge­schränk­ter Arm- und Hand­funk­ti­on ent­wi­ckelt, etwa nach Schlag­an­fäl­len oder Ple­xus­ver­let­zun­gen. Durch das Erfas­sen von Mus­kel­si­gna­len ermög­licht es geziel­te Bewe­gun­gen und unter­stützt so das Wie­der­erlan­gen von Alltagsfähigkeiten.

Exo­mo­ti­on® hand one von HKK Bionics
Die Exo­mo­ti­on® hand one ist eine myo­elek­tri­sche Hand­orthe­se, die Men­schen mit schlaf­fer oder spas­ti­scher Läh­mung der Hand das Grei­fen wie­der ermög­licht. Sie erfasst vor­han­de­ne Mus­kel­si­gna­le – auch aus alter­na­ti­ven Mus­kel­grup­pen – und wan­delt die­se in Greif­be­we­gun­gen um. Dies erleich­tert vie­le all­täg­li­che Auf­ga­ben und för­dert die Selbstständigkeit.

Intel­li­gen­te Roll­stuhl­steue­rung: mune­vo Dri­ve oder MyEcc
Für Men­schen mit sehr ein­ge­schränk­ter Mobi­li­tät bie­tet mune­vo Dri­ve eine inno­va­ti­ve Lösung. Die­se smar­te Roll­stuhl­steue­rung basiert auf einer Daten­bril­le, die Kopf­be­we­gun­gen erkennt und in Steu­er­si­gna­le für den Elek­tro­roll­stuhl umwan­delt. So kön­nen Nut­zen­de ihren Roll­stuhl frei­hän­dig und intui­tiv steu­ern – eine ele­gan­te Alter­na­ti­ve zu her­kömm­li­chen Steue­rungs­sys­te­men. Die Bril­le lässt sich mit gerin­gem Auf­wand im Hilfs­mit­tel­de­pot der SAHB bewirt­schaf­ten. Die kos­ten­in­ten­si­ve Anschaf­fung rela­ti­viert sich dadurch.

Mit MyEcc wird ein Roll­stuhl mit­tels Bewe­gun­gen der Iris gesteu­ert. Auch die­se Steu­er­op­ti­on ermög­licht es Betrof­fe­nen, ein Stück Selbst­be­stim­mung zurück­zu­be­kom­men. Die SAHB hat im Bereich der Son­der­steue­rung bereits wich­ti­ge Hür­den für Kos­ten­trä­ger wie IV oder Suva und damit auch für Betrof­fe­ne abgebaut.

Auto­no­me Fahr­zeu­ge: Mobi­li­tät der Zukunft
Selbst­fah­ren­de Autos könn­ten in Zukunft eine bedeu­ten­de Rol­le für die Mobi­li­tät von Men­schen mit Behin­de­run­gen spie­len. Gros­ses Poten­zi­al bie­ten Fahr­zeu­ge der Auto­no­mie­stu­fe 5, die voll­stän­dig ohne mensch­li­ches Ein­grei­fen ope­rie­ren. Von 2016 bis 2021 waren in Sit­ten die SmartS­hut­tles «Valè­re» und «Tour­bil­lon» von Post­Au­to unter­wegs. Sie waren die welt­weit ers­ten auto­no­men Fahr­zeu­ge, die im öffent­li­chen Ver­kehr ein­ge­setzt wur­den. Die SAHB sieht in die­sem Bereich einen wun­der­ba­ren, aber bis­lang nicht umsetz­ba­ren Nut­zen für Per­so­nen mit schwe­ren Ein­schrän­kun­gen. Wie wäre es, wenn eine Per­son im Roll­stuhl selbst­stän­dig ins Auto gelan­gen, das Ziel der Fahrt ein­ge­ben und sicher ans Ziel kom­men könn­te? Bevor es so weit ist, gibt es noch eini­ge Her­aus­for­de­run­gen zu meistern:
– Roll­stuhl­ar­re­tie­rung: Das siche­re und selbst­stän­di­ge Fixie­ren von Roll­stüh­len im Fahr­zeug ist noch nicht voll­stän­dig auto­ma­ti­siert. Docking-Sys­­te­­me wie Dahl Vario­Dock™ bie­ten fle­xi­ble Lösun­gen, erfor­dern jedoch oft manu­el­le Anpas­sun­gen.
– Stan­dar­di­sie­rung: Die Viel­falt an Roll­stuhl­mo­del­len erschwert die Ent­wick­lung ein­heit­li­cher Docking-Sys­­te­­me. Eine bran­chen­wei­te Stan­dar­di­sie­rung wäre not­wen­dig, um eine brei­te Kom­pa­ti­bi­li­tät zu gewähr­leis­ten.
– Recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen: In vie­len Län­dern, so auch in der Schweiz und in Deutsch­land, sind voll­stän­dig auto­no­me Fahr­zeu­ge der Stu­fe 5 noch nicht gesetz­lich zuge­las­sen. Pilot­pro­jek­te in Städ­ten wie Ham­burg oder in den USA zei­gen jedoch bereits ers­te Erfol­ge. Im Feld der assis­ti­ven Hilfs­mit­tel sind noch vie­le Stei­ne aus dem Weg zu räu­men. Auch der Begriff Hilfs­mit­tel, der juris­tisch gese­hen nur dann erfüllt ist, wenn es am Kör­per getra­gen wird, muss neu über­dacht werden.

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MyEcc steu­ert den Roll­stuhl mit­tels Bewe­gun­gen der Iris. (Foto: HomeBrace)

Digi­ta­le Hilfs­mit­tel als Chan­ce für mehr Inklusion
Die vor­ge­stell­ten Tech­no­lo­gien zei­gen ein­drück­lich, wie digi­ta­le Inno­va­tio­nen dazu bei­tra­gen kön­nen, die Lebens­qua­li­tät von Men­schen mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen zu ver­bes­sern. Wäh­rend Exo­ske­let­te und intel­li­gen­te Steue­rungs­sys­te­me bereits heu­te im All­tag Anwen­dung fin­den, steht die Inte­gra­ti­on der auto­no­men Fahr­zeu­ge noch vor eini­gen Her­aus­for­de­run­gen. Mit fort­schrei­ten­der For­schung, tech­ni­scher Wei­ter­ent­wick­lung und recht­li­cher Anpas­sung lies­sen sich auch die­se Hür­den über­win­den – auf dem Weg zu einer inklu­si­ve­ren Mobi­li­tät für alle.

Die Fach­leu­te der SAHB ste­hen neu­en Tech­no­lo­gien offen gegen­über und fin­den stets Lösun­gen. Auch in der Zusam­men­ar­beit mit dem Bun­des­amt für Sozi­al­ver­si­che­run­gen sucht man nach Wegen, wie und wo wel­che wei­te­ren Finan­zie­rungs­op­tio­nen infra­ge kom­men. Die SAHB hat in die­sem Bereich die bera­ten­de Funk­ti­on, aus fach­tech­ni­scher Sicht die neu­en Hilfs­mit­tel zu objek­ti­vie­ren sowie Vor- und Nach­tei­le aufzuzeigen.

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Der SmartS­hut­tle «Tour­bil­lon» fuhr zwi­schen 2016 und 2021 auto­nom durch Sit­ten. (Foto: PostAuto)

 

Mobi­li­tät im All­tag mit einer pro­gre­di­en­ten Erkrankung

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Der Kör­per ver­liert bei neu­ro­lo­gi­schen oder mus­ku­lä­ren Erkran­kun­gen immer mehr an Beweg­lich­keit und Kraft. Eine sol­che pro­gre­di­en­te, also fort­schrei­ten­de Erkran­kung erschwert die Mobi­li­tät erheb­lich. Für Betrof­fe­ne sind indi­vi­du­el­le Stra­te­gien wich­tig, damit sie so lan­ge wie mög­lich mobil blei­ben und ihre Lebens­qua­li­tät erhalten.

Oft machen sich bei einer pro­gre­di­en­ten Erkran­kung am Anfang klei­ne Ein­schrän­kun­gen im All­tag bemerk­bar, zum Bei­spiel beim Gehen oder auch bei ein­fa­chen Tätig­kei­ten im Haus­halt oder im Beruf. Betrof­fe­ne fin­den heu­te prak­ti­sche Hilfs­mit­tel für den All­tag – von klei­nen bis zu gros­sen Hel­fern, die Aus­wahl ist vielfältig.

Die Krank­heit der tau­send Gesichter 
In die­sem Arti­kel dient Mul­ti­ple Skle­ro­se (MS) als Bei­spiel einer fort­schrei­ten­den Erkran­kung. MS ist eine chro­ni­sche Erkran­kung des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems. Kenn­zeich­nend sind Ent­zün­dun­gen und Schä­di­gun­gen der Mye­lin­schicht, wel­che die Ner­ven­fa­sern umgibt. Die­se Schä­di­gun­gen lösen ver­schie­de­ne Sym­pto­me aus, die je nach Per­son sehr indi­vi­du­ell aus­ge­prägt sind. Häu­fig tritt eine Mus­kel­schwä­che auf, beglei­tet von Koor­­di­na­­ti­ons- und Gleich­ge­wichts­stö­run­gen, die das Gehen und das Ste­hen erschwe­ren. Seh­stö­run­gen kön­nen die Wahr­neh­mung beein­träch­ti­gen, oder eine Fati­gue kann zu einer anhal­ten­den Erschöp­fung führen.

Auch kogni­ti­ve Ver­än­de­run­gen sind mög­lich, die das Den­ken, das Erin­nern und die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit beein­flus­sen. Wegen der viel­fäl­ti­gen Sym­pto­me und Ver­än­de­run­gen nennt man MS auch «Krank­heit der tau­send Gesich­ter». Die­ser Arti­kel behan­delt die moto­ri­schen, die mus­ku­lä­ren und die koor­di­na­ti­ven Aus­wir­kun­gen und zeigt, wel­che Hilfs­mit­tel Betrof­fe­ne zu wel­chem Zeit­punkt unterstützen.

Rol­la­to­ren geben Halt
Vie­le MS-Erkran­k­­te emp­fin­den die ers­ten Hilfs­mit­tel als gros­se Umstel­lung. «Wir mer­ken in unse­ren Bera­tun­gen oft, dass Betrof­fe­ne sehr lan­ge war­ten, bevor sie ein Hilfs­mit­tel nut­zen», sagt Mar­kus Wiet­kamp. Er lei­tet das Hilfs­mit­tel­zen­trum der SAHB in Oen­sin­gen. Vie­le erkrank­te Per­so­nen grei­fen in einem ers­ten Schritt zu einem Hilfs­mit­tel, das in zahl­rei­chen Haus­hal­ten zu fin­den ist: zu Wal­king­stö­cken. Die­se sind sehr leicht, ver­stell­bar und unter­stüt­zen Betrof­fe­ne beim Gehen län­ge­rer Strecken.

Wenn neben dem fort­schrei­ten­den Kraft­ver­lust auch Unsi­cher­hei­ten in der Koor­di­na­ti­on und im Gleich­ge­wicht auf­tre­ten, ist ein Rol­la­tor eine wert­vol­le Hil­fe im All­tag. Je nach Bedarf gibt es Model­le für unter­schied­li­che Ein­satz­be­rei­che – von leich­ten, wen­di­gen Vari­an­ten für Innen­räu­me bis zu sta­bi­le­ren Model­len für draus­sen. Vie­le Betrof­fe­ne bevor­zu­gen einen viel­sei­ti­gen Rol­la­tor, den sie sowohl drin­nen als auch draus­sen nut­zen können.

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Ein Rol­la­tor mit prak­ti­schem Stauraum

Wel­cher Roll­stuhl ist der passende?
Wenn sich ihr Zustand ver­schlech­tert, kön­nen Betrof­fe­ne kur­ze Distan­zen drin­nen oft noch mit Geh­stö­cken oder einem Rol­la­tor zurück­le­gen. Draus­sen ist nun, beson­ders für län­ge­re Stre­cken, ein Roll­stuhl nötig. Doch wel­ches Modell ist das pas­sen­de? Bei den Hand­roll­stüh­len unter­schei­det man zwi­schen Basis­roll­stüh­len, Spe­zi­al­roll­stüh­len und Adaptivrollstühlen.

Basis- und Spezialrollstühle
Basis­roll­stüh­le wer­den oft von Per­so­nen genutzt, die kei­ne lan­gen Stre­cken mehr zurück­le­gen kön­nen, sonst aber ohne Hilfs­mit­tel unter­wegs sind.

Spe­zi­al­roll­stüh­le sind Pfle­ge­roll­stüh­le für Men­schen, die nicht mehr in der Lage sind, den Roll­stuhl selbst­stän­dig anzu­trei­ben. Sol­che Model­le ver­fü­gen über eine Rücken­nei­gung, Sitz­kan­te­lung und hoch­stell­ba­re Bein­stüt­zen, damit man die Posi­ti­on der nut­zen­den Per­son im Ver­lauf des Tages ändern kann. Ein Bei­spiel: Ver­la­gert man die Per­son vom Sit­zen in eine hori­zon­ta­le Posi­ti­on, lässt sich tags­über ein Trans­fer ins Bett vermeiden.

Adap­tiv­roll­stüh­le
«MS-erkran­k­­ten Per­so­nen emp­feh­len wir einen Adap­tiv­roll­stuhl, der sich zusam­men­fal­ten lässt und mit weg­schwenk­ba­ren, abnehm­ba­ren Bein­stüt­zen aus­ge­stat­tet ist», erklärt Mar­kus Wiet­kamp. Der Grund: Fixe Bein­stüt­zen wer­den schnell zur Stol­per­fal­le, sobald eine Per­son den Trans­fer aus dem Roll­stuhl nicht mehr über den Stand machen kann. Im Ver­gleich zu einem Basis­roll­stuhl lässt sich ein Adap­tiv­roll­stuhl bes­ser kon­fi­gu­rie­ren und ein­stel­len. Es gibt falt­ba­re Model­le oder sol­che mit Festrahmen.

MS-Erkran­k­­te, die ihren Hand­roll­stuhl täg­lich benut­zen, stel­len mit der Zeit fest, dass ihr Akti­ons­ra­di­us trotz­dem sehr beschränkt ist. Das liegt dar­an, dass bei MS nebst den unte­ren Extre­mi­tä­ten oft auch die obe­ren betrof­fen sind. Wer­den die Arme schwä­cher, lässt sich ein Hand­roll­stuhl nicht über einen län­ge­ren Zeit­raum mit rei­ner Mus­kel­kraft antreiben.

Für das Bewäl­ti­gen län­ge­rer Stre­cken gibt es kraft­scho­nen­de Hilfs­mit­tel, dank denen Betrof­fe­ne selbst­stän­dig von A nach B gelan­gen: Antriebe

Kraft­un­ter­stüt­zen­de Antriebe
Kraft­un­ter­stüt­zen­de Gerä­te sind elek­tri­sche Zusatz­an­trie­be, die den Vor­trieb eines manu­el­len Roll­stuhls erleich­tern. Sie ver­stär­ken die Antriebs­kraft der nut­zen­den Per­son und ver­rin­gern so die kör­per­li­che Anstren­gung – beson­ders bei Stei­gun­gen, unebe­nem Gelän­de oder län­ge­ren Stre­cken. Meist moto­ri­siert, sor­gen sie für ein sanf­tes und effi­zi­en­tes Fort­be­we­gen und erhö­hen die Mobi­li­tät im Alltag.

Im Gegen­satz zu den Elek­tro­roll­stüh­len ver­stär­ken kraft­un­ter­stüt­zen­de Antrie­be die eige­ne Antriebs­kraft der nut­zen­den Per­son gezielt, anstatt den Roll­stuhl voll­stän­dig elek­trisch anzu­trei­ben. Je nach Bedarf pas­sen die Nut­zen­den die Unter­stüt­zung an – sei es für leich­te Ver­stär­kung bei ebe­nem Boden oder für mehr Schub beim Bergauffahren.

 

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Bei Pfle­ge­roll­stüh­len lässt sich die Posi­ti­on der nut­zen­den Per­son je nach Bedürf­nis ändern.

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Ein Adap­tiv­roll­stuhl mit einem falt­ba­ren Rahmen

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Adap­tiv­roll­stuhl mit Fest­rah­men, der sich für ver­schie­de­ne Bedürf­nis­se ein­stel­len lässt

Antrieb von hin­ten, Zug­kraft von vorn
Auf dem Hilfs­mit­tel­markt gibt es vie­le Antrie­be, die zusätz­lich an den Hand­roll­stuhl ange­baut wer­den kön­nen. Dies ent­we­der hin­ten am Roll­stuhl als Heck­an­trieb oder vorn als Zuggerät.

Heck­an­trie­be haben kom­pak­te, leis­tungs­star­ke Moto­ren, die sich an den Hin­ter­rä­dern eines manu­el­len Roll­stuhls befes­ti­gen las­sen. Sie erleich­tern es, län­ge­re Stre­cken zurück­zu­le­gen, Stei­gun­gen zu bewäl­ti­gen und auf unebe­nem Gelän­de zu fah­ren. Das ist sehr kraft­spa­rend, denn Nut­zen­de brau­chen nur noch den Roll­stuhl zu steu­ern. Der Antrieb sorgt für ein natür­li­ches Fahr­ge­fühl und über­nimmt das Fort­be­we­gen in anspruchs­vol­len Umge­bun­gen wie Ram­pen oder holp­ri­gen Wegen.

Vor­spann­ge­rä­te
Vor­spann­ge­rä­te las­sen sich beim Hand­roll­stuhl an- und abkup­peln. Man unter­schei­det zwi­schen kraft­un­ter­stüt­zen­den und elek­tri­schen Model­len. Bei Ers­te­ren funk­tio­niert der Antrieb wie bei einem Velo, aber mit den Armen statt den Bei­nen. Nut­zen­de fah­ren voll­stän­dig mit ihrer Mus­kel­kraft. Sol­che Gerä­te sind ide­al für Per­so­nen mit unein­ge­schränk­ter Beweg­lich­keit in den obe­ren Extre­mi­tä­ten. Häu­fig wer­den sie von Paraplegiker/innen ver­wen­det. Model­le mit elek­tri­scher Unter­stüt­zung ermög­li­chen ein mühe­lo­ses Fort­be­we­gen, indem sie den Roll­stuhl eigen­stän­dig zie­hen. Die meis­ten Vor­spann­ge­rä­te sind schnel­ler als ande­re Antrie­be und haben eine grös­se­re Reichweite.

Elek­tri­sche Zusatz­an­trie­be bei Handrollstühlen
Wer im Roll­stuhl sitzt, bewegt sich mit einem zusätz­li­chen E‑Motor leich­ter fort – das spart Kraft und stei­gert die Unab­hän­gig­keit. Der klei­ne Antrieb, mit dem sich ein Roll­stuhl ein­fach nach­rüs­ten lässt, macht das Leben unter­wegs ange­neh­mer. Eini­ge der wich­tigs­ten Vor­tei­le sind:

Kör­per­li­che Anstren­gung reduzieren
Der gröss­te Vor­teil eines elek­tri­schen Zusatz­an­triebs ist die Ent­las­tung des Kör­pers. Das manu­el­le Antrei­ben eines Hand­roll­stuhls erfor­dert viel Kraft, was auf län­ge­ren Stre­cken schnell ermü­dend sein kann. Der Zusatz­an­trieb ent­las­tet die Gelen­ke, ins­be­son­de­re die Schul­tern, aber auch die Arme. Das ver­rin­gert lang­fris­tig das Risi­ko von Über­las­tung und Schmerzen.

Mobi­li­tät und Reich­wei­te erhöhen
Elek­tri­sche Zusatz­an­trie­be ermög­li­chen es, län­ge­re Stre­cken mit weni­ger Kraft­auf­wand zurück­zu­le­gen. Beson­ders für Men­schen mit ein­ge­schränk­ter Aus­dau­er oder Mus­kel­kraft sind sie eine wert­vol­le Unter­stüt­zung im Alltag.

Auch schwie­ri­ges Gelän­de wie Kopf­stein­pflas­ter, Gras oder Sand lässt sich leich­ter bewäl­ti­gen. Selbst Stei­gun­gen, die sonst nur mit gros­ser Anstren­gung zu meis­tern wären, ver­ein­facht ein Antrieb deut­lich – Nut­zen­de sind nicht auf die Hil­fe ande­rer angewiesen.

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Mit dem Zug­ge­rät lässt sich der Roll­stuhl auch steuern.

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Vor­spann­ge­rä­te gibt es mit und ohne Antrieb – je nach­dem, ob die nut­zen­de Per­son Kraft in den obe­ren Extre­mi­tä­ten hat oder nicht.

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Ein elek­tri­scher Zusatz­an­trieb lässt sich leicht nach­rüs­ten und erleich­tert das Fah­ren erheblich.

Unab­hän­gi­ger sein
Ein elek­tri­scher Zusatz­an­trieb ermög­licht es Roll­stuhl­fah­ren­den, sich fort­zu­be­we­gen, ohne auf die Unter­stüt­zung von Begleit­per­so­nen ange­wie­sen zu sein. Dadurch sind sie im All­tag fle­xi­bler. Zudem sind die­se Antrie­be vie­ler­orts ein­setz­bar: Sie erleich­tern das Fort­be­we­gen in Innen­räu­men wie auch auf unweg­sa­mem Ter­rain, etwa auf Park­we­gen und Wald­we­gen oder bei wid­ri­gen Wetterbedingungen.

Kom­for­ta­ble und fle­xi­ble Handhabung
Vie­le Zusatz­an­trie­be las­sen sich mit weni­gen Hand­grif­fen an- und abmon­tie­ren. Dadurch bleibt die Fle­xi­bi­li­tät erhal­ten – Nut­zen­de kön­nen je nach Situa­ti­on ent­schei­den, wann sie die Unter­stüt­zung ein­set­zen möch­ten. Eini­ge Model­le bie­ten zudem eine indi­vi­du­el­le Steue­rung. Durch die­se stel­len Nut­zen­de den Grad der elek­tri­schen Unter­stüt­zung je nach Bedarf ein. So bleibt die Fort­be­we­gung jeder­zeit kom­for­ta­bel und gut kontrollierbar.

Lebens­qua­li­tät steigern
Weni­ger kör­per­li­che Belas­tung bedeu­tet mehr Ener­gie für den All­tag. Wer Mus­keln und Gelen­ke schont, ist weni­ger erschöpft und müde und hat weni­ger Schmer­zen. So kön­nen Betrof­fe­ne auch spon­ta­ne Aus­flü­ge unter­neh­men und blei­ben ins­ge­samt akti­ver. Die­se gewon­ne­ne Frei­heit sorgt für eine gestei­ger­te Lebens­qua­li­tät und mehr Unab­hän­gig­keit bei der Wahl von Akti­vi­tä­ten und Zielen.

Auf den Elek­tro­roll­stuhl umsteigen
Ein elek­tri­scher Zusatz­an­trieb für Hand­roll­stüh­le macht das Fah­ren kom­for­ta­bler und bie­tet Unter­stüt­zung, wenn die Mus­kel­kraft nach­lässt. Er ermög­licht es Roll­stuhl­fah­ren­den, ihre Mobi­li­tät zu erwei­tern, ohne sofort auf einen voll­elek­tri­schen Roll­stuhl ange­wie­sen zu sein.

Doch was, wenn das eigen­stän­di­ge Antrei­ben des Hand­roll­stuhls zuneh­mend schwer­fällt oder ein selbst­stän­di­ger Trans­fer in den und aus dem Roll­stuhl nicht mehr mög­lich ist? Dann lohnt es sich, auf einen Elek­tro­roll­stuhl umzu­stei­gen. Ein Schritt, der den­noch gut über­legt sein will.

Wäh­rend ein Elek­tro­roll­stuhl vie­le Vor­tei­le bie­tet, wie mehr Unab­hän­gig­keit und grös­se­ren Kom­fort, bringt er auch Her­aus­for­de­run­gen mit sich. «Um rich­tig zu ent­schei­den, ist es wich­tig, dass Inter­es­sier­te ihre indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se abwä­gen und sich umfas­send bera­ten las­sen», so Mar­kus Wietkamp.

Wann ein Elek­tro­roll­stuhl Sinn macht
Wenn die Mus­keln schwä­cher wer­den und die Aus­dau­er schwin­det, strengt das Anschie­ben eines Hand­roll­stuhls die Arme zu sehr an – die Per­son ermü­det schnell. Gera­de für län­ge­re Stre­cken bie­tet ein Elek­tro­roll­stuhl eine wert­vol­le Ent­las­tung und ermög­licht wei­ter­hin ein akti­ves Leben.

Vor­tei­le
Das Gelän­de spielt eine ent­schei­den­de Rol­le. Wäh­rend Hand­roll­stüh­le auf ebe­nem Unter­grund gut funk­tio­nie­ren, stos­sen sie auf unebe­nen Wegen, bei Stei­gun­gen oder auf Kopf­stein­pflas­ter oft an ihre Gren­zen. Elek­tro­roll­stüh­le sind für sol­che Her­aus­for­de­run­gen bes­ser geeig­net, da sie zusätz­li­chen Kom­fort bie­ten und sta­bil sind. Sie erleich­tern das Fah­ren auf Ram­pen, hüge­li­gem Gelän­de oder unbe­fes­tig­ten Wegen und erwei­tern so den Bewe­gungs­ra­di­us erheblich.

Im Gegen­satz zu Hand­roll­stüh­len las­sen sich vie­le Elek­tro­roll­stüh­le indi­vi­du­ell anpas­sen und auf die jewei­li­gen kör­per­li­chen Bedürf­nis­se abstim­men. Funk­tio­nen wie ein ver­stell­ba­rer Sitz, fle­xi­ble Fuss­stüt­zen oder anpass­ba­re Steue­rungs­mög­lich­kei­ten, wie per Joy­stick, Knopf­druck oder mit den Augen, erhö­hen den Kom­fort. Nut­zen­de mit einem opti­mal auf ihre Bedürf­nis­se ein­ge­stell­ten Elek­tro­roll­stuhl sind im All­tag mobi­ler und unabhängiger.

Nach­tei­le
Elek­tro­roll­stüh­le sind in der Regel schwe­rer und grös­ser als Hand­roll­stüh­le, was den Trans­port erschwe­ren kann. So ist es ist manch­mal schwie­rig, den Roll­stuhl in einem Auto zu ver­stau­en, es sei denn, es gibt ein spe­zi­ell umge­bau­tes Auto. Auch kann die Tech­nik her­aus­for­dernd sein. So brau­chen eini­ge Nut­zen­de womög­lich län­ger, um sich an sie zu gewöh­nen, ins­be­son­de­re wenn der Elek­tro­roll­stuhl über kom­ple­xe Steu­er­me­cha­nis­men oder Funk­tio­nen verfügt.

Bera­tung und aus­pro­bie­ren – das A und O 
Eine Ver­sor­gung mit einem Elek­tro­roll­stuhl steht an, was tun? «Wir emp­feh­len Betrof­fe­nen immer, sich pro­fes­sio­nell bera­ten zu las­sen und pas­sen­de Model­le aus­zu­pro­bie­ren», führt Mar­kus Wiet­kamp aus. Bei der Wahl des Roll­stuhls ist eine enge Zusam­men­ar­beit mit Fach­leu­ten aus Phy­sio­the­ra­pie, Ergo­the­ra­pie, dem Fach­han­del für Mobi­li­täts­hil­fen oder der SAHB ent­schei­dend. Wer bei der Mobi­li­tät mehr Unter­stüt­zung benö­tigt, pro­fi­tiert immens von einem Elektrorollstuhl.

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Elek­tro­roll­stüh­le für den Gebrauch im Aus­sen­be­reich sind in der Regel grös­ser und haben einen bes­se­ren Fahrkomfort
Elek­tro­roll­stüh­le für den Innen­be­reich sind sehr kom­pakt in ihren Aussenmassen. 

„Das Leben ist zu schön, um aufzugeben“

Das Leben ist zu schön, um aufzugeben - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
Das Leben ist zu schön, um aufzugeben - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Bis ins Jahr 2020 stand Andrea Dick, gelern­te Elek­tro­ni­ke­rin und spä­te­re Gerä­te­mon­teu­rin bei Roche Schweiz, mit bei­den Bei­nen fest im Leben. Gemein­sam mit ihrem Part­ner war ein akti­ves Leben Pro­gramm. Ob Ski­fah­ren, Wan­dern oder Cam­ping mit ihrem Dach­zelt – die bei­den waren oft und gern unter­wegs. Ab dem 22. Okto­ber 2020 änder­te sich alles: Andrea Dick erkrank­te an COVID-19. Erst schien es, als hät­te sie die Infek­ti­on über­stan­den. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich jedoch ein Super­in­fekt und ein schwe­rer Fall von Long Covid. Für Andrea Dick begann eine Zeit vol­ler Her­aus­for­de­run­gen, denn ihre kör­per­li­chen Fähig­kei­ten lies­sen nach.

Ein Leben im Wandel
Schon kurz nach der Infek­ti­on spür­te Andrea Dick, dass etwas nicht stimm­te. Die Dia­gno­se Long Covid erhielt sie nach inten­si­ven Abklä­run­gen, doch vie­le Sym­pto­me pass­ten nicht voll­stän­dig ins Bild. Zu Andrea Dicks Beschwer­den zähl­ten funk­tio­nel­le neu­ro­lo­gi­sche Stö­run­gen, Fati­gue, Schlaf­pro­ble­me und zuneh­men­de Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen. Zunächst konn­te sie mit Wan­der­stö­cken noch eini­ge Hun­dert Meter lau­fen. Nach einem erneu­ten Schub im Dezem­ber 2023 ver­schlech­ter­ten sich ihre kör­per­li­chen Fähig­kei­ten wei­ter. Sie benö­tig­te einen Rol­la­tor. Mit jedem wei­te­ren Rück­schlag wur­den die Wege, die sie zurück­le­gen konn­te, kür­zer. Heu­te geht die 39-Jäh­ri­­ge nur noch weni­ge Schrit­te eigen­stän­dig, Trep­pen zu stei­gen schafft sie nicht mehr.

Als wäre das nicht genug, folg­te im Som­mer 2024 der nächs­te Rück­schlag. Andrea Dick hat­te erneut COVID-19 und erlitt nach einer Darm­bi­op­sie eine schwe­re Blut­ver­gif­tung. Erneut stan­den für sie eine lan­ge Zeit im Spi­tal und Reha­auf­ent­hal­te an. Mehr denn je ist sie seit­her auf Hilfs­mit­tel angewiesen.

Hilfs­mit­tel für mehr Selbstständigkeit
Mit Unter­stüt­zung der SAHB erhielt Andrea Dick nach dem Rol­la­tor einen Adap­tiv­roll­stuhl mit dem elek­tri­schen Zusatz­an­trieb E‑Motion. Bei dem Pro­dukt sind die Elek­tro­mo­to­ren in die Rad­na­ben inte­griert. Die Hilfs­mit­tel stam­men aus dem IV-Depot der SAHB und waren schnell revi­diert und ein­satz­be­reit. Für Andrea Dick eröff­ne­ten sich neue Mög­lich­kei­ten: «Ich woll­te nie im Roll­stuhl gescho­ben wer­den, der E‑Motion erleich­tert mei­nen All­tag enorm», erzählt sie.

Auch plan­te die SAHB, die Woh­nung bar­rie­re­frei umzu­ge­stal­ten, damit Andrea Dick so selbst­stän­dig wie mög­lich leben kann. Die SAHB hol­te unter ande­rem für einen Trep­pen­lift eine Offer­te ein. «Mein Bera­ter von der SAHB zeig­te mir mei­ne neue Selbst­stän­dig­keit wie eine Visi­on auf, ich konn­te es mir rich­tig vor­stel­len – es war wie ein Traum», erin­nert sie sich.

Nebst den prak­ti­schen Anpas­sun­gen steht der SAHB-Bera­­ter Andrea Dick auch men­tal zur Sei­te. Er hat sie dar­in bestärkt, ein Hilfs­mit­tel im bes­ten Fall nur für eine begrenz­te Zeit zu nut­zen und davon zu pro­fi­tie­ren, anstatt ganz dar­auf zu ver­zich­ten. «Es hat mir sehr gehol­fen, die Hilfs­mit­tel anzu­neh­men und die Ver­än­de­run­gen in mei­nem Leben bes­ser zu akzep­tie­ren», führt sie wei­ter aus. Immer­hin: Seit Dezem­ber 2024 steht eine Dia­gno­se im Raum.

Das Leben ist zu schön, um aufzugeben - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz Das Leben ist zu schön, um aufzugeben - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 1 Das Leben ist zu schön, um aufzugeben - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2

Bild 1: Trotz des schwe­ren Schick­sals­schlags hält Andrea Dick an den schö­nen Din­gen im Leben fest und bleibt zuversichtlich.
Bild 2: Cam­pen im Wohn­wa­gen war bereits vor der Erkran­kung ihre Lei­den­schaft – heu­te geht es auch mit Rollstuhl.
Bild 3: Beim Zusatz­an­trieb E‑Motion sind die Elek­tro­mo­to­ren in die Rad­na­ben integriert

Dia­gno­se führt zu Akzeptanz
Nach dem lan­gen Weg der Unklar­heit hat Andrea Dick wahr­schein­lich einen Namen für ihre Erkran­kung: das Ehlers-Dan­­los-Syn­­­drom (EDS), sie­he Kas­ten. Das ist eine gene­ti­sche Bin­de­ge­we­be­stö­rung und könn­te vie­le der Sym­pto­me erklä­ren. Rück­bli­ckend zeigt sich, dass Anzei­chen für EDS bereits seit Andrea Dicks Kind­heit bestehen. Jedoch brach­ten erst die COVID-19-Erkran­­kung und die Schü­be die Sym­pto­me zum Aus­bruch. Dank der Dia­gno­se fällt es Andrea Dick leich­ter, ihre Situa­ti­on zu akzep­tie­ren und die not­wen­di­ge Hil­fe anzu­neh­men. Lan­ge hoff­te sie, dass sich ihr Zustand bes­sern wür­de. «Jetzt weiss ich, dass es wich­tig ist, mit der Krank­heit zu leben, statt dage­gen zu kämp­fen», erzählt sie.

Trotz aller Ein­schrän­kun­gen hat Andrea Dick Zie­le vor Augen. Sie möch­te wie­der arbei­ten. Zur­zeit sind die Fati­gue und die Schmer­zen zu stark aus­ge­prägt, daher ist dies im Moment nicht mög­lich. Ihre Zuver­sicht ist jedoch unge­bro­chen, dass es Schritt für Schritt vor­wärts­geht. «Es braucht Zeit, aber ich bin sicher, irgend­wann wie­der mehr machen zu kön­nen», so Andrea Dick. Sie träumt davon, mit ihrem lang­jäh­ri­gen Part­ner nach Aus­tra­li­en zu rei­sen – trotz aller Her­aus­for­de­run­gen, die ein sol­ches Aben­teu­er mit Roll­stuhl mit sich bringt. Für das kom­men­de Jahr plant das Paar einen Urlaub in Euro­pa. «Manch­mal muss man Din­ge ein­fach aus­pro­bie­ren. Es geht immer irgend­wie», sagt sie mit einem Lächeln.

Das Leben neu den­ken – und geniessen
Neben der prak­ti­schen Hil­fe durch die SAHB spielt ihr Umfeld eine gros­se Rol­le. Ein Fels in der Bran­dung ist ihr Part­ner, der ihr zur Sei­te steht. «Es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, dass ein Part­ner einen so unter­stützt. Ich bewun­de­re ihn sehr dafür», erzählt sie. Auch der Aus­tausch mit ande­ren Betrof­fe­nen, etwa im Ver­ein für MS-Kran­ke, gibt ihr Kraft und Zuver­sicht. Sie wur­de im Ver­ein auf­ge­nom­men, da es in ihrem spe­zi­fi­schen Fall Par­al­le­len zu MS gibt. Sie sagt: «Das Leben ist zu schön, um auf­zu­ge­ben. Manch­mal muss man sich nur umor­ga­ni­sie­ren.» Auch aus ihrer regel­mäs­si­gen Psy­cho­the­ra­pie schöpft sie Kraft. «Die The­ra­pie hilft mir, die Situa­ti­on anzu­neh­men und das Posi­ti­ve im Leben wie­der kla­rer zu sehen», so Andrea Dick

Um bei schwe­ren Schick­sals­schlä­gen neue Per­spek­ti­ven zu fin­den, sind die rich­ti­ge Unter­stüt­zung und ein star­kes Umfeld enorm wich­tig. Und dank der Bera­tung der SAHB und der Hilfs­mit­tel gestal­tet Andrea Dick ihren All­tag wie­der selbstbestimmt.

Ehlers-Dan­­los-Syn­­­dro­­me (EDS)
Die Ehlers-Dan­­los-Syn­­­dro­­me (EDS) sind ein Sam­mel­be­griff für eine Grup­pe von sel­te­nen ange­bo­re­nen Stö­run­gen im Bin­de­ge­we­be. Durch ver­schie­de­ne Gen­de­fek­te ist die Struk­tur des Bin­de­ge­we­bes krank­haft ver­än­dert. Bei der Erkran­kung kommt es im Bewe­gungs­sys­tem zu einer all­ge­mei­nen Gelen­küber­be­weg­lich­keit und redu­zier­ten kör­per­li­chen Belast­bar­keit. Dies führt bei vie­len Betrof­fe­nen zu erheb­li­chen mus­ku­los­ke­letta­len Pro­ble­men, bis hin zur Invalidität.

Von den ers­ten Sym­pto­men bis zur Dia­gno­se ver­ge­hen oft Jah­re bis Jahr­zehn­te. Der Weg dahin ist für Betrof­fe­ne lang und schwie­rig, Fehl­dia­gno­sen und Fehl­be­hand­lun­gen sind lei­der die Regel. Das liegt an den viel­fäl­ti­gen Sym­pto­men und der kom­ple­xen Dia­gno­se­stel­lung. Dazu kommt, dass EDS eine sel­te­ne Krank­heit ist – eine von rund 5000 Per­so­nen ist betrof­fen. (Quel­le: Rheumaliga)

IV-Depots: nach­hal­tig und ressourcenschonend

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Alle acht Hilfs­mit­tel­zen­tren der SAHB füh­ren im Man­dat des Bun­des­am­tes für Sozi­al­ver­si­che­run­gen (BSV) ein Hilfs­mit­tel­de­pot, kurz IV-Depot. Die­se IV-Depots sind eine gute Sache, denn hier erhal­ten nicht mehr gebrauch­te Hilfs­mit­tel ein neu­es Leben. Die Fach­leu­te revi­die­ren und repa­rie­ren sie und geben sie an eine nächs­te nut­zen­de Per­son ab. Schweiz­weit war­ten ca. 4000 Hilfs­mit­tel auf den Wie­der­ein­satz. Das Team in Itti­gen gibt jähr­lich etwa 700 Hilfs­mit­tel ab. Genau­so vie­le Hilfs­mit­tel kom­men pro Jahr ins Depot zurück. Doch was genau pas­siert in einem IV-Depot? Ein Besuch im IV-Depot in Itti­gen bringt Licht ins Dun­kel. Ein Bei­spiel: Eine Per­son hat einen Roll­stuhl, benö­tigt nun aber einen neu­en. Die IV erteilt ihr eine Kos­ten­gut­spra­che und schickt ihr gleich­zei­tig einen Rück­for­de­rungs­auf­trag. In die­sem steht, dass die Per­son den alten Roll­stuhl im IV-Depot abge­ben muss. Das Team der SAHB erhält die­ses Schrei­ben auch und weiss dann, dass ein Roll­stuhl zurück­kommt. Für die Rück­ga­be gibt es ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten: Die Per­son bringt das Hilfs­mit­tel in ein IV-Depot oder lässt es von der SAHB abho­len. Oder sie bringt das Hilfs­mit­tel in den Fach­han­del, der dann meh­re­re gleich­zei­tig ins IV-Depot retourniert.

Rück­ga­be und ers­te Kontrolle
Im IV-Depot in Itti­gen ange­kom­men, kommt das Hilfs­mit­tel zuerst ins Unter­ge­schoss des Gebäu­des. Dort sind die Anlie­fe­rung und die Hal­le, in der unter­schied­lichs­te retour­nier­te Roll­stüh­le, Elek­tro­mo­bi­le, Pfle­ge­bet­ten und ande­re Hilfs­mit­tel ste­hen. Man­che Roll­stüh­le sehen ziem­lich mit­ge­nom­men aus. Kaum vor­stell­bar, dass die­se wie­der in Umlauf gehen. In der Hal­le unter­zie­hen der Team­lei­ter Bera­tung und der Werk­statt­lei­ter die Hilfs­mit­tel einer ers­ten Kon­trol­le. Sie ent­schei­den, wel­che Hilfs­mit­tel sie kom­plett revi­die­ren, von wel­chen sie noch Ersatz­tei­le brau­chen kön­nen und wel­che ent­sorgt und recy­celt wer­den. Nach einem Ampel­sys­tem mit Auf­kle­bern kenn­zeich­nen sie die Hilfs­mit­tel. Grün bedeu­tet, das Hilfs­mit­tel wird wie­der ein­ge­setzt, rot ist zum Ent­sor­gen und blau kenn­zeich­net Hilfs­mit­tel, die Ersatz­tei­le lie­fern. Sind Hilfs­mit­tel in der Schweiz nicht mehr zuge­las­sen oder lie­fert der Fach­han­del kei­ne Ersatz­tei­le mehr, zie­hen eini­ge, noch funk­ti­ons­tüch­ti­ge Hilfs­mit­tel wei­ter nach Äthio­pi­en und leis­ten dort gute Diens­te (sie­he Kas­ten). Gene­rell gilt: Gibt das IV-Depot älte­re Model­le gra­tis ab, unter­schrei­ben die Abneh­mer, dass sie kei­nen Pro­fit dar­aus schlagen.

Zurück in die Hal­le. Die Fach­leu­te füh­ren über jedes Hilfs­mit­tel exakt Buch und erfas­sen alle Details in ihrem Sys­tem. So haben sie den Über­blick und wis­sen, was sie alles im Depot lagern. Auf die­se Daten­bank haben alle IV-Depots Zugriff und kön­nen bei Bedarf ein Hilfs­mit­tel an einem ande­ren Stand­ort bestel­len. Meis­tens sind dies Roll­stüh­le. «Rol­la­to­ren und Pfle­ge­bet­ten ver­schie­ben wir nicht von einem Depot ins nächs­te, da es nicht wirt­schaft­lich ist», erklärt Alex­an­dra Frey. Sie lei­tet das Hilfs­mit­tel­zen­trum in Ittigen.

Cle­ver gela­gert und organisiert
Recy­celn die Fach­leu­te Hilfs­mit­tel, schau­en sie genau hin und demon­tie­ren Zube­hör, das für Repa­ra­tu­ren und Revi­sio­nen nütz­lich sein könn­te. Vie­le Hilfs­mit­tel ent­hal­ten Alu­mi­ni­um und Elek­tro­nik. «Gera­de Elek­tro­roll­stüh­le geben immer wert­vol­les Ersatz­ma­te­ri­al her», erläu­tert Alex­an­dra Frey. Was übrig bleibt, trennt und ent­sorgt das Team fach­ge­recht. Hilfs­mit­tel für den Wie­der­ein­satz sind im zwei­ten Stock des Hilfs­mit­tel­zen­trums. Dort befin­den sich die Werk­statt und die Lager­hal­len. Letz­te­re sind das Herz­stück des IV-Depots. In den Hal­len befin­den sich rei­hen­wei­se Rega­le mit unre­vi­dier­ten Hilfs­mit­teln. Hier gibt es alles: von Steh­ge­stel­len, Kin­der­sit­zen und Ram­pen über Kin­der­roll­stüh­le, Elek­­t­ro- und Hand­roll­stüh­le bis hin zu Elek­tro­an­trie­ben, Trep­pen­steig­ge­rä­ten, Scoo­tern und Pfle­ge­bet­ten. In Schrän­ken befin­den sich neue Sitz­kis­sen und in Kis­ten das Ersatz­ma­te­ri­al. Alles ist nach Art und Grös­se sor­tiert, beschrif­tet und mit Sys­tem orga­ni­siert. Alex­an­dra Frey nennt das IV-Depot einen Gemischt­wa­ren­han­del. Wäh­rend sich der Fach­han­del meist auf aus­ge­wähl­te Hilfs­mit­tel kon­zen­triert, erhal­ten die IV-Depots die unter­schied­lichs­ten Produkte.

Schnell ver­füg­bar, ein Vor­teil der IV-Depots
«Man­che Hilfs­mit­tel sind schnell weg, ande­re ste­hen lan­ge hier», führt Alex­an­dra Frey aus. Etwa, weil sie eine Grös­se haben, die nur weni­gen Per­so­nen passt, oder weil es ein spe­zi­el­les Hilfs­mit­tel ist. Wenn jemand ein Hilfs­mit­tel benö­tigt, steht es inner­halb von zwei bis drei Tagen bereit. Zeit ist ein ent­schei­den­der Vor­teil der IV-Depots gegen­über dem Fach­han­del. «Die­ser hat oft kei­ne gros­sen Lager und bestellt die Hilfs­mit­tel bei den Her­stel­lern», so Alex­an­dra Frey. Bei Lie­fer­eng­päs­sen oder je nach Welt­la­ge kann sich die War­te­zeit um Mona­te hin­aus­zö­gern. In den IV-Depots steht das Mate­ri­al bereit. Auch das Insel­spi­tal bezieht Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot in Itti­gen. «Wenn sie ein Pfle­ge­bett oder einen Roll­stuhl für die Pal­lia­tiv­pfle­ge benö­ti­gen, muss es schnell gehen», erzählt Alex­an­dra Frey.

Die Werk­statt ver­leiht neu­en Glanz
Damit die Fach­leu­te ein Hilfs­mit­tel auf­be­rei­ten kön­nen, erhal­ten sie einen Werk­statt­an­trag. Die­sen erstellt die Per­son, die die Kli­en­tin oder den Kli­en­ten bera­ten hat. Der Werk­statt­an­trag beschreibt genau, wie die Werk­statt­mit­ar­bei­ten­den das Hilfs­mit­tel anpas­sen müs­sen. Sie holen das ent­spre­chen­de Hilfs­mit­tel aus dem Lager, anschlies­send lagern sie es in einer Art War­te­zim­mer zwi­schen, denn die Mit­ar­bei­ten­den der Werk­statt arbei­ten die Hilfs­mit­tel nach Prio­ri­tät ab. Oft geht ein Hilfs­mit­tel vor der Revi­si­on unter die Dusche. Dazu hat das IV-Depot einen sepa­ra­ten Raum. Die­ser ist mit einem Hoch­druck­rei­ni­ger, einer Wasch­ma­schi­ne, Ent­kal­kungs­mit­tel für Dusch­stüh­le sowie Rei­­ni­­gungs- und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln aus­ge­stat­tet. Die Mecha­ni­ker neh­men das Hilfs­mit­tel aus­ein­an­der, rei­ni­gen es gründ­lich und las­sen es trock­nen. Anschlies­send berei­ten sie es auf, erset­zen altes Mate­ri­al mit neu­em, repa­rie­ren und pas­sen es genau an die Per­son an, die es erhält. Es ist erstaun­lich, wel­chen Wan­del die Hilfs­mit­tel durch­lau­fen. Denn nach geta­ner Arbeit sehen sie aus wie neu und war­ten dar­auf, abge­holt zu werden.

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Gebrauch­te Hilfs­mit­tel, die ins IV-Depot zurückkommen, sehen mit­un­ter ziem­lich lädiert aus

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Kor­rek­tes Ent­sor­gen und Recy­cling sind für 2 das IV-Depot das A und O.

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In den Lager­hal­len sta­peln sich Hilfs­mit­tel und 3 Ersatz­tei­le aller Art – mit Sys­tem organisiert.

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Durch den Werk­statt­an­trag wis­sen die Werk­statt­mit­ar­bei­ten­den, was sie alles für die neue nut­zen­de Per­son anpas­sen müssen.

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Die War­te­schlan­ge mit den zu revi­die­ren­den Hilfsmitteln

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In die­sem Raum rei­ni­gen die Fach­leu­te die Hilfsmittel.

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Der Werk­statt­mit­ar­bei­ter berei­tet einen Kin­der­roll­stuhl neu auf.

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Das aus­ein­an­der­ge­nom­me­ne Steh­ge­stell für ein Kind wird neu bestückt.

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Wie neu: Ein fer­tig revi­dier­ter Roll­stuhl mit Zug­ge­rät ist bereit zum Abholen.

In Äthio­pi­en wei­ter im Einsatz

Hilfs­mit­tel, die aus­ran­giert sind oder den gesetz­li­chen Bestim­mun­gen der Schweiz nicht mehr genügen, erhal­ten ein wei­te­res Leben in Äthio­pi­en. Rollstühle und Hilfs­mit­tel sind dort, wie auch in ande­ren afri­ka­ni­schen Län­dern, ein rares Gut. 17 Pro­zent der Men­schen in Äthio­pi­en leben mit einer Behin­de­rung. Gründe sind Krieg, Krank­hei­ten oder Unfäl­le. Die SAHB unterstützt mit ihrem Part­ner Rol­laid aus Inter­la­ken die Non-Pro­­fit-Orga­­ni­­sa­­ti­on Addis Guzo. Nebst Mate­ri­al­spen­den rei­sen auch regel­mäs­sig zwei Mit­ar­bei­ten­de der SAHB nach Äthio­pi­en, um die Men­schen im Umgang mit Hilfs­mit­teln zu schulen.

Video über Addis Guzo in eng­li­scher Sprache

Mehr erfah­ren:

www.rollaid.org
www.addisguzo.com

IV-Depots: ein Leistungsauftrag

Die IV-Depots bei der SAHB sor­gen dafür, dass gebrauch­te Hilfs­mit­tel gewar­tet und wie­der­ver­wen­det wer­den. So ent­steht ein nach­hal­ti­ger Kreis­lauf, der Res­sour­cen schont und der IV Kos­ten einspart.

Die SAHB bewirt­schaf­tet das Hilfs­mit­tel­de­pot der Inva­li­den­ver­si­che­rung (IV-Depot) im Auf­trag des Bun­des­am­tes für Sozi­al­ver­si­che­run­gen (BSV). In den Depots ste­hen ver­schie­dens­te Hilfs­mit­tel zum Wie­der­ein­satz bereit. Wie ist es zu die­ser Zusam­men­ar­beit gekom­men? Frü­her war es so: Die IV bezog Hilfs­mit­tel über den Fach­han­del. Nicht mehr gebrauch­te Hilfs­mit­tel gin­gen je nach kan­to­na­ler Rege­lung an unter­schied­li­che Stel­len zurück. Ein teu­res und öko­lo­gisch wenig sinn­vol­les Unter­fan­gen für die IV, denn sie kauf­te immer neue Hilfs­mit­tel. Des­halb mach­te sich die IV im Jahr 1988 auf die Suche nach einer unab­hän­gi­gen Orga­ni­sa­ti­on, um die Idee der IV-Depots zu ver­wirk­li­chen. Eine zen­tra­le Stel­le soll­te die Hilfs­mit­tel ver­wal­ten, war­ten und zum Wie­der­ver­wen­den auf­be­rei­ten. Die IV wur­de bei der SAHB fün­dig, da die­se nur bera­tend tätig ist und selbst nicht als Fach­händ­le­rin fungiert.

Ein nach­hal­ti­ger Kreislauf
Noch heu­te bezieht die IV die Hilfs­mit­tel im Fach­han­del und gibt die­se leih­wei­se an Per­so­nen ab, die sie benö­ti­gen. Ein Kind im Wachs­tum oder eine Per­son mit fort­schrei­ten­der Erkran­kung benö­tigt rasch ein ande­res Hilfs­mit­tel. Der Unter­schied zu frü­her ist: Heu­te gehen die gebrauch­ten Hilfs­mit­tel in eines der IV-Depots bei der SAHB. Die Fach­leu­te revi­die­ren sie und geben sie an die nächs­te Per­son ab. Ein nach­hal­ti­ger und res­sour­cen­scho­nen­der Kreis­lauf. «Natür­lich ist es auch wich­tig, dass der Fach­han­del neue Hilfs­mit­tel abgibt, sonst sind die IV-Depots eines Tages leer», erklärt Alex­an­dra Frey. Wie erhält jemand ein Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot? Es gibt ver­schie­de­ne Wege. Ein Bei­spiel­sze­na­rio: Eine Per­son, die einen neu­en Roll­stuhl benö­tigt, wen­det sich an den Fach­han­del. Die­ser erör­tert mit ihr, wel­ches Modell und wel­che Anpas­sun­gen sie braucht. Statt den Roll­stuhl direkt zu ver­kau­fen und der IV zu ver­rech­nen, muss der Fach­han­del erst beim IV-Depot abklä­ren, ob dort ein pas­sen­des Modell vor­han­den ist. Wenn ja, erhält die Per­son das Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot, wenn nicht, vom Fach­han­del. Vie­le Kli­en­tin­nen und Kli­en­ten der SAHB ken­nen das IV-Depot inzwi­schen seit Jah­ren und kon­tak­tie­ren im Bedarfs­fall die Fach­leu­te auch direkt. Fal­len bei einem Hilfs­mit­tel aus dem IV-Depot Repa­ra­tu­ren oder Revi­sio­nen an, kön­nen sich Nut­zen­de jeder­zeit an die Werk­statt des IV-Depots wenden.

Ohne Pro­fit
Das IV-Depot erhält für jedes Hilfs­mit­tel einen Pau­schal­be­trag von der IV. Die­ser deckt Mate­ri­al, War­tung und Löh­ne der Mit­ar­bei­ten­den. Der erwirt­schaf­te­te Über­schuss aus den IV-Depots fliesst Ende Jahr ans BSV zurück. Die SAHB erzielt kei­nen Gewinn aus der Bewirt­schaf­tung des IV- Depots.

 

Gut zu wissen

Der Grund­satz der IV lau­tet: «Es besteht nur Anspruch auf Hilfs­mit­tel in ein­fa­cher, zweck­mäs­si­ger und wirt­schaft­li­cher Aus­füh­rung. Durch eine ande­re Aus­füh­rung beding­te zusätz­li­che Kos­ten hat der Ver­si­cher­te selbst zu tra­gen.» (Art. 2 der Ver­ord­nung des Eid­ge­nös­si­schen Depar­te­ments des Innern über die Abga­be von Hilfs­mit­teln durch die Invalidenversicherung)

„An Bar­ce­lo­na kann sich die Schweiz ein Bei­spiel nehmen“

An Barcelona kann sich die Schweiz ein Beispiel nehmen - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
An Barcelona kann sich die Schweiz ein Beispiel nehmen - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Caro­li­ne Bai­er war von Beruf Event­ma­na­ge­rin und für diver­se Public Events in der Stadt Zürich ver­ant­wort­lich. «Es gab immer viel zu orga­ni­sie­ren, damit alles auf den Punkt klappt», erin­nert sich die 52-Jäh­ri­­ge. Sie hat ihre Arbeit sehr geliebt. Bis ihr im Jahr 2010 die Dia­gno­se Mul­ti­ple Skle­ro­se (MS) einen Strich durch die Rech­nung gemacht hat. MS ist eine Erkran­kung mit vie­len Gesich­tern, bei deren Ver­lauf Betrof­fe­ne kör­per­lich her­aus­ge­for­dert werden.

Ers­te Sym­pto­me und der lan­ge Weg zur Diagnose
Event­ma­nage­ment ist sehr her­aus­for­dernd, und Stress ver­stärkt die Sym­pto­me der Erkran­kung. Caro­li­ne Bai­er muss­te schwe­ren Her­zens ihren gelieb­ten Beruf auf­ge­ben. Die gewon­ne­ne Zeit ver­brach­te sie mit ihrer Fami­lie. Ihre Söh­ne waren drei und fünf Jah­re alt, als sie die Dia­gno­se erhielt.

«Rück­wir­kend weiss ich, dass ich die ers­ten Sym­pto­me bereits im Alter von 17 Jah­ren hat­te», erzählt Caro­li­ne Bai­er. Beim Tan­zen bemerk­te sie, dass sie bereits nach kur­zer Zeit Pro­ble­me mit der Koor­di­na­ti­on bekam und den Takt nicht mehr hal­ten konn­te. Zudem hat­te sie dau­ernd Bla­sen­ent­zün­dun­gen. Spä­ter kamen Müdig­keit und Krib­beln in Armen und Bei­nen dazu. «Mein Haus­arzt tat es als Über­las­tung ab», führt sie aus. Sie fühl­te sich als Hypo­chon­der abge­stem­pelt und nicht ernst genommen.

Eine Erkran­kung mit vie­len Begleiterscheinungen
Heu­te kommt sie mit der Erkran­kung und der sich fort­lau­fend ändern­den Lebens­si­tua­ti­on gut zurecht. «Ich bin fami­li­är sehr gut ein­ge­bun­den», so Caro­li­ne Bai­er und sagt wei­ter: «Mei­ne Jungs und mein Mann kön­nen sehr gut mit der MS und den damit ein­her­ge­hen­den Her­aus­for­de­run­gen umge­hen.» Sie ist Unter­neh­me­rin und kann ihre Arbeits­zeit ihrem Wohl­be­fin­den anpas­sen. Denn die MS bremst sie aus. Ata­k­ti­scher Gang (Ata­xie), nur noch 20 Pro­zent Seh­kraft auf dem lin­ken Auge wegen blei­ben­der Schä­di­gung des Seh­nervs, Gleich­ge­wichts­stö­run­gen, Fati­gue, Mor­gen­steif­heit sowie Koor­­di­na­­ti­ons- und Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che sind nur eini­ge Begleiterscheinungen.

Mobil dank Hilfsmitteln
Hilfs­mit­tel sind bei Caro­li­ne Bai­er täg­lich im Ein­satz. Ein schi­cker Geh­stock ist ihr Dau­er­be­glei­ter. Seit einem hef­ti­gen Schub im Jahr 2012 besitzt sie einen Aktiv­roll­stuhl mit einem mon­tier­ba­ren Elek­tro­an­trieb und einem ergän­zen­den Zusatz­rad. Die­ses kann sie selbst am Roll­stuhl anbrin­gen. Gera­de als die Kin­der klein waren, konn­te sie so pro­blem­los Kies­we­ge oder Rasen über­win­den, um auf den Spiel­platz zu gelan­gen. «Es war nicht ein­fach, die IV davon zu über­zeu­gen, dass ein Gelän­de­roll­stuhl zwar gut fürs Gelän­de, aber für mich im All­tag wegen des Ver­la­dens ins Auto unprak­tisch ist», erzählt Caro­li­ne Bai­er wei­ter. Heu­te nutzt sie zusätz­lich einen E‑Antrieb für Aktiv­roll­stüh­le, den Smoov. Auch die­sen bringt sie selbst am Roll­stuhl an. Seit dem Jahr 2019 ist sie zudem stol­ze Besit­ze­rin eines Alinkers.

Ali­n­ker – Lauf­rad für mehr Autonomie
Der Ali­n­ker ist ein Lauf­rad mit drei Rädern. Er ist für Men­schen kon­zi­piert, die auto­nom aktiv und mobil blei­ben wol­len. Mit dem Ali­n­ker bewegt sich Caro­li­ne Bai­er im Gleich­ge­wicht, auf Augen­hö­he und vom eige­nen Kör­per­ge­wicht entlastet.

Caro­li­ne Bai­er ist vom Ali­n­ker so begeis­tert, dass sie seit dem Jahr 2019 die Rech­te für des­sen Ver­trieb in der Schweiz, Deutsch­land und Öster­reich hat. Inter­es­sier­te kön­nen den Ali­n­ker vor der Anschaf­fung bei Caro­li­ne Bai­er pro­be­ge­hen. Aktu­ell steht das Lauf­rad nicht auf der Hilfs­mit­tel­lis­te der IV, aber in Ein­zel­fäl­len über­nimmt die­se die Kosten.

Zeit zum Erho­len und um Ein­drü­cke zu sammeln
Bewe­gung ist für Caro­li­ne Bai­er ein idea­ler Aus­gleich zur Arbeit. Frü­her war sie sehr sport­lich, heu­te macht sie täg­lich Fit­ness und geht regel­mäs­sig ins Hip­po­trai­ning. Sie besucht zusam­men mit ihrem Mann auch regel­mäs­sig Sport­an­läs­se ihrer Söh­ne, die sich als Nach­wuchs­sport­ler im Vol­ley­ball und im Fuss­ball bewei­sen. «Sie sind rich­tig gut dar­in», so die stol­ze Mama.

Aber auch die schöns­te Aus­zeit des Jah­res kommt bei der Fami­lie nicht zu kurz. In die Feri­en geht es für Caro­li­ne Bai­er und ihren Mann oft nach Frank­reich. Mit im Gepäck sind alle mobi­len Hilfs­mit­tel: der Roll­stuhl mit allem Zube­hör, das Hase Bike mit E‑Antriebshilfe und natür­lich der Ali­n­ker. Für den Ali­n­ker und den Roll­stuhl haben sie einen Vel­o­an­hän­ger kon­zi­piert, den sie zie­hen kön­nen. Obwohl Caro­li­ne Bai­er mit dem Geh­stock noch zu Fuss unter­wegs ist, kann sie beim Besich­ti­gen einer Stadt oder ande­ren Attrak­tio­nen auf die­se Hilfs­mit­tel aus­wei­chen. «Mei­ne Kraft reicht nicht mehr aus, um stun­den­lang zu gehen oder Rad zu fah­ren», so Caro­li­ne Baier.

Im Jahr 2023 reis­te die Fami­lie nach Bar­ce­lo­na. Da nahm sie den Ali­n­ker mit. Er lässt sich zusam­men­klap­pen, und es war kein Pro­blem, ihn im Flug­zeug mit­zu­neh­men. Caro­li­ne Bai­er war begeis­tert von Bar­ce­lo­na. «Die Stadt ist sehr gut auf Bedürf­nis­se von Men­schen mit Behin­de­run­gen ein­ge­stellt», führt sie aus. Man kann zum Bei­spiel einen Roll­stuhl spon­tan mie­ten, und es gibt extra aus­ge­stat­te­te Taxis, die für eine Fahrt mit Roll­stuhl­trans­port gekenn­zeich­net sind. «Dar­an dürf­te sich die Schweiz ein Bei­spiel neh­men», sagt sie. Ihre Erfah­run­gen mit dem Ali­n­ker im Schwei­zer öV sind nicht sehr gut. Er ist – im Gegen­satz zu Roll­stüh­len und Rol­la­to­ren – kein trans­port­pflich­ti­ges Hilfs­mit­tel. Trotz allen Hin­der­nis­sen bleibt Caro­li­ne Bai­er posi­tiv ein­ge­stellt und ori­en­tiert sich an dem, was sie kann, und ergänzt: «Dem nach­zu­trau­ern, was nicht mehr geht, bringt nichts.»

An Barcelona kann sich die Schweiz ein Beispiel nehmen - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 1 An Barcelona kann sich die Schweiz ein Beispiel nehmen - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 2

Dank dem Ali­n­ker unter­hält sie sich auf Augen­hö­he mit ihrer Mut­ter beim Shop­ping in Barcelona.
Sight­see­ing in Bar­ce­lo­na: Mit dem Ali­n­ker ist Caro­li­ne Bai­er auto­nom unterwegs.

„In vie­len Län­dern sind die Men­schen sehr hilfsbereit“

In vielen Ländern sind die Menschen sehr hilfsbereit - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
In vielen Ländern sind die Menschen sehr hilfsbereit - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Kul­tu­ren, Far­ben, Düf­te, Tie­re, Natur – auf der Welt gibt es vie­les zu ent­de­cken. Die Erin­ne­run­gen und die gemach­ten Erfah­run­gen auf Rei­sen prä­gen und blei­ben im Her­zen. Auch für Roll­stuhl­fah­ren­de sind Indi­vi­du­al­rei­sen in fer­ne Län­der mög­lich. Roland Big­ler, Rei­se­be­ra­ter für bar­rie­re­freie Rei­sen bei Glo­be­trot­ter, im Gespräch mit der Exma INFO.

Wie­so emp­feh­len Sie Men­schen im Roll­stuhl Aben­­teu­er- und Individualreisen?
Rei­sen berei­chert! Wobei für Roll­stuhl­fah­ren­de Feri­en an sich oft schon ein Aben­teu­er sind. Es gibt auf der gan­zen Welt Unter­neh­men, die Men­schen im Roll­stuhl Erleb­nis­se anbie­ten, die über 08/15-Rei­­sen hin­aus­ge­hen. In Kenia und Süd­afri­ka gibt es Fahr­zeu­ge mit Ram­pen für Elek­tro­roll­stüh­le. Ich habe bis­lang auf jedem Kon­ti­nent eine Ram­pe hin­ter­las­sen, weil mir die Leu­te wegen drei bis vier Trep­pen­stu­fen eine gebaut haben. Wer weiss, viel­leicht sind die Ram­pen noch heu­te dort und hel­fen anderen.

Oder wie wäre es mit einem Kamel­ritt? Ich habe einen Anbie­ter für bar­rie­re­freie Tou­ren und Rund­rei­sen in Marok­ko gefun­den. Er bie­tet auch Kamel­rei­ten für Roll­stuhl­fah­ren­de an. Das ist dank eines spe­zi­ell dafür kon­stru­ier­ten Ses­sels mög­lich, der auf den Rücken des Tie­res gebun­den wird. So kön­nen auch Tetra­ple­gi­ker eine Wüs­ten­tour machen und im Zelt über­nach­ten. Sol­che Erleb­nis­se rei­zen mich.

Sie sind Rei­se­be­ra­ter bei Glo­be­trot­ter. Wie sind Sie dazu gekommen?
Im Jahr 2012 war ich mit mei­ner Part­ne­rin für ein Jahr in Aus­tra­li­en. Vor der Rei­se hat­te ich mei­nen Job gekün­digt; kurz bevor es wie­der nach Hau­se ging, kam mir die Idee, in einem Rei­se­bü­ro zu arbei­ten – einem Rei­se­bü­ro, das bar­rie­re­freie Indi­vi­du­al­rei­sen anbie­tet. Noch in Aus­tra­li­en kon­tak­tier­te ich den CEO von Glo­be­trot­ter, und er war offen für mei­ne Idee. Nun arbei­te ich seit 2014 als Rei­se­be­ra­ter und habe ein Bera­tungs­an­ge­bot für bar­rie­re­frei­es Rei­sen aufgebaut.

Es ist sinn­voll, wenn Roll­stuhl­fah­ren­de ande­re Betrof­fe­ne bera­ten. Zudem ist es glaub­wür­di­ger, denn wir ken­nen The­men, die Fuss­gän­ge­rin­nen und Fuss­gän­ger nicht auf dem Radar haben.

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Bild links: Unend­li­che Wei­te und Natur pur im Ischi­gu­al­as­to Pro­vin­cial Park in Argentinien.
Bild rechts: In Buda­pest gibt es mit Roll­stuhl viel zu ent­de­cken – etwa das Palo­ma Art­space, seit 2014 die Hei­mat der unga­ri­schen Kreativen.

Was machen Sie, wenn Inter­es­sier­te Beden­ken vor einer Rei­se in die Fer­ne haben?
Dann erzäh­le ich ihnen von mei­nen Erfah­run­gen. Bei Glo­be­trot­ter hat jede Rei­se­be­ra­te­rin und jeder Rei­se­be­ra­ter ein Online­pro­fil mit Rei­se­be­rich­ten – so auch ich. Dort kön­nen Inter­es­sier­te nach­le­sen, was für mich alles mög­lich ist, wohin und wie ich rei­se. Sei dies eine Safa­ri in Kenia, eine Rei­se mit dem Cam­per durch Kana­da oder auf dem Haus­boot durch Berlin.

In Aus­tra­li­en haben mei­ne Part­ne­rin und ich sie­ben Mona­te im Zelt gelebt. Klar, das geht nicht für alle, aber man sieht: Auch mit Roll­stuhl ist vie­les mög­lich. Natür­lich ist jede Bera­tung indi­vi­du­ell und die Rei­se abhän­gig von der Art der Mobi­li­täts­ein­schrän­kung. Es kann auch eine Rol­le spie­len, ob die Per­son mit dem Elek­­t­ro- oder dem Hand­roll­stuhl reist. Gera­de wenn man auf Hil­fe ande­rer ange­wie­sen ist. Ein Elek­tro­roll­stuhl ist schwer und lässt sich bei einem tech­ni­schen Pro­blem zum Bei­spiel nicht in ein Fahr­zeug heben. Hin­ge­gen kann man einen Hand­roll­stuhl pro­blem­los anhe­ben und verladen.

Im Inter­net berich­ten Roll­stuhl­fah­ren­de in ihren Blogs über ihre Rei­se­er­fah­run­gen. Eine Recher­che lohnt sich.

Wel­che Ange­bo­te bzw. Desti­na­tio­nen für Roll­stuhl­fah­ren­de führt Globetrotter?
Wir haben bei Glo­be­trot­ter für bar­rie­re­frei­es Rei­sen kei­nen Rei­se­ka­ta­log im klas­si­schen Sinn. Kon­tak­tiert mich jemand mit einem Rei­se­wunsch oder einer Idee, dann recher­chie­re ich im Inter­net, ob es Ange­bo­te und Anbie­ter gibt.

Ein Bei­spiel: Vor ein paar Mona­ten woll­te eine Kun­din mit ihrem Sohn auf die Gala­pa­gos­in­seln. Ehr­lich gesagt dach­te ich, das könn­te eher schwie­rig wer­den. Doch ich wur­de eines Bes­se­ren belehrt. In Deutsch­land fand ich einen Anbie­ter, der bar­rie­re­freie Rei­sen auf die Gala­pa­gos­in­seln anbie­tet. Den habe ich kon­tak­tiert. Mut­ter und Sohn ver­brach­ten drei Wochen dort und waren begeis­tert. Bis jetzt konn­te ich mei­nen Kun­din­nen und Kun­den fast alle Wün­sche erfüllen.

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Käl­te, Schnee und eine Ren­­tier-Schli­t­­ten­­fahrt mit Roll­stuhl in Finnland.
Der Boden ist mat­schig, die Men­schen sind hilfs­be­reit – ohne zu zögern, tra­gen sie Roland Big­ler über das unweg­sa­me Gelän­de in Kenia.

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Bild links: Sky­line, Son­nen­un­ter­gang – war­um nicht mal nach Miami auf­bre­chen und in die Stadt eintauchen?
Bild rechts: Meer, Klip­pen – die Nor­man­die hat viel zu bie­ten. Wie hier in Fécamp.

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Bild links: Wie in 1001 Nacht: die gros­se Sul­­tan-Qabo­os­­Mo­­schee, eine der gröss­ten Moscheen der Welt und eine der Haupt­se­hens­wür­dig­kei­ten Muscats.
Bild rechts: Kuba ist bekannt für sei­ne far­bi­gen Old­ti­mer. Mit genug Abklä­run­gen lässt sich das Land auch mit Roll­stuhl bereisen.

Flug­rei­sen mit Roll­stuhl haben ihre Tücken. Was müs­sen Rei­sen­de wis­sen, und wie berei­ten sie sich am bes­ten vor?
Die Air­lines sind laut der Inter­na­tio­na­len Luft­ver­kehrs­ver­ei­ni­gung IATA ver­pflich­tet, auch Men­schen mit­zu­neh­men, die auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen sind. Zudem müs­sen die Flug­ge­sell­schaf­ten beim Ein- und Aus­stieg hel­fen. Natür­lich hat ein Flug­gast gewis­se Kri­te­ri­en zu erfül­len. Zum Bei­spiel muss er im nor­ma­len Flug­zeug­sitz auf­recht sit­zen können.

Eine Tücke ist die Toi­let­te. Das Flug­per­so­nal hilft nie­man­dem aufs WC. MS-Betrof­­fe­­ne oder gene­rell Men­schen, die noch etwas Geh­fä­hig­keit haben, kön­nen sich selbst vom Kabi­nen­roll­stuhl in das klei­ne Kabäu­schen bege­ben. Für mich bedeu­tet das: Ein­mal im Flug­zeug, blei­be ich bis zum Aus­stieg an mei­nem Platz. Ich benut­ze einen Kathe­ter und einen Urin­beu­tel, den mei­ne Part­ne­rin für mich leert. Bes­se­re Mög­lich­kei­ten gibt es nicht.

Haben alle Flug­ge­sell­schaf­ten die glei­chen Richt­li­ni­en, wenn es um die Mit­nah­me von Roll­stüh­len geht?
Soweit ich infor­miert bin, sind die Richt­li­ni­en über­all gleich. Rei­sen­de mit Roll­stuhl müs­sen ihren Roll­stuhl anmel­den. Bei einem Elek­tro­roll­stuhl oder einem Zug­ge­rät braucht es auch Anga­ben zur Bat­te­rie­art. Das Mit­neh­men eines Roll­stuhls ist kos­ten­los. Wich­tig ist, sich alles schrift­lich bestä­ti­gen zu lassen.

Ich war mal im Oman. Der Hin­flug ver­lief rei­bungs­los, beim Rück­flug woll­te die glei­che Air­line plötz­lich den Swiss-Trac nicht mit­neh­men, obwohl alles sei­ne Rich­tig­keit hat­te und ich mit dem glei­chen Mate­ri­al unter­wegs war. Auf sol­che Sze­na­ri­en soll­ten sich Rei­sen­de mit Roll­stuhl ein­stel­len, fle­xi­bel und hart­nä­ckig blei­ben sowie auf ihre Rech­te und die bestä­tig­ten Unter­la­gen beharren.

Gibt es bestimm­te Flug­ge­sell­schaf­ten, die Sie auf­grund ihrer Bar­rie­re­frei­heit und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te beson­ders empfehlen?
Mei­nes Wis­sens füh­ren alle Gesell­schaf­ten etwa das glei­che bar­rie­re­freie Ange­bot. Bei den Schwei­zer Flug­ge­sell­schaf­ten hat man den Heim- bzw. Sprach­vor­teil. Das macht es ein­fa­cher, sich bei Schwie­rig­kei­ten durchzusetzen.

Bar­rie­re­frei­heit in einem Dritt­welt­land ist zum Bei­spiel schon wegen der Infra­struk­tur nicht gleich wie bei uns. Wie sol­len sich Rei­sen­de vorbereiten?
Mei­nen Kun­din­nen und Kun­den ist es durch­aus bewusst, dass sie in ande­ren Län­dern nicht die glei­che Infra­struk­tur wie bei uns erwar­ten kön­nen, beson­ders wenn sie in ärme­re Län­der aufbrechen.

Es kann über­all pas­sie­ren, dass ein Lift nicht funk­tio­niert. Bei Zug­fahr­ten aus­ser­halb von Gross­städ­ten hat es vie­ler­orts kei­ne eben­erdi­gen Per­rons. Oder das Per­so­nal einer Trans­port­ge­sell­schaft will die Ver­ant­wor­tung für einen Roll­stuhl­fah­ren­den nicht über­neh­men. Da ist man auf die Hil­fe von Mit­rei­sen­den ange­wie­sen. Aber die unter­stüt­zen in der Regel gerne.

Haben Sie Bei­spie­le dafür?
Auf einer fünf­wö­chi­gen Fidschi­rei­se mach­ten wir einen Aus­flug auf eine Insel. Die Fahrt mit dem Boot dau­er­te drei Stun­den. Beim Buchen hat­te ich erwähnt, dass ich einen Roll­stuhl benut­ze und kei­ne Trep­pen stei­gen kann. Die Crew mein­te, es sei kein Pro­blem, sie wür­de hel­fen – eine Aus­sa­ge, die viel Raum für Inter­pre­ta­ti­on lässt. Auf dem Boot hob man mich vor­sich­tig aus dem Roll­stuhl. Bei der Insel ange­kom­men, konn­te das Boot wegen Ebbe nicht an Land fah­ren. Ganz selbst­ver­ständ­lich trug mich die Crew gut 200 Meter durch das seich­te Was­ser. So spon­tan lösen die Men­schen vor Ort Situationen.

Wel­che Tipps haben Sie, um sich vor medi­zi­ni­schen Not­fäl­len auf Rei­sen zu schützen?
Nie­mand kann sich vor allem schüt­zen. Wich­tig ist, genü­gend Ersatz­ma­te­ri­al, benö­tig­te Medi­ka­men­te sowie gän­gi­ge Not­fall­me­di­ka­men­te bei sich zu haben. Zudem soll­ten Rei­sen­de für einen Not­fall eine Rück­rei­se­ver­si­che­rung besitzen.

Es ist sicher sinn­voll, sich vor­ab bei den ört­li­chen Behör­den, dem Ver­an­stal­ter oder Men­schen vor Ort über das nächs­te Spi­tal oder die nächs­te Arzt­pra­xis zu infor­mie­ren. Hilf­reich ist es auch, sich die Not­fall­num­mer des Lan­des im Vor­feld herauszusuchen.

Orga­ni­sie­ren Sie Ihren Kun­din­nen und Kun­den Unter­stüt­zung und Betreu­ung vor Ort?
Mei­ne Kun­din­nen und Kun­den rei­sen alle mit einer oder meh­re­ren Begleit­per­so­nen. Es ist ihnen woh­ler, wenn eine ver­trau­te Per­son gewis­se Pfle­ge­auf­ga­ben über­nimmt. Eine Betreu­ung von Frem­den kann hei­kel sein, wenn es zwi­schen­mensch­lich nicht funk­tio­niert. Auf Tene­rif­fa gibt es zum Bei­spiel eine Art Spi­tex. Wenn ich von sol­chen Ange­bo­ten weiss, lei­te ich die Kon­tak­te bei Bedarf an Inter­es­sier­te wei­ter. Orga­ni­sie­ren müs­sen sie die Unter­stüt­zung aber selbst.

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Bar­rie­re­frei unter­wegs in Thai­land – geht wunderbar.

Wel­che Rol­le spie­len loka­le Kon­tak­te und Netz­wer­ke beim Pla­nen der Reisen?
Ob bar­rie­re­frei oder nicht: Bei Glo­be­trot­ter buchen wir die Rei­sen aus­schliess­lich über ande­re Ver­an­stal­ter mit loka­len Kon­tak­ten. Wir füh­ren eine 24-Stun­­den-Hel­­pli­­­ne. Geht über die­se eine Mel­dung ein, infor­mie­re ich den Ver­an­stal­ter, und er koor­di­niert wei­ter. Auf Grup­pen­rei­sen ist es ein­fa­cher, da hat man eine Kon­takt­per­son vor Ort.

In einer Grup­pe oder selbst­stän­dig rei­sen: Wel­ches sind für Roll­stuhl­fah­ren­de die Vor- und Nachteile?
Der Vor­teil einer Grup­pen­rei­se kann sein, dass man das Erleb­te oder auch Ängs­te tei­len kann, sich gegen­sei­tig unter­stützt, moti­viert oder Tipps gibt. Ich per­sön­lich wür­de eine klei­ne Grup­pe mit zwei bis drei Roll­stuhl­fah­ren­den vor­zie­hen, mehr stel­le ich mir schwer­fäl­lig vor – sei dies beim Flug­ha­fen­trans­fer oder bei Trans­por­ten im Feri­en­land. Auch ein Restau­rant­be­such mit sechs Roll­stüh­len und meh­re­ren Begleit­per­so­nen wird für das Gas­tro­per­so­nal schnell eine platz­tech­ni­sche Herausforderung.

Wel­che Hilfs­mit­tel aus­ser dem Roll­stuhl neh­men Sie auf Rei­sen mit, und was gibt es zu beachten?
Grund­sätz­lich rei­se ich nach dem Mot­to: «Weni­ger ist mehr.» Mein Zug­ge­rät, der Swiss-Trac, kommt immer mit. Ande­re Men­schen sind auf einen Elek­tro­roll­stuhl ange­wie­sen und müs­sen die­sen mit­neh­men. Man muss stets im Hin­ter­kopf behal­ten, dass ein Gerät kaputt­ge­hen und eine Repa­ra­tur schwie­rig sein kann. So ein Defekt kann das Ende einer Rei­se bedeu­ten. Die­se Ängs­te sind ver­ständ­lich, aber des­we­gen auf Rei­sen zu ver­zich­ten, wäre bedauerlich.

Bil­der mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Roland Bigler

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Zur Per­son
Ein Köpf­ler ins Meer wur­de Roland Big­ler zum Ver­häng­nis. Infol­ge eines Schlags in den Nacken, ver­ur­sacht durch eine Wel­le, wur­de der damals 20-Jäh­ri­­ge zum Tetra­ple­gi­ker. Der gelern­te Mau­rer ist seit­her von der Brust abwärts gelähmt – die Arme kann er ein­ge­schränkt bewe­gen, die Fin­ger nicht. Beruf­lich muss­te Roland Big­ler umsat­teln und absol­vier­te dazu bei der Stif­tung Schu­­lungs- und Wohn­heim Ross­feld in Bern eine kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung. Anschlies­send arbei­te­te er dort in der IT und der Buch­hal­tung. Vom Rei­sen hat sich Roland Big­ler trotz Roll­stuhl nie abhal­ten las­sen. Sei­ne Erfah­run­gen kom­men ihm bei sei­nen Bera­tun­gen für bar­rie­re­frei­es Rei­sen bei Glo­be­trot­ter zugute.

Sei­ne Rei­se­be­rich­te sind unter: globetrotter.ch/rbigler

„Zwar brau­che ich viel län­ger, aber es geht vorwärts!“

Zwar brauche ich viel länger, aber es geht vorwärts! - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
Zwar brauche ich viel länger, aber es geht vorwärts! - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz 1

Seit rund zwölf Jah­ren woh­nen René (75) und Esther (71) im Aar­gau. Weil den bei­den das Leben in Zürich im Ren­ten­al­ter zu teu­er gewor­den war, such­ten sie nach einer Alter­na­ti­ve – und wur­den in Fahr­wan­gen fün­dig. Ihr «Hexen­häus­chen», wie sie es nen­nen, ver­eint dabei alle Wün­sche: Woh­nen in zwei unter­schied­li­chen Haus­hal­ten im sel­ben Gebäu­de und ein gemein­sa­mer Gar­ten, den es zu bewirt­schaf­ten gilt. Denn die Lie­be zum Gärt­nern ver­bin­det die bei­den. Nicht nur hier hel­fen und unter­stüt­zen sie sich gegenseitig.

René ist gelern­ter Radio- und Fern­seh­elek­tri­ker mit Wei­ter­bil­dung zum Haus­wart. Nach einer Hirn­blu­tung bezog er eine Teil­ren­te, arbei­te­te aber den­noch vie­le Jah­re wei­ter. Seit rund 25 Jah­ren lei­det er zudem an Poly­neu­ro­pa­thie – einer Krank­heit, die das Gefühl in Füs­sen und Hän­den ver­min­dert. Wenn René sich bei­spiels­wei­se an den Füs­sen ver­letzt oder Bla­sen bekommt, spürt er dies nicht. Dadurch ent­stan­den Ent­zün­dun­gen, die schliess­lich zur Ampu­ta­ti­on ver­schie­de­ner Zehen und des rech­ten Vor­fus­ses führ­ten. Nach wei­te­ren Kom­pli­ka­tio­nen muss­te auch sein lin­kes Bein inklu­si­ve Knie ampu­tiert werden.

Trai­nie­ren für das Rad­fah­ren auf der Strasse
Für den frü­her akti­ven Rad­fah­rer war dies zunächst ein har­ter Schlag – schliess­lich konn­te er sein gelieb­tes Hob­by nicht mehr aus­üben. Doch René liess sich nicht unter­krie­gen. Dank inten­si­ver The­ra­pie mit Gang­trai­ning und Kraft­auf­bau kommt er dem Rad­fah­ren lang­sam wie­der näher. Momen­tan radelt er zwar nur auf dem Home­trai­ner, aber die Aus­sich­ten, sich wie­der auf der Stras­se fort­zu­be­we­gen, sind gut. Hier­bei hilft ihm ein com­pu­ter­ge­steu­er­tes Knie­ge­lenk, mit des­sen Unter­stüt­zung er sein Knie kon­trol­liert und sicher beu­gen kann. Auch Trep­pen­stei­gen ist so wie­der möglich.

Aktu­ell ist der 75-Jäh­ri­­ge viel mit Roll­stuhl oder E‑Scooter unter­wegs. Zur The­ra­pie nach Schinz­nach (AG) fährt er bei­spiels­wei­se mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. «Das funk­tio­niert ein­wand­frei», erzählt er. Auf der SBB-App sieht er dabei genau, wel­che Trans­port­mit­tel sich für ihn und sein Gefährt eig­nen. «Weil das so ein­fach geht, nut­ze ich mit dem E‑Scooter oft den ÖV.»

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René und Esther vor ihrem «Hexen­häus­chen».
Mit E‑Scooter und ÖV fährt René zur The­ra­pie ins 20 Kilo­me­ter ent­fern­te Schinz­nach (AG).

Bad­um­bau in Eigen­re­gie – auch das funktioniert
Esther wie­der­um stö­bert ger­ne in Bro­cken­stu­ben nach Gegen­stän­den, die den gemein­sa­men Gar­ten zie­ren. «Des­halb nen­nen wir es auch das ‹Hexen­häus­chen›», erzählt sie, «weil im Gar­ten über­all Din­ge her­um­ste­hen und man beim Durch­lau­fen immer wie­der Neu­es ent­deckt.» Mit dem Älter­wer­den gehe jedoch alles etwas lang­sa­mer, und die Kraft neh­me ab. Des­halb hat sich Esther nach der Ampu­ta­ti­on von Renés Bein schwe­ren Her­zens ent­schie­den, den Gemü­se­gar­ten auf­zu­ge­ben. «Allei­ne schaf­fe ich das nicht mehr.»

Die bei­den über­le­gen, wei­te­re Hilfs­mit­tel ins Haus zu holen, einen Trep­pen­lift zum Bei­spiel. Dazu sam­meln sie sämt­li­che wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen. Auch ihre Bade­zim­mer wol­len sie alters­ge­recht umge­stal­ten. René legt dabei selbst Hand an: In Esthers Woh­nung hat er schon gan­ze Arbeit geleis­tet und das Bad umge­baut. Momen­tan wer­kelt er in sei­nen dar­un­ter lie­gen­den vier Wän­den. Hier ersetzt er die Bade­wan­ne durch eine Dusche und tauscht den Dusch-WC-Auf­­­satz gegen ein fes­tes Dusch-WC aus. «Zwar brau­che ich viel län­ger für das Raus­reis­sen, weil ich dabei nicht ste­hen kann», sagt René gut gelaunt, «aber es geht vor­wärts!» Unter­krie­gen las­sen? Nicht mit ihm!

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In Bro­cken­stu­ben stö­bert Esther nach Gegen­stän­den, die den gemein­sa­men Gar­ten zieren.

Poly­neu­ro­pa­thie
Poly­neu­ro­pa­thien sind Ver­sor­gungs­stö­run­gen meh­re­rer Ner­ven, die aus­ser­halb des zen­tra­len Ner­ven­sys­tems (Gehirn und Rücken­mark) lie­gen. Betrof­fen sein kön­nen Ner­ven, die Bewe­gun­gen steu­ern, für Sin­nes­wahr­neh­mun­gen zustän­dig sind oder Infor­ma­tio­nen direkt an das Gehirn leiten.

„Man muss auch eine Por­ti­on Fle­xi­bi­li­tät einpacken“

Man muss auch eine Portion Flexibilität einpacken - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz
Man muss auch eine Portion Flexibilität einpacken - Die SAHB – Ihre unabhängige Beraterin und Dienstleisterin für Hilfsmittel in der Schweiz

Gibt es ein Recht auf bar­rie­re­freie Unterkünfte?
Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen stos­sen bei vie­len tou­ris­ti­schen Dienst­leis­tun­gen auf Bar­rie­ren. Der Zugang für Men­schen mit Behin­de­run­gen ist jedoch im Über­ein­kom­men über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen (UNO-Behin­­der­­ten­­rechts­­kon­­­ven­­ti­on [BRK]) gere­gelt. Das bedeu­tet: Alle sol­len einen gleich­be­rech­tig­ten Zugang zu all­täg­li­chen Berei­chen wie Bil­dung und Arbeit haben. Auch der Tou­ris­mus muss Bar­rie­ren so weit wie mög­lich abbau­en. Haben Men­schen kei­nen Zugang, ist das diskriminierend.

Aus­ser­dem ist eine Aus­zeit vom All­tag und von der Arbeit ein Men­schen­recht, Feri­en sind im Arbeits­ge­setz gere­gelt. Das gilt für alle Men­schen in der Schweiz.

Wie fit sind her­kömm­li­che Rei­se­bü­ros und ‑anbie­ter im bar­rie­re­frei­en Reisen?
In den letz­ten zehn Jah­ren hat sich in die­sem Bereich sehr viel getan – auch dank Pro­cap Schweiz. Wir bie­ten einer­seits bar­rie­re­freie Rei­sen an, ande­rer­seits sen­si­bi­li­sie­ren und schu­len wir die Bran­che. Die Idee dahin­ter ist, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen ihre Feri­en in einem belie­bi­gen Rei­se­bü­ro buchen kön­nen. In die­sem Sin­ne hat die Kom­pe­tenz bei her­kömm­li­chen Rei­se­bü­ros zuge­nom­men. Immer wie­der lan­cie­ren Rei­se­an­bie­ter Pro­jek­te für bar­rie­re­frei­es Rei­sen. Doch die Rei­se­bran­che ist ein pro­fit­ori­en­tier­ter Wirt­schafts­zweig. Sobald Anfra­gen kom­pli­zier­ter wer­den, stellt sich die Fra­ge nach Auf­wand und Ertrag, wes­halb sol­che Pro­jek­te ger­ne schei­tern. Aber im Gros­sen und Gan­zen sind wir auf einem guten Weg.

Sind der Aus­bau­stan­dard und die Leis­tun­gen unter den bar­rie­re­frei­en Unter­künf­ten gleich?
In der Rei­se­bran­che gibt es ver­schie­de­ne Arten von Bar­rie­ren. Begin­nen wir bei der Infra­struk­tur, die durch Bau­nor­men stan­dar­di­siert ist. Bau­nor­men in der Schweiz unter­schei­den sich jedoch von jenen im Aus­land. Bei uns müs­sen öffent­li­che Neu­bau­ten bar­rie­re­frei sein – Hotels gehö­ren eben­falls dazu. Neben Mobi­li­täts­bar­rie­ren gibt es auch visu­el­le oder audi­tive Bar­rie­ren sowie betrieb­li­che Bar­rie­ren, etwa in Bezug auf Spra­che oder den Umgang mit Men­schen mit Behinderungen.

Der För­der­ver­ein Bar­rie­re­freie Schweiz hat die Initia­ti­ve OK:GO lan­ciert. Ziel ist es, dass jeder Tou­ris­mus­an­bie­ter in der Schweiz Infor­ma­tio­nen über die Zugäng­lich­keit sei­nes Ange­bots öffent­lich zur Ver­fü­gung stellt. Dabei geht es um ver­schie­de­ne The­men. Zum Bei­spiel dar­um, wie hoch eine Schwel­le sein darf, damit ein Ange­bot noch als bar­rie­re­frei gilt – unab­hän­gig von den stren­gen Bau­nor­men. Wir in der Tou­ris­mus­bran­che sehen das prag­ma­tisch, denn es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten, Men­schen mit Behin­de­run­gen Zugang zu ver­schaf­fen. Dank die­ser Infor­ma­tio­nen kön­nen Betrof­fe­ne selbst beur­tei­len, ob bei­spiels­wei­se eine Tür breit genug für ihren Roll­stuhl ist.

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Bild links: Eine Aus­zeit vom All­tag ist wich­tig. Wer nicht allein ver­rei­sen will, kann sich einer Grup­pe anschliessen.
Bild rechts: Hal­te­grif­fe, eine bar­rie­re­freie Dusche oder ein Dusch­sitz: Hilfs­mit­tel gehö­ren zu einer bar­rie­re­frei­en Unter­kunft dazu.

Pro­cap Rei­sen ist spe­zia­li­siert auf bar­rie­re­frei­es Rei­sen. Wie stel­len Sie bei den Unter­künften sicher, dass die­se wirk­lich bar­rie­re­frei sind?Bei Platt­for­men wie booking.com oder Airbnb sind bar­rie­re­freie Unter­künf­te mit dem Roll­stuhl­sym­bol gekenn­zeich­net. Inter­es­sier­te müs­sen jedoch genau nach­le­sen, was sich hin­ter die­sem Sym­bol ver­birgt, denn ein­heit­li­che Stan­dards gibt es nicht. Am bes­ten kon­tak­tie­ren sie die Unter­kunft direkt und klä­ren ab, ob die­se ihren Bedürf­nis­sen ent­spricht. Wir als Rei­se­ver­an­stal­ter müs­sen sicher­stel­len, dass unse­re Ange­bo­te hal­ten, was sie ver­spre­chen. Des­halb über­prü­fen wir die Gege­ben­hei­ten vor Ort und erfas­sen Infor­ma­tio­nen zur Bar­rie­re­frei­heit, etwa vor­han­de­ne Hilfs­mit­tel oder Zugän­ge. Bei wei­ter ent­fern­ten Desti­na­tio­nen arbei­ten wir mit loka­len Part­nern zusam­men, die uns unter­stüt­zen. Die letz­te Absi­che­rung, ob alles funk­tio­niert hat, sind Rück­mel­dun­gen von Kun­din­nen und Kun­den. Es kann immer pas­sie­ren, dass wir vor Ort waren, aber ein hal­bes Jahr spä­ter ein Hal­te­griff nicht mehr vor­han­den ist. So ist die Rei­se­bran­che – man soll­te immer auch eine Por­ti­on Fle­xi­bi­li­tät einpacken.

Wel­che ande­ren Rei­se­an­bie­ter für bar­rie­re­freie Rei­sen gibt es in der Schweiz?
In ers­ter Linie sind es Behin­der­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen, die selbst Feri­en orga­ni­sie­ren, etwa die Ver­ei­ni­gung Cere­bral, Insie­me oder PluSport. Sie kon­zen­trie­ren sich vor allem auf Grup­pen­rei­sen, meis­tens in der Schweiz. Ver­an­stal­ter, die wie ein Rei­se­bü­ro funk­tio­nie­ren, gibt es nur weni­ge. Neben Pro­cap Rei­sen bie­tet Glo­be­trot­ter Arran­ge­ments für bar­rie­re­frei­es Rei­sen an. Aben­teu­er­lus­ti­ge kön­nen zum Bei­spiel Trek­king­tou­ren buchen. Das Para­ple­gi­ker Zen­trum arbei­tet mit TUI in Luzern oder auch mit uns zusam­men – exklu­siv für Feri­en für Roll­stuhl­fah­ren­de. Zudem gibt es Clai­re & Geor­ge, die sich auf Feri­en­ar­ran­ge­ments in der Schweiz inklu­si­ve Hotel­spi­tex spe­zia­li­siert haben.

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Bild links: So ein­fach macht man einen Strand für Roll­stuhl­fah­ren­de zugänglich.
Bild rechts: Aktiv sein in den Feri­en macht Spass und ist erleb­nis­reich – heu­te gibt es vie­le bar­rie­re­freie Angebote

Gibt es Qua­li­täts­un­ter­schie­de zwi­schen Ange­bo­ten in der Schweiz und sol­chen im Ausland?
Das hängt davon ab, was Inter­es­sier­te buchen wol­len. Ein 5‑S­­ter­­ne-Hotel hat ande­re Stan­dards als eine Jugend­her­ber­ge. Skan­di­na­vi­sche Län­der sind bezüg­lich Bar­rie­re­frei­heit wei­ter als die Schweiz. Im Süden ist die bar­rie­re­freie Hotel­le­rie noch nicht so weit ent­wi­ckelt, dafür sind Kir­chen, Strän­de oder ange­pass­te Miet­wa­gen zugäng­lich. Der Ursprung dafür liegt in den Kriegs­zei­ten: Auch Kriegs­ver­sehr­te soll­ten Zugang haben. Die Schwei­zer Jugend­her­ber­gen und Reka haben in den letz­ten Jah­ren viel inves­tiert und bar­rie­re­freie Umbau­ten sehr gut gelöst.

Wel­che Tipps geben Sie Men­schen mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen, wenn sie auf eige­ne Faust eine Rei­se buchen wollen?
Ganz wich­tig ist es, genug Zeit ein­zu­be­rech­nen, um die Rei­se vor­zu­be­rei­ten, zu orga­ni­sie­ren und durch­zu­füh­ren. Am Flug­ha­fen, oder wenn jemand Assis­tenz oder Ein­stiegs­hil­fe braucht, dau­ert es ein­fach län­ger. Wer auf Hilfs­mit­tel oder auch Medi­ka­men­te ange­wie­sen ist, tut gut dar­an, die­se Sachen bei sich zu haben, etwa im Hand­ge­päck. Auf Rei­sen kann immer etwas pas­sie­ren, etwa Ver­spä­tun­gen oder Absa­gen. Am bes­ten rüs­tet man sich so aus, dass man drei Tage ohne Gepäck über die Run­den kommt. Das will vor­be­rei­tet sein. Kör­per­li­che Ein­schrän­kun­gen sind sehr indi­vi­du­ell, und jedes Rei­se­land sowie die Gege­ben­hei­ten vor Ort sind anders. Da ist es gut, wenn sich Inter­es­sier­te bera­ten las­sen oder sich vor­ab mit Fach­leu­ten im Rei­se­land aus­tau­schen. Mit Roll­stuhl kom­men immer Fra­gen auf wie: Wie kom­me ich von A nach B? Ist der öffent­li­che Ver­kehr bar­rie­re­frei? Gibt es roll­stuhl­gän­gi­ge Taxis oder Miet­wa­gen? Hat es in der Unter­kunft die Hilfs­mit­tel, die ich brau­che? Das Inter­net ist auch eine wert­vol­le Info­quel­le. So berich­ten bei­spiels­wei­se in Rei­se­blogs ande­re Betrof­fe­ne über ihre Erfahrungen.

Wenn jemand allein ver­reist oder die Ange­hö­ri­gen ent­las­ten will, stellt sich die Fra­ge der Assis­tenz. Was emp­feh­len Sie Betrof­fe­nen, damit sie in den Feri­en gut betreut sind?
Am bes­ten und ein­fachs­ten ist es, eine Per­son mit­zu­neh­men, die man kennt. Natür­lich kön­nen Rei­sen­de auch vor Ort Pfle­ge­kräf­te enga­gie­ren. Wenn es aber an der Spra­che oder am Mensch­li­chen schei­tert, wird es unan­ge­nehm. Die Nach­fra­ge nach Betreu­ungs­per­so­nen ist sehr gross, wes­halb wir das Ange­bot «Per­sön­li­che Feri­en­as­sis­tenz» füh­ren. Unse­re Assis­tenz­per­so­nen ken­nen wir alle per­sön­lich. Ent­spre­chend der Rei­se­an­fra­ge suchen wir eine geeig­ne­te Begleit­per­son. Anschlies­send fin­det ein Tref­fen bei Pro­cap statt, um zu sehen, ob die Per­so­nen zusam­men­pas­sen, und um die Rei­se­de­tails gemein­sam zu regeln. Etwa wel­che Unter­kunft sie buchen oder wel­che Mahl­zei­ten sie gemein­sam ein­neh­men. Damit die Betreu­ungs­per­son weiss, was von ihr erwar­tet wird, legen bei­de auch die Pfle­ge­leis­tun­gen schrift­lich fest. Wich­tig zu wis­sen ist: Rei­sen­de kom­men für die Kos­ten – also Anrei­se und Auf­ent­halt – der Pfle­ge­per­son selbst auf, und sie müs­sen das Rei­se­ar­ran­ge­ment über Pro­cap buchen.

Wel­che Ange­bo­te und Desti­na­tio­nen sind bei Men­schen mit Behin­de­run­gen beliebt? Gibt es Trends?
Bei uns spie­geln sich die Trends der gan­zen Tou­ris­mus­bran­che wider. Belieb­te Rei­se­zie­le unter­schei­den sich je nach Jah­res­zeit oder dem Welt­ge­sche­hen. Bei Herrn und Frau Schwei­zer sind Bade­fe­ri­en hoch im Kurs. Die Leu­te fah­ren ger­ne in den Süden ans Meer, weni­ger in den Nor­den. Auch fra­gen uns vie­le Roll­stuhl­fah­ren­de an für Desti­na­tio­nen, die sie mit dem Auto errei­chen können.

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Bild links: Auf Mal­lor­ca gibt es zum Bei­spiel einen bar­rie­re­frei­en Golfplatz…
Bild rechts: …oder die Feri­en­gäs­te flit­zen mit einem Blo­kart durch die Natur.

Das benach­bar­te Aus­land lässt sich prak­tisch mit dem Auto errei­chen. Wel­che beson­de­ren Akti­vi­tä­ten und Ange­bo­te gibt es in der Nähe?
Deutsch­land hat für Roll­stuhl­fah­ren­de vie­les zu bie­ten und ist für sie gut aus­ge­stat­tet. Im Nor­den Deutsch­lands kön­nen Inter­es­sier­te zum Bei­spiel auf Segel­törns gehen oder auf dem bar­rie­re­frei­en Wip­fel­weg den Baye­ri­schen Wald aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve erle­ben. In der deut­schen Zeit­schrift «Para­ple­gi­ker» fin­den Inter­es­sier­te vie­le Inspirationen.

Wer wei­ter ver­rei­sen will, fliegt. Flug­rei­sen mit Roll­stuhl haben ihre Tücken. Was müs­sen Betrof­fe­ne wissen?
Als Ers­tes müs­sen sie prü­fen, ob der Roll­stuhl über­haupt für den Flug buch­bar ist. Ein Elek­tro­roll­stuhl, ein zusam­men­klapp­ba­rer Roll­stuhl oder ein Hand­roll­stuhl – auf die Grös­se kommt es an. Nicht jeder Flug­zeug­typ akzep­tiert alle Mas­se. Aller­dings kann sich dies jeder­zeit ändern. Beim Buchen mel­den die Rei­sen­den ihren Roll­stuhl an. Am Flug­ha­fen unter­stützt das Assis­tenz­team beim Ein­stei­gen. Bat­te­rien von Elek­tro­roll­stüh­len müs­sen sie eben­falls anmel­den und abklä­ren, ob und wie sie die­se trans­por­tie­ren kön­nen. Auch das hand­habt jede Flug­ge­sell­schaft anders. Eine wei­te­re Fra­ge betrifft die Flug­dau­er und die Toi­let­te: Wie orga­ni­sie­re ich einen Toi­let­ten­gang? Muss ich auf die Bord-Toi­­le­t­­te, oder kann ich es anders regeln? Wir haben auf unse­rer Web­site wich­ti­ge Tipps zum Rei­sen und zum Flie­gen mit Roll­stuhl zusam­men­ge­stellt (sie­he nütz­li­che Links).

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Bild links: Hoch hin­aus in die bezau­bern­de Berg­welt mit Roll­stuhl, wie hier im Tirol
Bild recht: In der Schweiz gibt es vie­le roll­stuhl­gän­gi­ge Wan­der­we­ge, zum Bei­spiel rund um den Lai Bar­nagn in Savognin.

Auf Mal­lor­ca gibt es ein gros­ses Ange­bot an roll­stuhl­gän­gi­gen Akti­vi­tä­ten. Was kön­nen Feri­en­gäs­te dort alles erle­ben und unternehmen?
Feri­en­gäs­te kön­nen hand­gas­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge mie­ten und die Insel selbst aus­kund­schaf­ten. Dane­ben gibt es auf einer Flä­che von 3600 km² das gan­ze Jahr über viel­fäl­ti­ge roll­stuhl­gän­gi­ge Akti­vi­tä­ten. Zum Bei­spiel geführ­te Wan­de­run­gen im 4×4‑Rollstuhl, rasan­te Fahr­ten in einem Blo­kart, Segel­törns oder Golf spielen.

Manch­mal ist das Gute so nah: Was hat die Schweiz alles zu bieten?
Für Men­schen mit Roll­stuhl gibt es in der Schweiz vie­les zu erle­ben. Vor allem auch für Ein­zel­per­so­nen, da vie­le Hotels ein bar­rie­re­frei­es Zim­mer haben. Schweiz­Mo­bil hat auf der Web­site 81 hin­der­nis­freie Wan­der­we­ge zusam­men­ge­stellt, die im Roll­stuhl oder für Men­schen mit einer Seh­be­hin­de­rung mit­hil­fe einer App zugäng­lich sind. Dabei gibt es unter­schied­li­che Schwie­rig­keits­gra­de. Die Stif­tung Cere­bral ermög­licht Berg­wan­de­run­gen mit gelän­de­gän­gi­gen Roll­stüh­len und hat auf ver­schie­de­nen Cam­ping­plät­zen bar­rie­re­freie Bun­ga­lows gebaut. In Necker­tal gibt es zudem einen span­nen­den bar­rie­re­frei­en Baumwipfelpfad.

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Zur Per­son

Hele­na Big­ler ist Lei­te­rin Rei­sen und Sport bei Pro­cap Schweiz. Sie hat bereits Pro­cap Sport auf­ge­baut und bis zum heu­ti­gen Stand wei­ter­ent­wi­ckelt. Im Jahr 2004 hat sie zudem das Rei­se­bü­ro Pro­cap Rei­sen über­nom­men und weiterentwickelt.

Pro­cap Reisen
Pro­cap ist der gröss­te Mit­glie­der­ver­band von und für Men­schen mit Behin­de­run­gen in der Schweiz. Pro­cap Rei­sen ist eine Dienst­leis­tung von Pro­cap Schweiz und die Schwei­zer Spe­zia­lis­tin für bar­rie­re­frei­es Rei­sen. Seit dem Jahr 1995 bera­ten, pla­nen und orga­ni­sie­ren Reiseberater/innen Feri­en für Men­schen mit Behin­de­run­gen im In- und im Aus­land. Pro­cap Rei­sen ist Mit­glied des Schwei­zer Rei­­se-Ver­­­ban­­des und von Tra­vel Pro­fes­sio­nals Switz­er­land. www.procap-reisen.ch

Nütz­li­che Links
– Bar­rie­re­freie Rei­se­infos über die
Schweiz und welt­weit, Berg­wan­de­run­gen oder Blogs: Inter­es­sier­te fin­den nütz­li­che Infos unter
www.procap-reisen.ch/tourismusinklusiv

– Tipps für Flug­rei­sen ab Zürich:
www.procap-reisen.ch/reisen/
individuelle-reisen/